Solothurn
Auf Tour mit dem liebsten Konfetti-Opfer der Narren: der Polizei

Wie viele Zuschauer den Fasnachtsumzug in Solothurn besuchen, spielt für die Stadtpolizei keine Rolle. Der Ablauf bleibt für sie jeweils der gleiche. Und so kann man sich einen solchen Einsatz vorstellen.

Caroline Beck
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Mit der Polizei am Dienstag an der Solothurner Fasnacht unterwegs. Manfred Grossenbacher vom technischen Dienst stellt die letzten Verkehrssignale auf für den Fasnachtsumzug
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Bei Wind und Regen müssen die letzten Vorbereitungen getroffen werden für den Umzug.
Strassensperren sollen Autos daran hindern in den Fasnachtsumzug zu platzen
Beim aufstellen der Gitter packt die ganze Equipe an, so dauert es nur 20 Minuten
340 Gitter müssen in der Innenstadt aufgestellt werden
Bis um halb zwei müssen alle Gitter stehen. Da ist Tempo angesagt
Während dem Umzug muss aufgepasst werden, dass niemand auf die Strasse läuf
Mit der Polizei an der Fasnacht unterwegs
Die Polizei bekommt nicht nur viele Konfettis ab, sondern auch viele Süssigkeiten
Nebst Konfetti-Abreibungen und Täfeli bekommt die Polizei auch Taschentücher. Denn bei diesem Umzug bleibt kein Auge trocken
Ab in den Sarg der Schanzenarren, für einmal wird die Polizei abgeführt
Nach dem Umzug wird für kurze Zeit die Kronengasse gesperrt, damit keiner in den Umzug läuft, der vorne noch läuft
Der Zapfenstreich geht los und auch die Polizei wartet wieder an Ort und Stelle.
Kurz vor dem Zapfenstreich: Hansruedi Bart, Einsatzleiter der Stadtpolizei Solothurn, beobachtet die Situation vor der St. Ursentreppe und wartet auf den Startschuss.

Mit der Polizei am Dienstag an der Solothurner Fasnacht unterwegs. Manfred Grossenbacher vom technischen Dienst stellt die letzten Verkehrssignale auf für den Fasnachtsumzug

Caroline Beck

Es ist kein Vergleich zum Fasnachtssonntag. Es ist kalt. Das Wetter wechselt zwischen Regen und Schnee. Und es werden nicht ansatzweise so viele Leute am Solothurner Fasnachtsumzug vom Dienstag erwartet wie am Sonntag. Was aber bleibt, ist das Polizeiaufgebot der Stadt Solothurn. Fast alle Beamten sind im Einsatz. Wie viele genau, sagt Peter Fedeli, Kommandant der Stadtpolizei Solothurn, aus sicherheitstechnischen Gründen ungern. Die Vereinigte Fasnachtsgesellschaft Solothurn UNO steht im ständigen Kontakt mit der Polizei. Am späten Morgen gibt es Entwarnung. Der Umzug kann wie geplant um 14.31 Uhr starten – mit Wagen. Für die Freunde und Helfer der Stadt geht es aber früher los.

12.30 Uhr; es findet die Einsatzbesprechung statt. Der Einsatzleiter Hansruedi Bart erklärt nochmals die Details des Fasnachts-Einsatzes. Posten für Posten wird kurz durchgegangen und kontrolliert, ob auch jeder weiss, wo sein Platz ist.

Notausgänge für Fasnachtswagen

12.45 Uhr; es folgt das Absperren. Zurzeit ist es trocken. Gerüstet im vorgegebenen Tenü Rot macht sich eine Gruppe Beamter auf den Weg in die Altstadt. An Hauswänden und Strassenrändern stehen Gitter, 340 an der Zahl. In nur 20 Minuten sind von der St. Ursen Kathedrale bis zum Manor an der Gurzelngasse die Gitter verteilt. Von da an bis zum Bieltor haben sie bereits ein Trüppchen der UNO aufgestellt. «Es ist lustig, manchmal stehen an gewissen Orten die Gitter schon, wenn wir ankommen», sagt Fedeli, und auch nach dem Umzug seien sie teilweise bereits wieder weggestellt. Hin und wieder werden sie aber auch verschleppt. Es beginnt zu nieseln. Auf dem Amthausplatz singen sich bereits die Fasnachtszünfte ein; während sich einige Polizisten nochmals kurz in die Wärme begeben, bevor sie sich dem konfettireichen Umzug stellen.

13.30 Uhr; für Einsatzleiter Bart und Kommandant Fedeli geht es mit Umzugschef Yves Hauri und Pressenarr Fabian Maienfisch zur Kontrollfahrt der Umzugsroute. Im Schritttempo wird im Polizeiwagen die Strecke abgefahren und kontrolliert, ob die Durchfahrt für die Wagen breit genug ist. Vereinzelt werden noch Absperrungen hingestellt. Aus Sicherheitsgründen werden immer nur rund drei Gitter miteinander verhängt, sodass die Leute bei einer Gefahr fliehen können. Auf dem Kronen-, Kloster- und Märetplatz gibt es jeweils eine Rettungsachse. Die dient zum Beispiel dazu, im Notfall Umzugswagen mit einem bereitstehenden Abschleppfahrzeug aus dem Verkehr zu ziehen.

Konfettibad für die Polizei

14.00 Uhr; die Beamten beziehen ihre Posten in der Stadt und der Nieselregen wird zu leichtem Regen. Auf dem Amthausplatz trudeln langsam die Fasnächtler ein. «Sonntags zur gleichen Zeit war hier kein Durchkommen mehr», sagt Manfred Grossenbacher vom technischen Dienst. Zusammen mit Erwin Blättler stellt er kurz vor Umzug noch die letzten Verkehrsschilder auf, damit sich auch kein Autofahrer plötzlich im Umzug verirrt. Um die 100 Schilder werden benötigt. Die Vorstadt ist als Letztes dran, um die Zufahrt zum Parkaus Berntor möglichst lange zu gewährleisten.

14.31 Uhr; verteilt auf zwölf Posten lassen die Polizisten und Polizeiassistenten die 36 Nummern an sich vorüberziehen. Beim Kronenstutz müssen die Wagen aus Sicherheitsgründen warten, bis die Polizei ein Kommando gibt. Es wird kurz hektisch. Es regnet und stürmt. Der satirische Boxkampf zwischen Kurt Fluri und Franziska Roth muss wegen den zu starken Windböen abgebrochen werden. Für die Narrenzunft Honolulu ist dies das Ende, und sie verlässt den Umzug per Klosterplatz. «Es hat schon fast horizontal geregnet», sagt Verkehrsinstruktor Konrad Müller, so etwas habe er an einer Fasnacht noch nie erlebt. Und ehe er sich versieht, liegt er im Sarg der «Schanzenarre», der schon fast einer Badewanne gleicht, und wird mit Konfetti überschüttet. «Das gehört dazu, und wir kennen ja die Leute», sagt er und lacht. Immer wieder machen die Beamten die Leute darauf aufmerksam, nicht die Gitter zu passieren. Und ein verloren gegangenes Kind wird von einer Patrouille zurück zu seinen Eltern gebracht.

16.15 Uhr; es folgt das Aufheben der Abschrankungen. Denn der Umzug bei der St. Ursentreppe ist mittlerweile vorbei. Und auch der Regen hat nachgelassen. Kurz darauf findet sich die Polizeiequipe im roten Turm zum Abendessen wieder. Eine knappe Stunde hat sie Zeit. «So viel Zeit bis zum Zapfenstreich haben wir selten», sagt Fedeli, dies liege auch daran, dass viele Leute nach dem Umzug heimgegangen sind.

17.30 Uhr; Schlussspurt mit dem Zapfenstreich. Ein letztes Mal stehen die Beamten auf ihren Posten. Es ist eine kurze Sache, bis der farbige Tatzelwurm an ihnen vorbeigezogen ist. Nach einer kurzen Nachbesprechung heisst es: Einsatz beendet – zumindest für jene, die keine Nachtschicht haben.

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