Kino
Der Faszination der bewegten Bilder verfallen

Georges Dufaux musste zuerst Konditor lernen, bevor er Filmvorführer werden konnte. Seit den 40-er Jahren hat er alle technischen Stadien der Kinos miterlebt und sich stets für den Fortschritt eingesetzt. Mit zwei Filmen gewann er sogar Preise.

Helmuth Zipperlen
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Georges Dufaux inmitten seiner Sammlung
7 Bilder
Die Sammlung von Georges Dufaux
Projektor Siemens 2000
Filmkamera Pathe Reflex ATC
Projektor De Vry 1929
Filmkamera Micron XXV
Filmkamera Bolex H16 Reflex

Georges Dufaux inmitten seiner Sammlung

Lucien Fluri

«Als es im Saal dunkel wurde und der Film begann, sah ich einen Lichtstrahl, welcher aus einer Öffnung der linken Wand kam. Dieser Lichtstrahl bewegte sich. Mich faszinierte dieser Lichtstrahl so stark, dass ich mehr den Lichtstrahl verfolgte als den Film.»

So schildert Georges Dufaux sein erstes Kinoerlebnis als Primarschüler in Montreux. Es sollte sein ganzes Leben prägen. Er wurde Aushilfsoperateur, später Operateur, zog mit Filmprojektor und Leinwand in abgelegene Dörfer, wurde Vertreter für foto- und kinotechnische Artikel, arbeitete ab 1960 im Labor der ehemals bekannten Schwarz Filmtechnik in Ostermundigen, führte an Festivals wie Locarno vor, drehte selber Kurzfilme und wirkte in kleinen Rollen in mehreren Filmen mit. Seit einigen Jahren wohnt die Familie in Solothurn, weil sich hier ein Haus finden liess, das sämtliche Räume im Parterre hat. Das hatte zudem den Vorteil, dass Georges Dufaux Kollegen von den Filmtagen hatte.

Heimliche Besuche während Lehre

Seit seinem Schlüsselerlebnis 1942 bis zur heutigen digitalen Filmvorführung hat er alle Stadien der Vorführtechnik hautnah miterlebt. Noch in Montreux liess er sich in einem Kino die Apparaturen erklären und bekam von einem älteren Mitschüler Filmkassetten geschenkt. Diese nahm er 1946 mit nach Tamins, wo er den Rest seiner Kindheit verbrachte.

Nach der Schulzeit wurde Georges Dufaux gefragt, was er lernen möchte. «Meine Antwort war klar: Filmvorführer. Die kurze Antwort war: Das ist kein Beruf.» So erlernte er in Chur den Beruf eines Konditors und kam dort wieder in Kontakt mit dem Kino. Er durfte Filmrollen umspulen. Allerdings mussten die Besuche beim Kinooperateur heimlich erfolgen, was nicht ohne Schwierigkeiten abging.

Nach der Lehre bekam er eine Stelle in einer Grosskonditorei in Aarau. Ein Onkel von Dufaux arbeitete bei einem Filmverleih. Dieser stellte die Verbindung zwischen ihm und den Aarauer Kinobesitzern, den Gebrüdern Eberhard, her.

Jetzt heisst es nur noch: Film ab!

Als Hilfsoperateur in Aarau rückte Georges Dufaux 1955 in die Rekrutenschule ein. Einer seiner Mitrekruten war der damals noch unbekannte Dimitri und Emil Steinberger verdiente den Leutnant ab. Nach der Rekrutenschule startete er seine weitere Laufbahn beim Filmverleih Emelka in Zürich. Bald darauf zog es ihn an den Genfersee zurück, wo er als Operateur tätig war. Da das nur eine Nebenbeschäftigung war, arbeitete er weiter als Patissier. «Mit dem ersten Lohn kaufte ich eine 8-mm-Kamera und machte einen Film über Montreux und seine Umgebung.» Diesen führte er in Montreux als auch in Tamins mit Erfolg vor.

Dufaux erhielt Publikumspreis

Am 15. April 1960 konnte er sich endlich voll auf seine Bestimmung konzentrieren, als er die Arbeit im Filmlabor Schwarz antrat. Dieser Firma blieb er 22 Jahre in verschiedenen Funktionen treu. 1966 nahm er an den Solothurner Filmtagen mit Experimentalfilmen teil. Später gewann er in Solothurn mit den Animationsfilmen «Wild West» und «Made in Hongkong» den Publikumspreis.

«Im Jahre 1973 konnte ich im Foyer des Kinos Scala mithören, wie der damalige Leiter, Stephan Portmann, mit Claude Goretta diskutierte und das Wort ‹nicht möglich› fiel. Ich mischte mich ein und stellte fest, dass es sich um einen Film im Zwei-Band-Verfahren handelte. Es war der Film ‹L'Invitation›. Ich sagte, die Vorführung sei möglich und fuhr mit einem Kurier nach Ostermundigen, besorgte einen Doppelprojektor und die Vorführung konnte durchgeführt werden. Nach diesem Ereignis war ich bis im Jahre 1979 an den Solothurner Filmtagen auf dem Balkon des Kino Elite als Operateur tätig.»

Gefängnis und Aga Khan besucht

Nach dem Tod von Edgar Schwarz fand Georges Dufaux als Chef des technischen Dienstes beim Lichtspieltheater eine höchst interessante Aufgabe. Er musste Berichte schreiben, Filmschäden untersuchen, Apparatekontrollen ausführen und Operateurkurse mit Prüfungen durchführen. Alle dem Verband angeschlossenen Kinos wurden periodisch besucht. Dazu gab es auch einige ausserordentliche Mitglieder, so beispielsweise die Zuchthäuser von Lenzburg und Stampa im Tessin.

«Angenehmer waren die Besuche in den Klöstern Disentis und Engelberg. Ganz feudal waren die Besuche beim Aga Khan in St. Moritz und beim deutschen Unternehmer Helmut Horten im Tessin. Der Butler holte mich am Bahnhof ab. Die Eingänge der Villa waren bewacht. Der Kinosaal: ein Salon mit Polstergruppen. Durch einen Knopfdruck verwandelte sich der Salon innert dreier Minuten in einen Zuschauerraum.»

Georges Dufaux hat sich immer für den technischen Fortschritt eingesetzt. Doch heute muss er feststellen, dass alle seine engagiert ausgeführten Arbeiten Geschichte sind. Da wird in Paris auf einen Knopf gedrückt und in den Pathé-Kinos der Schweiz startet der Film. Da hilft ihm nur ein Zitat von Sam Goldwyn: «Man muss nicht verrückt sein, um im Film- und Kinogeschäft zu arbeiten, aber es tut gut, wenn man es ist.»

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