Museum Enter
Der 30-jährige «Brotkasten» wird noch immer umschwärmt

Eine Sonderausstellung bis Ende Januar im Museum Enter nimmt die Kult-Maschine Commodore C64 ins Visier. Der C64 ist bis heute das meistverkaufte Computermodell und erinnert an die Anfangszeiten der Computerspiele.

Andreas Kaufmann
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Sonderausstellung zum Commodore 64 im Museum Enter
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Sonderausstellung zum Commodore 64 im Museum Enter
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Sonderausstellung zum Commodore 64 im Museum Enter

Andreas Kaufmann

Was in aller Welt haben verpixelte Grafiken, sterile Piepstöne und vergilbte Kunststoffgehäuse im zweiten Jahrzehnt des neuen Millenniums zu suchen? Und worin liegt die Faszination? Dieser Frage geht das PC-Museum Enter nach und macht damit die Faszination der Computer - und eben auch der Computergeschichte - zum Thema seiner Dauerausstellung.

Am Donnerstag wurde im digitalen Fundus von Kustos Felix Kunz nun der Startschuss zu einer Sonderausstellung gegeben, die diesem Kult am Beispiel eines besonderen Modells nachgeht und obige Fragen bestens beantworten kann: Der Commodore C64 des polnisch-amerikanischen Unternehmers Jack Tramiel ist aus Sicht heutiger Computeranwender weder schnell noch leistungsfähig. Und auch wenn Eleganz bekanntlich im Auge des Betrachters liegt, ist der C64 kein Schönling: Irgendwo zwischen spöttisch und liebevoll ist die Bezeichnung «Brotkasten» anzusiedeln, die das Urmodell nach Markteinführung 1982 bald mal erhielt.

Doch dann wurde das braune Wunderding mit dunklen Tasten mit über 17 Mio. verkauften Exemplaren zu einem der ersten Computer für die Massen. «Das Modell hält den weltweiten Verkaufsrekord bis heute», weiss Felix Kunz, der die bis Ende Januar dauernde Sonderausstellung lanciert hat. Mit allen Abwandlungen zusammen sind es gar 22 Mio. verkaufte C64-Geräte. Viele Zusatzkomponenten wie Modem, Klavieraufsatz oder Speichergeräte machten den C64 bald zur multimedialen eierlegenden Wollmilchsau seiner Zeit.

Sparschweine-Schlachten für C64

Gerade Jugendliche schlachteten damals für einen «Brotkasten» ihr Sparschwein. Sie liessen die Videospielhelden zum Leben erwachen oder tippten ihr erstes «Hallo Welt»-Computerprogramm ein. Für viele Interessierte dürfte mit einem Ausstellungsbesuch im PC-Museum deshalb auch ein Eintauchen in eigene Jugenderinnerungen verbunden sein: So auch für Paul Förster aus Balm bei Günsberg, der in frühen Jahren mühsam sein Taschengeld für den Vorgänger des C64, den VIC-20, zusammenraffte: «Als ich bei der Hälfte des Verkaufspreises von 899 Mark angelangt war, wurde meinen Eltern wirklich bewusst, dass ich es ernst meine», sagt der gebürtige Mönchengladbacher.«Die andere Hälfte übernahmen dann sie. So wurde ich im ganzen Dorf das erste Kind mit Computer.»

Doch der digitale Spass hatte auch seine mühsamen Seiten. Nicht wie heute mit Festspeicher ausgestattet, musste er seine Computerprogramme stets von Neuem eintippen: «Mein Vater wunderte sich, warum der Kasten immer wieder alles vergisst», schmunzelt Förster. Während seiner Studienzeit dann habe ein geschenkter alter Computer seine Leidenschaft aus Kinderjahren wieder neu entfacht. «Zeitweise war meine 16-Quadratmeter-Wohnung vollgestopft mit alten Computern.»

«C64 hat was mit Basteln zu tun»

Ein Teil seines Lagers hat nun in Felix Kunz' Sammlung ein neues Zuhause gefunden. Trotzdem lodert bei Förster heute noch die Leidenschaft, insbesondere für den C64. Dies ungeachtet der allgemeinen Tendenz, immer leistungsfähigere Computer auf den heimischen Bürotisch stellen zu müssen: «Beim C64 gehts eben nicht um schneller oder besser. Es hat was mit Basteln zu tun.» Sein aktuelles Projekt: einen C64-Laptop, Marke Eigenbau: «Aber das dauert noch ...»

Gar nichts anfangen kann er mit dem C64-Nachbau, der 2010 für Retro-Liebhaber erschien und moderne PC-Komponenten verbaut hat: «Die Tastenanordnung ist anders als beim Original. Das ist nix», sagts, rümpft die Nase und läuft von der Vitrine davon, in der halt auch dieses Modell zu sehen ist. Und währenddem sich der wahre Kenner kein X für ein U vormachen lässt, steht der Laie daneben - und staunt.

Museum Enter: Rückblick der ersten neun Monate betrieb

Anlässlich der Ausstellungseröffnung durfte Museumsleiter Felix Kunz für die ersten neun Monate Betriebszeit rund 3000 verzeichnete Besucher verkünden. Gerade viele Schüler und Jugendliche seien darunter gewesen. Im Besondere strich Kunz eine Ferienpass-Veranstaltung hervor, die bei den Teilnehmern auf Zuspruch gestossen war. Auch die Event-Angebote seien von Privatpersonen und Unternehmen rege genutzt worden. Weiter wies er aber auch auf die seither umgesetzten Neuerungen des Museums hin. «Auf die Sonderausstellung hin wurde die Radio- und TV- sowie die Computerausstellung optimiert», so Kunz. Ein eigener Mittelwellensender, ein funktionierender Telefonrundspruch und eine Reparaturwerkstatt für Radio und TV gehören ebenso zu den neu präsentierten Exponaten wie ein altes Fernseh- und ein altes Radiostudio. Was die Präsentation der Inhalte betrifft, verfügt das Museum Enter seit einigen Wochen neu über insgesamt 30 Multimedia-Terminals, die themenbezogen über die Dauerausstellung verteilt sind und zusätzliche Infos zu den Ausstellungsobjekten liefern. Auch ergriff Peter Regenass, Mitgründer der Stiftung «Enter», das Wort und lobte die Entwicklung von «Enter» seit der Eröffnung: «Aus dem Lager wird langsam ein Museum.» (ak)

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