«Papieri»
Sappi rechnet mit 100 Millionen Franken

Sappi als südafrikanische Besitzerin der «Papieri» rechnet, dass die beabsichtigte Schliessung des Werkes in Biberist mit 550 Angestellten 118 Millionen Dollar oder umgerechnet rund 100 Millionen Franken kosten wird.

franz schaible
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Teure Schliessung der Papierfabrik Biberist: Unklar ist, was in den von Sappi auf 100 Mio. Fr. geschätzten Kosten inbegriffen ist. Simon Dietiker Teure Schliessung der Papierfabrik Biberist: Unklar ist, was in den von Sappi auf 100 Mio. Fr. geschätzten Kosten inbegriffen ist. Simon Dietiker

Teure Schliessung der Papierfabrik Biberist: Unklar ist, was in den von Sappi auf 100 Mio. Fr. geschätzten Kosten inbegriffen ist. Simon Dietiker Teure Schliessung der Papierfabrik Biberist: Unklar ist, was in den von Sappi auf 100 Mio. Fr. geschätzten Kosten inbegriffen ist. Simon Dietiker

Solothurner Zeitung

Das jedenfalls geht aus dem gestern publizierten Bericht für das zweite Geschäftsquartal (Januar bis März) im Geschäftsjahr 2011/12 (per Ende September) hervor. Im Finanzbericht wird unter der Position «Sonderposten» eine Rückstellung von 128 Millionen Dollar aufgeführt, welche «hauptsächlich im Zusammenhang mit der anvisierten Schliessung des Werkes in Biberist» stehe. Demnach rechnet Sappi mit Restrukturierungskosten von 59 Millionen Dollar. Darunter sind wohl die Kosten für Sozialpläne, laufende Verträge, Pensionskassenregelungen, usw. gemeint. Weitere 59 Millionen Dollar gründen in der Neubewertung von Anlagen und Grundstück der Fabrik in Biberist.

Ein schlechtes Omen?

Nicolas Mühlemann, Chef der «Papieri», will diese Zahlen vorerst nicht kommentieren. «Ich weiss nicht, auf welcher Basis diese Berechnungen zustande gekommen sind.» Zudem fehlten die Fakten, beispielsweise wurden noch keine Verhandlungen über den Sozialplan geführt.

Dass Sappi die Schliessungskosten ohne definitiven Schliessungsentscheid bereits in der «Buchhaltung» berücksichtigt, muss nicht als schlechtes Omen gelten. Da der Konzern an der Börse kotiert ist, muss er in ihren Finanzberichten detailliert über absehbare aussergewöhnliche Ereignisse berichten. Und die geplante Schliessung ihres Werkes in Biberist ist zweifellos ein solches. Sappi weist denn auch im Quartalsbericht mehrmals explizit auf das noch laufende Konsultationsverfahren hin.

«Realistisch bleiben»

Kurz vor Abschluss des Verfahrens – die Frist läuft am 16. Mai ab – schätzt Mühlemann die Chancen zur Rettung der Fabrik unverändert «realistisch» ein. «Es ist und bleibt wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.» Die Arbeitsgruppen suchten zwar weiterhin mit Volldampf und sehr engagiert nach Lösungen. Ideen seien auch vorhanden, es brauche aber einen oder mehrere Investoren als Partner. «Eine Lösung muss nachhaltig und nicht kurzfristig ausgerichtet sein.» Die geschäftliche Lage sei unverändert schwierig. Das Werk in Biberist sei nur zu 75 Prozent ausgelastet, die Nachfrage nach Papier stagniere und die Rohstoffkosten blieben hoch. Mühlemann wiederholt, dass Sappi die Kapazitäten in Europa im Bereich Feinpapier reduzieren müsse, aber eben nicht in Biberist mit dem sehr effizienten Werk.

Hohe Einsparungen wegen Biberist

Zurück zum Abschluss des 2. Quartals des Papierkonzerns. Bei einem leicht rückläufigen Konzern-Umsatz gegenüber dem 1. Quartal von 1,8 Milliarden Dollar resultierte ein Betriebsgewinn (vor Berücksichtigung des erwähnten Sonderpostens) von 127 (Vorquartal 137) Millionen Dollar, was einer Marge von 7,0 Prozent entspricht. Die Division Fine Paper Europe (zu welcher Biberist gehört) erwirtschaftete bei fast unverändertem Umsatz einen Betriebsgewinn vor Sonderposten von 31 (Vorquartal 34) Millionen Dollar. Die Marge sank von 3,3 auf 3,0 Prozent. Das ist im Vergleich zu den beiden anderen Divisionen Nordamerika mit 10,8 und Südafrika mit 12,2 Prozent tief.

Ein eingeleitetes Kostensenkungsprogramm soll deshalb für Europa bessere Margen liefern. Über 100 Millionen Dollar pro Jahr will Sappi künftig einsparen. Davon entfallen laut Quartalsbericht rund 50 Millionen Dollar auf die beabsichtigte Schliessung von Biberist. Erste Auswirkungen des Programms erwartet Sappi ab dem 4. Geschäftsquartal.

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