Golden Age der Fliegerei
Auch die Solothurner hatten einmal einen Flugplatz

In Grenchen und Biel existierten schon in den Dreissigern Flugplätze – und auch in Solothurn wollte man nicht abseitsstehen. Noch vor Kriegsbeginn strebte man deshalb die Schaffung eines Flugplatzes an.

Peter Brotschi
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Solothurn noch ohne Weststadt: Die Aufnahme vom 19. April 1940 zeigte das Areal des Flugplatzes und die Leitung der AEK

Solothurn noch ohne Weststadt: Die Aufnahme vom 19. April 1940 zeigte das Areal des Flugplatzes und die Leitung der AEK

Schweizer Luftwaffe

Die Jahre von 1920 bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges gelten als die goldene Zeit der aufstrebenden Fliegerei. Während des Ersten Weltkriegs wurden aus fliegenden Drahtkommoden in kürzester Zeit Flugzeuge zu verschiedenen Zwecken.

Nach dem Friedensschluss gab es viele unbenötigte Maschinen und arbeitslose Piloten, was die Entwicklung der Verkehrsfliegerei förderte. Auch die Sportfliegerei hatte ihre goldene Zeit, die Aviatik kam in der Zivilgesellschaft an, Flugwettbewerbe entstanden. Kein Wunder, dass Ortschaften, die etwas auf sich hielten, an der Errungenschaft der Luftfahrt partizipieren wollten.

Schwierige Standortsuche

Schon 1918 war die Gegend um Solothurn abgesucht worden, um einen Stützpunkt für die Militärfliegerei zu suchen. In einem Schreiben vom 9. Oktober 1918 rapportierte Militärpilot Fritz Rihner, der 1944 Kommandant der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen werden sollte, über die Rekognoszierung des Stützpunktes Solothurn.

Rund um die Hauptstadt suchte er nach Möglichkeiten zur Erstellung eines Flugfeldes. Darunter auch weiter entfernt im Raum Deitingen-Subingen oder im Limpachtal. Rihner favorisierte zwei Landeplätze bei Zuchwil östlich und westlich der Strasse nach Derendingen.

Zweiteiler zum Flugplatz

Wo sich heute unter landwirtschaftlich genutztem Land der ehemalige Solothurner Stadtmist ausbreitet und sich eventuell einmal die Wasserstadt befinden könnte, existierte bis 1951 ein Flugplatz. Im öffentlichen Gedächtnis ist dieser Solothurner Flugplatz kaum mehr präsent. Heute gehen wir auf die Entstehungsgeschichte ein, in einem zweiten Teil wird der hiesige Flugbetrieb beleuchtet – inklusive zweier Flugunfälle, die für Schlagzeilen sorgten. (szr)

Das Areal, auf dem sich heute eine Gewerbezone befindet, war Landwirtschaftsland mit damals üblicher kleiner Parzellierung. Der Militärflieger verhandelte mit den Landbesitzern. Offenbar stiess das Anliegen nicht nur auf eitel Freude: Ein Besitzer wollte nichts wissen. Begründung: Durch zuströmendes Publikum werde Kulturland zerstört.

Auch ein weiterer Anlauf im Sommer 1931 – unmittelbar nach der Eröffnung des Flugplatzes Grenchen – verlief im Sand. Am 3. Dezember 1936 war es soweit: Im «Roten Turm» wurde die Segelfluggruppe aus der Taufe gehoben. Am 2. März 1937 folgte die Gründung der Sektion Solothurn des Aero-Club der Schweiz in der «Wirthen».

Zweck war die Schaffung eines Flugplatzes, um der «Jugend vor allem Gelegenheit zu geben, sich für die [...] Aviatik zu begeistern und vorzubereiten.»

Schon im Frühling 1937 gelangte der Aero-Club Solothurn an die Abteilung für Flugwesen und Fliegerabwehr, damit ein Flugplatz Solothurn errichtet werden kann. Unterstützung fanden die Flieger bei Stadtammann Paul Haefelin und dem Zentralvorstand des Aero-Club der Schweiz.

Mit Brief vom 13. September 1937 doppelte der Präsident des Solothurner Aero-Clubs, Oberstleutnant Fein, nach. Das Interesse der Öffentlichkeit und der Behörden sei derart allgemein, dass man mit dem Beginn des Betriebes für das nächste Jahr rechne, schreiben die Gesuchssteller.

Anhand des beigelegten technischen Berichts wird ersichtlich, dass der Flugplatz im Westen, also im Brühl, geplant wurde. Zuerst wollte man nur das Areal mit dem Flurnamen Spittelfeld beanspruchen.

Um aber das Starten und Landen für «schnellste Flugzeuge» ermöglichen zu können, werde neben dem Spittelfeld auch das Untere Brühl benötigt, das westlich an das Spittelfeld angrenzt. Der Plan zeigte eine Längspiste in Richtung Ost-West von 950 Metern sowie eine Querpiste Nordwest-Südost von 600 Metern.

Das Dafür und das Dawider

Am 1. November 1937 fand eine Besprechung zwischen den Vertretern des Aero-Clubs und dem Eidgenössischen Luftamt statt. Das Luftamt schickte den Ingenieur Robert Gsell, der sich als erster Schweizer Flugunfall-Experte einen Namen gemacht hatte. Luftamt-Direktor Arnold Isler hielt das Resultat der Besprechung noch gleichentags in einem Brief an den Aero-Club Solothurn und an den Stadtammann fest.

Darin steht, dass es auf den ersten Blick unzweckmässig sei, in Solothurn einen Flugplatz zu eröffnen, da bereits in Grenchen und in Biel-Bözingen solche bestehen. Aber weil Grenchen bereits voll beansprucht sei, könne in Solothurn dennoch ein Flugplatz ins Auge gefasst werden.

Die ominöse AEK-Leitung

Als grösstes Hindernis wurde die das Spittelfeld/die Mutten durchschneidende Hochspannungsleitung der Gesellschaft des Aare-und Emmenkanals (heute AEK) bezeichnet, die unterirdisch verlegt werden musste. Ansonsten wurde das Areal gelobt: Die Lage sei flugtechnisch recht günstig und ermögliche eine fast allseitig hindernislosen Anflug. «Das umliegende Gelände bietet [...] Gelegenheiten für Notlandungen.» Die Leitung sollte dann prompt zu einem Flugunfall führen… (PBG)

Auch seitens des Militärflugwesens bestehe Interesse an einem Platz in Solothurn. Das Luftamt schaute die Hochspannungsleitung der AEK als grösstes Hindernis an und sprach sich für eine Verlegung aus. Für die Realisierung des Flugplatzes wurde Unterstützung zugesichert.

In der Folge wurde das Ingenieurbüro Werner Luder von Solothurn mit der Ausarbeitung des Bauprojekts beauftragt, das im August 1938 vorlag. Den Solothurnern ging es vor allem darum, dass seitens der Armee das Projekt finanziell unterstützt wird.

Am 7. November 1938 bestätigte Divisionär Hans Bandi, Kommandant der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen, dass man vom Projekt Kenntnis genommen habe. Eine finanzielle Unterstützung konnte er aber noch nicht zusichern, da die besonderen Kredite für das Anlegen von Flugplätzen erst auf Frühling 1939 in Aussicht gestellt wurden.

Quellen: Bundesarchiv Bern E27/16804 und 16805

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