Theater
Bei diesem Mädchen wird es dem Jakob «so warm und wohl im Herzen»

Die Liebhabertheater-Gesellschaft Solothurn LTG kehrt zu ihren Wurzeln zurück und kann einen kaum erwarteten Erfolg verbuchen. Gut 200 Theaterbesucher liessen sich in der Reithalle von Gotthelfs «Anne Bäbi Jowäger» begeistern.

Katharina Arni-Howald
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In der guten Stube (v. l.): Mädi (Esther Knell), Sami (Markus Bomonti), Hansli Jowäger (René Stocker), Jakobli Jowäger (Stefan Huber) und Anne Bäbi Jowäger (Rita Lysser).

In der guten Stube (v. l.): Mädi (Esther Knell), Sami (Markus Bomonti), Hansli Jowäger (René Stocker), Jakobli Jowäger (Stefan Huber) und Anne Bäbi Jowäger (Rita Lysser).

Zur Verfügung gestellt

«Sieh dort die Kirche», rief Anne Bäbi Jowäger, als es sich mit Hansli und Jakobli Solothurn näherte und «der blaue Berg» immer näher rückte. «Und dä goldig Knopf! Man könne ganz dazu hinauf, sagen die Leute, und da sehe man die ganze Stadt darin und de sich sälber noch, es grus eim fasch.»

Dieser Satz aus dem zweiteiligen Roman des wortgewaltigen Emmentaler Volksschriftstellers ist vielen Solothurnern bekannt. Es ist allerdings lange her, dass sich die Liebhabertheater-Gesellschaft dem von Sämi Fauk zum Theaterstück umgeschriebenen Text annahm und auf die Bühne brachte.

Zu verlockend war es, sich modernen Autoren zuzuwenden. Nun hat sie es doch gewagt und alle Befürchtungen in den Wind geschlagen, Gotthelfs Erzählungen seien nicht mehr zeitgemäss.

Das Wissen des Wunderheilers

Das Wagnis hat sich also gelohnt. Gotthelf lebt und mit ihm die Geschichte von der herrschsüchtigen Bäuerin Anne Bäbi Jowäger (Rita Lysser), die sich lieber auf das Wissen von Wunderheilern verlässt als auf den richtigen Doktor (Thomas Stöckli), ihrem braven Ehemann Hansli (René Stocker) und dem an den wilden Blattern erkrankten Sohn Jakobli (Stefan Huber). Doch da ist noch die von Esther Knell hervorragend gespielte Magd Mädi, die mit dem Knecht Sami (Markus Bomonti) im bhäbigen Haushalt der Jowägers mitregiert.

Wenn Jakobli am «Wyben» ist

Auf dem Heimweg vom Solothurner Märet stossen die Jowägers auf das zarte, aus ärmlichen Verhältnissen stammende Bauernmädchen Meyeli (Anja Müller). Gegen den Willen von Anne Bäbi darf das «Meitschi» auf dem Wagen mitreiten und Jakobli, der seine Hände hinter seinem Rücken auf der Sitzlehne spürt, wird es «so warm und wohl im Herzen», dass er später «wie aus seligem Schlaf erwacht, als falle er vom Himmel auf die Welt».

Doch bevor Jakobli das Mädchen zur Freude des Pfarrers (Pius Portmann) an den Traualtar führen kann, muss er sich gegen viele Widerstände der raffgierigen Sippe vom Ziberlihoger durchsetzen.

Dort lebt die gierige Lise (Renée Michel) mit ihrer Mutter (Sabina Vitelli)und ihrem Vater Joggi (Fritz Fankhauser). Durch die Hausiererin Vreni (Beatrix Hasler) haben die Ziberlis erfahren, dass Jakobli «wyben» sollte, um von seiner Krankheit geheilt zu werden.

Der ausladende Roman «Anne Bäbi Jowäger» entstand 1843 im Auftrag der Berner Regierung und hatte zum Ziel, die Kurpfuscher und Wundheiler anzuprangern, die sich zum Schaden der Schulmedizin auf dem Land umhertrieben.

Jeremias Gotthelf, damals Pfarrer in Lützelflüh, hat seinem Temperament entsprechend eine Schrift verfasst, in dessen Zentrum das Thema des Glaubens, des Unglaubens und des Aberglaubens steht. Und er hat, zusammen mit anderen Werken, Unsterblichkeit erlangt.

Viel Arbeit in der Freizeit

Das erklärt auch, weshalb sich in der Reithalle Jung und Alt traf, und die Laienschauspieler am Ende mit kaum enden wollendem Applaus beglückt wurden. Sie hatten es unter der umsichtigen Regie von Yvonne Hofer und Regie-Assistentin Marina Bösiger wohl verdient, denn hinter dem gelungenen Auftritt stand eine Menge Arbeit, die vor allem in der Freizeit geleistet wurde.

Weitere Aufführungen in der Reithalle: 18. März 19.30 Uhr, 23. März 17 Uhr, 4. und 5. April jeweils um 19.30 Uhr.

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