Stadtbummel Solothurn
Aus-Zeiten und Aus-Orte

Andreas Kaufmann
Andreas Kaufmann
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Im Pärkli gibts auch ein Wildbienenhotel.

Im Pärkli gibts auch ein Wildbienenhotel.

Keystone/REGINA KUEHNE

Solothurn hat eine «grüne Insel». Die Bezeichnung nimmt nicht Bezug auf die «grüne Insel» der irischen Pubkultur, die hier rot(h) ist und von «John» geführt wird. Vielmehr ist von einem Pärkli auf der anderen Seite der Aaremeile die Rede. Verschüpft und verwildert lädt es neben dem Regio-Energie-Hauptsitz zum Verweilen ein. Adressiert sind aber – soviel verrät die Infotafel – vor allem tierische Besucher. Wildbienen, die ins dortige Hotel einchecken (sie tauchen leider in der touristischen Logiernächte-Statistik nicht auf), Käfer, die sich am Totholz gütlich tun, oder Eidechsen, die unter Steinhäufen ihr Quartier beziehen. «Ökologische Trittsteine», wie sie der Biologe nennt, gibts auch anderswo. Man denke an das Lavendelfeld inmitten des Schöngrün-Kreisels: «Gran Canaria für Bienen».

Doch auch der Homo sapiens braucht seine ökologischen Trittsteine, braucht Aus-Zeiten und Aus-Orte von der Alltagshektik, wo es sich nicht so anfühlt, als sei er auf der Flucht. Auch wenn die Tage kürzer werden: Das Sommerambiente hält sich. Und so finden sich an der Aaremeile zahlreiche Trittsteine. Just in diesen Tagen wird als Insel in der Hektik das Kurhaus Weissenstein neu gefeiert (obwohl die ersten Tage eher dem Trubel gewidmet sind). Oder dann wirbeln die Pferde des Nationalcircus im Galopp Sägemehl auf. Für alle Solothurner, die etwas weiter weg wollen, wird Vevey in diesen Tagen zum ökologischen– pardon: önologischen Trittstein.

Ans «Fête des Vignerons» erinnert auch die Skulptur, die im besagten Pärkli als Vogeltränke dient: Ein Fährmann buckelt ein Weinfass und merkt nicht, dass die Fracht rauströpfelt. Hoffen wir, dass dies kein schlechtes Omen ist: Die Solothurner Delegation käme in Vevey in argen Erklärungsnotstand, wo denn bitteschön der zu liefernde Traubensaft geblieben ist...

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