HESO
Am HESO-Auftakt vom Erfolgsmodell der Jungfraubahnen lernen

Politisches Engagement und Tradition standen im Fokus der Eröffnung der Herbstmesse. Gastredner war Urs Kessler, CEO der Jungfraubahnen.

Andreas Kaufmann
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Urs Kessler, CEO Jungfraubahnen, referierte zur Erfolgsgeschichte der 102-jährigen Unternehmung.

Urs Kessler, CEO Jungfraubahnen, referierte zur Erfolgsgeschichte der 102-jährigen Unternehmung.

Hanspeter Bärtschi

«Die HESO ist gratis, die Fahrt Interlaken–Jungfraujoch hingegen kostet Fr. 198.30. In dieser Hinsicht haben die beiden Unternehmen nichts gemeinsam», so Urs Kessler. Der CEO der Jungfraubahnen war als Gastredner zur HESO-Eröffnung eingeladen und verriet vor der eingeladenen Gästeschar, wie trotz dieses Unterschieds das Erfolgsmodell des Berneroberländer Unternehmens seit 102 Jahren funktionieren könne.

«Es braucht dazu eine glasklare Strategie, ein gutes Produkt und das Prinzip ‹Anders als alle anderen›», so Kessler. Auch von grosser Wichtigkeit sei ein vorausschauendes Marketing, oder nach Fussballer Pelé: «dorthin zu gehen, wo der Ball sein wird, und nicht dorthin, wo er ist.»

Fokus auf China

Konkret bedeute dies eine klare Ausrichtung auf den Wachstumsmarkt China mit einem dichten Vertreternetz. Was aber nicht ausblenden solle, dass rund 52 Prozent der Schweizer noch nie auf dem Jungfraujoch gewesen seien. Schliesslich richtete Kessler das Augenmerk auf die Marke Schweiz. «Man reduziert das Aussenbild oft auf Wetter, Währung und Wirtschaft. Stattdessen sollte man mehr auf Wurzeln, Werte und Weitblick setzen.»

Ein weiterer Appell Kesslers setzte bei den KMU an: nämlich an den Erfolg zu glauben und auf mehr Risikobereitschaft und weniger Regulierung hinzuarbeiten. Der Fingerzeig war somit im Speziellen gerade aufs Gewerbe gerichtet, das an der HESO vertreten ist. Doch nicht nur: Wie HESO-OK-Präsident Urs Unterlerchner andeutete, könnten Kesslers Impulse auch bei der Führungsspitze der nun entstehenden Weissenstein-Gondelbahn etwas auslösen ...

HESO als Traditionsträger

Unterlerchner seinerseits griff das Thema «Engagement» auf und peilte ebenfalls die KMU an. Diese stünden immer mehr neuen Konsumformen gegenüber, gerade im Zeitalter des Internets: «Doch die HESO beweist, dass auch die Tradition geschätzt wird. Es fragen sich zwar viele Aussteller, ob sie das Richtige tun.» Dies könne man nur bejahen: An der HESO könne direkte Betreuung vor Ort geboten werden, so Unterlerchner weiter. Weiter bedauerte der OK-Präsident, dass sich immer weniger Gewerbetreibende politisch engagieren. «Oder um es auf die Art von Marx zu sagen: ‹Unternehmer aller Branchen, vereinigt euch!»

Auch Stadtpräsident Kurt Fluri ergriff das Wort und begann mit einem selbstironischen, sportlichen Geständnis: «Ich bin ja auch noch Co-Ehrenpräsident der HESO, was ich aber bei meiner Ämterauflistung nicht deklariert habe. Wenn es aber auf mein Einkommen ankommt, hat dieses Amt keinen Einfluss darauf.»

Fluris politische Baustellen

Es waren – wie Fluri selbst kommentierte – «nicht nur festliche Worte», die folgten. Vier Themenbereich und politische «Baustellen» griff der Stadtpräsident in seiner Rede auf. Die Planung Weitblick, bei dem man politisch vorankomme, die Fusionsbestrebungen, mit denen man ebenfalls im Fahrplan sei, die Wasserstadt, deren Grundidee er zwar als «genial» einstufe, aber nicht «ohne auf Stolpersteine aufmerksam zu machen». Und schliesslich – brandaktuell – die geplante Doppelturnhalle Hermesbühl, über die am 28. September abgestimmt wird.

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