Solothurn
Auch die Leinwandliebe geht durch den Magen

Die Solothurner Filmtage generieren eine grosse Wertschöpfung für städtische Restaurantbetriebe – vor allem nördlich der Aare. Mit Schnellmenüs bieten die Gastronomen ein angepasstes Angebot für Filmfans, die es eilig haben.

Andreas Kaufmann
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Sami Daher vom «Pittaria» kennt seine Filmtage-Gäste, die jährlich wiederkommen.

Sami Daher vom «Pittaria» kennt seine Filmtage-Gäste, die jährlich wiederkommen.

Andreas Kaufmann

Mit leerem Bauch ins Kino macht keine gute Laune, und angesichts eines knurrenden Magens auch dem Sitznachbarn nicht. Für jeden Filmtage-Besucher geht deshalb die Leinwandliebe auch durch den Magen. Das bestätigen Stadtsolothurner Restaurant- und Imbissbetriebe.

Sie kennen das Schwarmverhalten der Cineasten und wissen: Das Schlangestehen gegen den kleinen Hunger ist zwischen 19 und 21 Uhr angesagt – und am Wochenende oft durchgehend, mit Spitzenwerten am Samstag.

«Nett, und nicht konventionell durchgestylt»

Im «Kreuz» – für viele die Filmtage-Beiz schlechthin – wurde deshalb die Kapazität mehr als verdreifacht: 150 statt 70 Gäste finden Platz, zu Spitzenzeiten stehen bis zu 25 Leute im Einsatz: 900 Mahlzeiten wurden am Samstag ausgegeben.

Die «Rush Hour» ist unter der Woche etwas früher als andernorts – zwischen 16 und 17 Uhr, so Alexandra Studer vom Genossenschafts-Vorstand. Bestellt wird querbeet, vor allem aber abhängig vom Zeitfenster, das den Filmfans zwischen zwei Kinoterminen bleibt. Sandwichs liegen für Kurzangebundene bereit, ebenso ein Salatbuffet als Filmtage-Special.

«Aber wer eine Stunde Zeit hat, kommt gut zu einer warmen Mahlzeit», so Studer. «Hier kommt man wegen des Personals und den anderen Gästen her – sie sind nett, und nicht konventionell durchgestylt», findet der Zürcher Filmschaffende Fosco Dubini, der sich mit Regisseur Samir trifft. Dieser ergänzt: «Wenns schnell gehen muss, kann ich auch auf einen Falafel zu Sami Daher gehen.»

«Bis zu 40 Imbiss-Gäste zwischen den Filmblöcken»

Genau dort, vor dem «Pittaria» wenige Meter weiter, stehen um halb zwölf viele Leute Schlange: «Nur nicht schüchtern, reinkommen», ruft Sami Daher zu. Fünf Personen sind im Einsatz – «während der Filmtage durchgehend geöffnet» steht auf einem Schild.

Dass der Spitzentag Samstag nun in die Mitte des Festivals fällt, ist für Daher umsatzmässig ein Vorteil. Zwischen den Filmblöcken können es gut und gern bis zu 40 Personen sein.

«Hier gehen Zuschauer, Filmproduzenten, CEOs, Alt und Jung ein und aus. Und dank der besonderen Sitzordnung hier ist es immer ein Miteinander.» Die Bielerin Karin Rudin ist mit Ehemann Andreas Walker jedes Jahr mindestens einen ganzen Tag an den Filmtagen. «Und da ist das Pittaria ein Muss.»

Bei Regula Steinemann, die mit dem Derendinger Restaurant Srignags jeweils in der Jugi gastiert, geht es soweit, dass besonders am Mittag auch weniger filmtageaffine Gäste die Gelegenheit des Srignags-«Gastspiels» nutzen.

«Mehrheitlich sind die Gäste Frauen, da diese beim Essen eher experimentierfreudig sind», sagt Steinemann. Die Karte, die auch ein Schnellmenü namens «Curry in a Hurry» enthält, habe sich seit zwölf Jahren bewährt. Ebenso die Stimmung: «Unsere Gäste tauschen gerne Trends aus und sprechen über die gesehenen Filme», so Steinemann.

Filmtage-Fans sind oft auch Kutteln-Fans

Die Wellen im Filmtage-Rhythmus erkennt Franz Herger vom Restaurant Baseltor – an der Achse zum Filmtagestandort Reithalle – jedes Jahr wieder: «Es sind dies täglich vier bis fünf Wellen zwischen 13.30 und 23 Uhr», wobei man sich zu später Stunde immer gerne auch noch einen kleinen Imbiss, Antipasti oder eine Suppe gönnt.

Interessanterweise werden besonders auf die Filmtagezeiten gerne Kutteln, Nierli oder Läberli bestellt, stellt Herger weiter fest. Das zu Filmtagezeiten etwas abgespeckte Menüangebot komme aber generell gut an. Auf der «schnellen» Karte finden sich statt üblichen 15 lediglich 8 Gerichte, was auch hier Filmfans unter Zeitdruck entgegenkommt.

Mehr Frequenz an Wochenenden

Speziell für die Filmtage geöffnet ist der «Löie», wo Küchenchef Jérôme am Zehnhoff die Stellung hält. Auch er blickt auf ein intensives Wochenende zurück und beobachtet ein eher schubweises Eintrudeln der Gäste unter der Woche. Seit Montag hat er aber ab 21 Uhr kaum mehr Frequenzen zu verzeichnen, lediglich solche, die allenfalls auf ein «Absackerli» nach einem Film vorbeischauen.

«Wir spüren die Filmtage vorallem daran, das mehr Leute mit anderen Dialekten bei uns reinschauen», stellt Ismail Karakus, Geschäftsführer der Panini Bar, fest. Auf die Mittagswelle mit regulären Gästen folge am frühen Nachmittag einen zweite mit Filmtagegästen. Das trockene Wetter helfe mit, dass das Imbiss-Restaurant nicht allzu überfüllt sei: «So kaufen die Gäste ihr Essen zum Mitnehmen ein.»

Weniger Zustrom in die Vorstadt

Von den Filmtagen kaum tangiert ist das «Ponte del Sole» in der Vorstadt. «Letztes Jahr gab es noch Filmtage-Anlässe im Alten Spital», erinnert sich Chef Harb Dalal. Ansonsten aber fallen Filmfans kaum ins Gewicht. Ebenso wenig bemerkt Rosalia Lasco, Wirtin der Trattoria Napoli, die Filmtage: «Wir sind stets gut ausgelastet mit vielen Stammgästen und hätten ohnehin nicht so viel zusätzlichen Platz.»

«Nicht drastisch aber ein bisschen», spürt Cemal Öszönmez vom Efem Imbiss die zusätzliche Festivalfrequenz. Auch wenn bei den Filmtagen der Imbiss nicht als Gastroangebot erwähnt werde, habe der Efem-Imbiss dafür einige Stammgäste, die immer wieder herkommen. Und: Bei Öszönmez sind nicht Kutteln der Renner für Filmtage-Fans. Hier boomen die vegetarischen Angebote.

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