Solothurn
Das Gestrickte reicht auch noch für die Wengibrücke

«Platz da», das generationenübergreifende Projekt des Alten Spitals, hat alle Erwartungen übertroffen. So viele begeiserte Stickerinnen haben beim Strickguerilla mitgeholfen, dass jetzt sogar noch die Wengibrücke ummantelt wird.

Katharina Arni-Howald
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Am Samstag wurde das Geländer der Kreuzackerbrücke umstrickt. Diese Woche soll die Wengibrücke folgen.

Am Samstag wurde das Geländer der Kreuzackerbrücke umstrickt. Diese Woche soll die Wengibrücke folgen.

Hansjörg Sahli

In Solothurn wurde in den vergangenen Wochen gestrickt und gehäkelt was das Zeug hielt. Erste Resultate sind an der Kreuzackerbrücke zu sehen (wir berichteten).

Und es geht gleich weiter: Am kommenden Samstag wird auch das Geländer an der Wengibrücke wollig warm eingepackt. Barbara Kläsi, Fachverantwortliche Jugend im Alten Spital und Verantwortliche für das Projekt «Platz da», ist begeistert: «Wir sind überwältigt und hätten nie gedacht, dass so viele Frauen über alle Generationen hinweg an unserem Teilprojekt ‹Strickgraffiti› teilnehmen würden.»

Selbst auf dem Facebook hätte sich die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet. Die Aufgabe war einfach: Man schlage 26 Maschen an und stricke nach Lust und Laune solange es Spass macht - zu Hause vor dem Fernseher oder bei einem Strickhöck mit Gleichgesinnten.

«Wir hatten richtig Spass»

Erika Fischer gehört zu jenen älteren Frauen, die sich einmal in der Woche im City West zu einem Gedankenaustausch treffen. «Wir hatten richtig Spass bei der Aktion mitzumachen. Geübte Strickerinnen haben es auf mehrere Meter gebracht.»

Susanna Cortivo outet sich an der gut besuchten Vernissage im Kreuzackerpark als begeisterte Sockenstrickerin, die ihrem Hobby vor allem im Winter frönt. «Ich hatte einen grossen Bestand an Restwolle, der nun aufgebraucht ist.»

Zweimal sei sie über die Brücke gegangen, bis sie ihr Strickgraffiti entdeckt habe. Stolz steht sie vor ihrer Arbeit, derweil ein Passant lächelnd mit der Hand über das wollige Geländer streicht. Immer noch bleiben viele Leute stehen und rätseln darüber, weshalb sich die Brücke plötzlich in so vielen Farben präsentiert.

Vernissage für das Projekt «Platz da» auf dem Kreuzackerplatz.
9 Bilder
Sie stehen für die Aktion «Platz da»: Barbara Kläsi (Projektverantworliche), Kaja Keiser (Jugendarbeiterin), Eva Gauch (Betriebsleiterin Altes Spital), Cheistoph Ochsner und Nico Barth (Jugendarbeiter)
Salat für alle
Auch das Wetter stimmte
Er hat es sich bequem gemacht
Barbara Kläsi und Eva Gauch im Gespräch

Vernissage für das Projekt «Platz da» auf dem Kreuzackerplatz.

Hanspeter Bärtschi

Stricken ist gut für die Nerven

«Es ist ein spezielles Gefühl, wenn man seine Strickarbeit plötzlich in der Stadt sieht», sagt die Pflegefachfrau Ivanka Susic und lächelt. Aus Erfahrung weiss sie, dass Stricken gut für die Nerven ist und beruhigt. Auch sie ist begeistert von dem Projekt, das sie mit verschiedenen Menschen zusammen führte.

Entspannt lassen sich auch die anderen «Lismerinnen» in den aufgestellten Sofas nieder oder erzählen einander stehend bei einem Glas Wein ihre Erlebnisse. Im Hintergrund der umgebaute Anhänger, der die Spielstadt Kreuzackerpark markiert.

Grosser emtionaler Wert

Barbara Kläsi ist überzeugt, dass jeder gestrickte Meter eine ganz persönliche Geschichte erzählen könnte. Und weil nach der ersten Installation, die auch vor Strassenlampen und Statuen nicht Halt macht, noch eine grosse Menge Gestricktes übrig geblieben ist, wird am Samstag auch noch das Geländer der Wengibrücke verziert.

«Die Arbeiten haben einen grossen emotionalen Wert. Wir können den «Lismerinnen» nun doch nicht einfach sagen, wir hätten für ihre Strickereien keinen Bedarf mehr», äussert sich Kläsi, die das Projekt mit zahlreichen Mitarbeitenden innert einem halben Jahr auf die Beine gestellt hat.

Für das Anbringen und Zusammennähen der Strickbahnen werden noch Helfer und Helferinnen gesucht. Diese treffen sich am Samstag ab 9 Uhr bei der Wengibrücke.
Nebst den «Maschen-Metern» sind in verschiedenen Schaufenstern der Stadt unter dem Titel «Schaukunst» zurzeit auch Arbeiten von jungen Künstlern zu sehen. Die Standorte sind mit Strickgraffitis markiert.

Das Geländer der Kreuzackerbrücke wird umstrickt
22 Bilder
Das Geländer der Kreuzackerbrücke wird umstrickt
Sie bringt eine lange Strickbahn mit, die dann ums Geländer gelegt wird.
Alles vorbereitet
Strickgraffiti in Solothurn: Kreuzackerbrücke und Strassenlampen werden eingestrickt
Mit Kabelbinder wird das Gestrickte festgemacht
Da ist Teamarbeit gefragt
Das Geländer der Kreuzackerbrücke wird umstrickt
Das Geländer der Kreuzackerbrücke wird umstrickt
Das Geländer der Kreuzackerbrücke wird umstrickt
Das Geländer der Kreuzackerbrücke wird umstrickt
So farbig präsentiert sich das Strickgraffiti
Strickmantel in blau, weiss, rot
Das Geländer der Kreuzackerbrücke wird umstrickt
Ein Foto muss sein
Auch eine Strassenlampe wird eingestrickt

Das Geländer der Kreuzackerbrücke wird umstrickt

Hansjörg Sahli

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