Solothurn
Auf den Spuren der «Neugläubigen»: Es gibt eine neue Stadtführung zur Reformation

Die neue Stadtführung zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation lässt einen zwar nicht die verborgenen Winkel der Stadt entdecken, spannend ist es aber trotzdem.

Ornella Miller
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Marie-Lise Studer beim «Probelauf» mit den Stadtführerinnen und Stadtführern.
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Marie-Lise Studer beim «Probelauf» mit den Stadtführerinnen und Stadtführern.
Die Stadtführung Solothurn zu 500 Jahre Reformation
Die Stadtführung Solothurn zu 500 Jahre Reformation
Die Stadtführung Solothurn zu 500 Jahre Reformation
Die Stadtführung Solothurn zu 500 Jahre Reformation
Die Stadtführung Solothurn zu 500 Jahre Reformation
Die Stadtführung Solothurn zu 500 Jahre Reformation
Die Stadtführung Solothurn zu 500 Jahre Reformation

Marie-Lise Studer beim «Probelauf» mit den Stadtführerinnen und Stadtführern.

Thomas Ulrich

Die neue Stadtführung zum Thema «500 Jahre Reformation Schweiz – auf den Spuren der Reformation in Solothurn» von Region Solothurn Tourismus gibt Einblicke in die Reformationswirren der Stadt und zeigt auf, warum Solothurn katholisch blieb.

Es sind keine Katakomben, die man bei der neuen Stadtführung zu sehen bekommt. Also keine sensationellen Entdeckungen bisher verborgener Winkel, sondern die Führung macht an 13 wohlbekannten Stationen Halt. Doch spannend ist sie gleichwohl. Man erhält einen Einblick in die Reformationswirren und erfährt, wie die Reformierten 1865 nach langer Zeit im katholischen Solothurn doch noch zu ihrer Kirche kamen. «Also ihr müsst nicht denken, ou, Solothurn war immer katholisch. Das war nicht so. Die Wirren waren sehr brutal», versuchte Stadtführerin Marie-Lise Studer der Zuhörerschaft klar zu machen. Die Reformation war hierzulande eine aufwühlende Entwicklung voller Machtkämpfe und geschickter politischer Schachzüge.

Kleine, neugläubige Gruppe

17 Stadtführerinnen und Stadtführer lauschten ihr während anderthalb Stunden anlässlich eines Probelaufs. Es habe Vordenker gegeben wie den Humanisten Melchior Dür, ein Freund Zwinglis, der von einer Versammlung in Fraubrunnen umstürzlerische Ideen mitbrachte. «Er war der geistige Vater dieser reformerischen Entwicklung in Solothurn», erklärte Studer. Es habe sich allmählich eine kleine neugläubige Gemeinschaft gebildet, die durch wohlhabende Solothurner Bürger unterstützt wurde.

Die neuen Ideen gelangten also auch hierher. Doch: «War der Boden in Solothurn überhaupt bereit für solch eine Reform?» fragte Studer. Zwei Jahre nach Ausrufung der Reformation durch Martin Luther fand man 1519 im Solothurner Münster – der Vorgängerkirche der St. Ursenkathedrale – den Schädel des Legionärs Urs. Die beiliegende silberne Plakette trug jedenfalls dessen Namen. «Ihr könnt euch vorstellen, wie das die Katholiken freute!» Doch auch anderes drängte die Reformbewegung zurück, nämlich dass die französische Ambassade ihren Sitz in Solothurn hatte und das für die Stadt einträgliche Soldwesen. Man hielt zum katholischen Frankreich.

Trotzdem gab es neugläubige «Nester». Die Franziskaner etwa neigten zum neuen Glauben und boten den Neugläubigen Zuflucht. «Die Franziskanerkirche spielte eine ganz wichtige Rolle. Hier war der Ausgangspunkt der reformerischen Bewegung.» Nachdem alle Mönche aus dem Orden ausgetreten und sich dem neuen Glauben zugewandt hatten, gehörte die Franziskanerkirche von 1529 bis 1531 den Neugläubigen.

Predigt im Kantonsratssaal

Man erfuhr weiter vom «Bildersturm» der reformierten Schiffsleute, die am 23. November 1529 trotz Verbots des Solothurner Rates alle Bilder dieser Kirche abhängten und in ihrem Zunftlokal nördlich des Landhauses versteckten. Oder man hörte die berühmte Geschichte des vereitelten Aufstandes vom 30. Oktober 1533, als Schultheiss Niklaus von Wengi sich vor die Kanone stellte, den Bürgerkrieg so verhinderte und die Katholiken endgültig die Oberhand gewannen.

Dabei spielte die Uhr des Zytgloggenturms eine gewichtige Rolle. Wengi liess sie anhalten und verschaffte den Katholiken dadurch einen wesentlichen Vorteil. Zwei Schüsse fielen beim Tumult dennoch. Vor dem Restaurant Wengihaus erhielt man den Hinweis auf Niklaus’ Herkunft aus dem Bucheggberg, deshalb sind auch die Bucheggberger Rosen enthalten.

Auf dem Friedhofsplatz erzählte Studer, dass die Neugläubigen trotz nunmehr eigenem Priester während 30 Jahren die dort stehende Stephanskapelle (jetziges Reformhaus) mit den Katholiken teilten. Und dass es Engpässe gab wie an jenem Karfreitag, an dem die Reformierten für die Predigt in den Kantonsratssaal ausweichen mussten. Schliesslich wies Studer auf die Statuen an der Westfassade der heutigen Reformierten Kirche hin, wo auch die vier Reformatoren verewigt sind. Darunter der wohl weniger bekannte Berner Berchtold Haller.

Die Reformationsgeschichte wird in der Führung sehr lebendig. Helmuth Zipperlen und Claire Muster wirkten der Ausarbeitung der neuejn Führung mit. So ganz nebenbei werden allgemeine Informationen zu den Bauwerken eingestreut. Die Führung ist auch auf Französisch buchbar.

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