Austausch
Andreas Kaufmann über Fahrkünste im Linzer Strassengewirr

Im Rahmen eines halbjährigen Journalistenaustausches, ermöglicht durch die Gottlieb-und-Hans-Vogt-Schild-Stiftung, lebt er in Linz und sammelt journalistische Auslanderfahrung auf der Redaktion der «Oberösterreichischen Nachrichten».

Andreas Kaufmann
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Ein Solothurner in Österreich

Ein Solothurner in Österreich

Es geht nicht darum, dass ich mir als Öffi-Benutzer (österreichisch für «öV») einen Orden anstecken will: Aber ich habe am vergangenen Wochenende meine ersten «Er-Fahr-Ungen» auf österreichischen Strassen hinter mich gebracht. Hier verteilt sich dieselbe Menschenmenge (8,4 Mio.) auf doppelt so viel Platz (fast 83 900 Quadratkilometer). Dadurch wird das Fahren von A nach B weitläufiger, nicht einfacher. Jedenfalls passierte ich nach einem völkerkundlichen Abstecher ins Salzkammergut wieder das Ortsschild von Linz. Dabei gebührt der Dank dafür auch der Dame (der Stimme nach war das GPS-Gerät weiblich), die mir dabei zur Seite stand. Zugegeben: Bis vergangenen Sonntag war ich noch ein Debütant, was die Benutzung dieser Navigations- und damit Gedankenstütze angeht. Dennoch waren wir auf Anhieb ein Herz und eine Software – mehrheitlich.

Weniger erfolgreich war die Rückkehr in die Landeshauptstadt Oberösterreichs deshalb, weil ich nach der Gratulation «Sie haben Ihr Fahrziel erreicht» noch einige odysseeische Runden um den Block drehen musste. Die wenigen Meter Luftlinie zwischen der Frontfassade der Redaktion und der zeitungseigenen Tiefgarage waren so einfach nicht zu überbrücken. Erst nach mehrfacher grossräumiger Umfahrung des Fahrziels durfte ich der Gratulation von vorhin endlich Glauben schenken. Doch am Ziel schwieg die GPS-Dame, kein Glückwunsch, kein «guat gmocht».

Vermutlich haben ihr die Kapriolen eines Ver(w)irrten die Sprache verschlagen. Inzwischen waren zahlreiche Einbahn- oder Abbiegen-verboten-Schilder am Autofenster vorbeigehuscht. Einige Fahrverbote und Fussgängerzonen haben meinen Stalldrang zusätzlich gezügelt. Und ein Beinahe-Geisterfahrt-Wendemanöver wird der elektronischen Fahrbegleiterin den Rest gegeben haben. Nicht einmal ein liebevoll gesäuseltes, verständnisvolles «Neuberechnung der Fahrtroute» gab sie von sich.

Natürlich schauts in Schweizer Grossstädten nicht anders aus. Auch dort müht man sich mit Einbahnstrassen, Sackgassen und Abbiegeverboten ab. Und auch da fährt man nicht nur ins Chaos, sondern auch aus der Haut. Nur das Fluchen hört sich hier in Linz etwas anders an. Kurz: Es bleibt eine Angelegenheit, die eher Stadt und Land voneinander unterscheidet als Österreich und die Schweiz. «Lasciate ogni speranza, voi ch’entrata», liess Dante in seinem Werk «Die Göttliche Komödie» den Leibhaftigen ans Tor der Unterwelt kritzeln. Mit «Lasst alle Hoffnung fahren, die Ihr eintretet», könnte man durchaus den einen oder anderen Strassenzug in Linz beschildern. Oder wie es meine charmante elektronische Begleitung ausdrücken würde, wenn ich in eine falsche Gasse einbiege: «Hia kummst nimma raus.» Eine Frage bleibt offen: Ob ich mir nach meiner vergangenen Irrfahrt die Bremsschwellen oder verkehrsberuhigenden Slalomhürden der solothurnischen Verkehrsplanung zurückwünsche ...

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