Hilfe in Spitäler
Website vermittelt Freiwillige an Spitäler – das kommt hinter den Kulissen nicht nur gut an

Die mit Oltner Beteiligung erstellte Website schlägt die Brücke zwischen Freiwillige und Spital. Die Initianten unterteilen die Freiwilligenhilfe in drei Kategorien: Pflege, die Arbeit im Labor und praktische Tätigkeiten wie Aushelfen in der Küche, in der Logistik oder der Reinigung.

Jocelyn Daloz
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Mit Catch a Hero können Spitäler Freiwillige anfragen, sollte sich die Situation in den nächsten Wochen drastisch verschlimmern.

Mit Catch a Hero können Spitäler Freiwillige anfragen, sollte sich die Situation in den nächsten Wochen drastisch verschlimmern.

Zur Verfügung gestellt

Bisher blieb sie zum Glück aus, die befürchtete Überlastung unserer Gesundheitssysteme. Die Anzahl Coronaviruspatienten und die Zahl der Patienten in Intensivstationen sind seit dem Peak vom 3. April leicht rückläufig. Nichtsdestotrotz warnt Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit vor voreiligen Schlüssen. Ob eine Welle noch kommen wird, weiss niemand; doch darauf vorbereitet zu sein sei nach wie vor unabdingbar.

Gerade deswegen haben die Oltnerin Angelina Markl und ihr Kollege Sebastian Fix, Masterstudenten der Fachhochschule Nordwestschweiz, die Initiative ergriffen: Mit dem von ihnen gegründeten Verein «Medical Informatics» haben sie die Plattform www.catchahero.ch aufgeschaltet.

Dort können sich Menschen bereit erklären, im Notfall das Pflegepersonal zu unterstützen. Zudem können sich Spitäler und Pflegeheime melden, um diese Hilfe zu beanspruchen. «Ich kenne viele Personen aus dem Gesundheitssystem», sagt Angelina Markl. «Sie sind angespannt; deshalb haben wir uns entschieden, etwas zu unternehmen.»

Angelina Markl, aus Olten, hat das Projekt mit initiiert.

Angelina Markl, aus Olten, hat das Projekt mit initiiert.

Zur Verfügung gestellt

Helfer für die Medizin, aber auch Labor und Logistik

Die Initianten unterteilen die Freiwilligenhilfe in drei Kategorien: Pflege, die Arbeit im Labor und praktische Tätigkeiten wie Aushelfen in der Küche, in der Logistik oder der Reinigung. Für die ersten zwei sind professionnelle Kompetenzen gefordert, für die praktischen Tätigkeiten können sich alle Leuten melden.

«Das ganze soll möglichst unkompliziert verlaufen», erklärt Angelina Markl. Die Helfer spezifizieren, wie viel sie arbeiten könnten und welche Qualifikationen sie mitbringen. Die Institutionen können ad hoc spezifische Anfragen stellen, für die sich dann Helfer melden können. Oder sie schreiben Freiwillige mit dem notwendigen Profil direkt an. Markl freut sich, bereits 1300 Freiwillige aus der ganzen Schweiz für die gute Sache gewonnen zu haben. Anfänglich waren die meisten davon Studenten. «Jetzt sind Studenten aber langsam in der Unterzahl», sagt Markl.

Im Moment sei die Nachfrage von Seiten der Spitäler und Pflegeheime allerdings noch nicht gross. «Wir haben 10 Institutionen, die sich schon offiziell eingetragen haben. Zwei davon haben bereits Hilfe beansprucht. Andere gehen davon aus, dass sie in dieser Woche Hilfe brauchen werden.» Der Verein versucht, möglichst vielen Institutionen ihre Hilfe anzubieten, hat aber im Moment noch nicht die Kapazität, sämtliche zu kontaktieren.

«Wir haben ein sehr gutes Feedback erhalten von jenen, die wir erreicht haben», sagt Markl. Spitäler hätten eher erklärt, von den Behörden bereits gut unterstützt zu werden – unter anderem durch den Zivilschutz und die Armee. «Aber es sind vor allem Pflegeheime, die in einer solchen Krise weniger priorisiert werden, die unsere Hilfe besonders brauchen können», erklärt sie weiter.

Im Kanton Solothurn sind bis jetzt auf der Website 54 Personen angemeldet. Allerdings hat der Kanton Solothurn bereits selbst eine solche Plattform aufgeschaltet, auf der sich seit dem 19. März 552 Personen registrierten. «www.catchahero.ch ist uns unbekannt», sagt Regierungssprecherin Andrea Affolter. Der Bedarf sei auch hier noch gering: Bis jetzt wurden 60 Personen für den Bedarfsfall vorgesehen und vier effektiv angestellt. Im Moment sei die zu erledigende Arbeit nach wie vor von den Angestellten zu bewältigen.

Kritische Stimmen im Umfeld der Verwaltung

Allerdings gibt es im Umfeld der Kantonsverwaltung und der Solothurner Spitäler AG auch kritische Stimmen, die davor warnen, dass zu viele Köche den Brei verderben könnten, wie es hinter vorgehaltener Hand heisst. Die Übersicht bewahren sei das wichtigste in der Krise. Beim Aufkommen neuer Initiativen stelle sich daher immer die Frage, ob der Sache gedient sei.

Angelina Markl vermerkt jedoch: «Eigentlich ist es umso besser, je weniger man uns braucht. Umso wichtiger ist es jedoch, dass ein System wie das unsere vorhanden ist, wenn es doch nötig sein sollte – und nicht erst dann aufgebaut werden muss, wenn es hart auf hart kommt.»

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