Wangen bei Olten
Rechnung 2020 mit Gewinn statt Defizit – laut Gemeindepräsidentin ist «finanzielle Situation der Gemeinde gesund und solide»

Ein sattes Plus statt ein kleines Minus: Rechnung 2020 der Gemeinde fällt über 2 Millionen besser aus – trotzdem droht eine Verschuldung.

Fabian Muster
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Die finanzielle Situation der Gemeinde sei «gesund und solid», sagte Gemeindepräsidentin Daria Hof.

Die finanzielle Situation der Gemeinde sei «gesund und solid», sagte Gemeindepräsidentin Daria Hof.



Bruno Kissling

Die Coronakrise schlägt bei Wangen bei Olten nicht durch. Im Gegenteil: Die Gemeinde macht bei der Rechnung im vergangenen Jahr einen Gewinn von 1,77 Millionen statt eines budgetierten Verlusts von 254'000 Franken. Somit schneidet die Rechnung über 2 Millionen besser ab als vorgesehen.

Etwas mehr als die Hälfte des Überschusses wird für zusätzliche Abschreibungen verwendet, etwas weniger als die Hälfte wird dem Eigenkapital zugewiesen. Dieses steigt auf etwas über 8,2 Millionen Franken an. Die Schuldenlast beträgt noch knapp 7 Millionen. Seit 2014 konnten 4 Millionen Schulden abgetragen werden. Die Gemeinde hat daher neu ein Nettovermögen pro Einwohner per Ende 2020 von 23 Franken.

Es gibt vor allem zwei Gründe für die bessere Rechnung. Die Steuern von natürlichen und juristischen Personen der Vorjahre sind über 1 Million Franken höher ausgefallen als geplant. Zudem wurden im vergangenen Jahr rund 1 Million Franken weniger investiert, was den Selbstfinanzierungsgrad von budgetierten 29 auf 131 Prozent steigen liess. Insgesamt wurden im 2020 netto rund 2 Millionen investiert.

Zum einen haben sich gewisse Projekte verzögert oder wurden verschoben, welche noch nicht ausgeführt werden konnten; zum anderen konnte die Gemeinde Einnahmen aus Rückflüssen verbuchen, welche nicht fürs Jahr 2020 budgetiert waren, sondern in den Vorjahren. Weiter wurden einige Projekterfolge erzielt, indem die Umsetzung günstiger kam als budgetiert.

Befremden hier, Befremden dort

«Die heutige finanzielle Situation der Gemeinde ist gesund und solide», sagte Gemeindepräsidentin Daria Hof an der vergangenen Gemeinderatssitzung zur Rechnung 2020 und zitierte so laut Protokoll auch die Worte ihres FDP-Parteikollegen und Ressortleiter Finanzen, Florian Wüthrich.

Ein Thema an der Sitzung war auch der Kommentar von SP-Gemeinderätin Bettina Widmer, die auf der Facebook-Seite «Du bisch vo Wange bi Oute, wenn» von einer «sehr positiven Gemeinderechnung 2020» schrieb, bevor das Thema im Gemeinderat selbst behandelt wurde. Der Ressortleiter Finanzen im Gemeinderat, Florian Wüthrich, kommentierte, dass «der Weg nicht korrekt war» und die Gemeinderäte auch künftig als erstes von einem Rechnungsergebnis erfahren sollten, obwohl im Facebook-Beitrag keine Zahlen genannt wurden. SVP-Gemeinderat Christian Riesen sagte laut Protokoll, dass es ihn befremde, wenn er noch «nicht validierte Informationen über die sozialen Medien erfahre». Zudem sei es «sehr fragwürdig, auf diese Weise die Abstimmung über die Personenunterführung zu beeinflussen». Darauf entgegnete ihm laut Protokoll Daria Hof, dass es sie ihrerseits befremde, dass Riesen das Geschäft Neubau Unterführung zusammen mit ihr vorbereitet, im Gemeinderat immer unterstützt habe und schliesslich in der Zeitung zur Nein-Parole dazu auffordere.

Wangen bei Olten abhängig von externen Zahlungen?

In der vergangenen Sitzung genehmigt hat der Gemeinderat auch das finanzielle Leitbild und die Budgetrichtlinien 2022 bis 2025. Pro Jahr sollen neu 1,5 bis 2,5 Millionen Franken in den Werterhalt investiert werden; die Obergrenze wurde um eine halbe Million angehoben, weil die Gemeinde dies mit eigenen Mitteln finanzieren könne. Gemeindepräsidentin Hof erwähnte, dass bei den grossen Investitionen, die nun anstehen etwa in die Schulinfrastruktur, «die Finanzkennzahlen nicht eingehalten werden können».

Diese Projekte könnten «je nach Finanzierungsaufwand zu einer grösseren Verschuldung führen, als sie aktuell vorliegt». Daher brauche es nach diesen «Investitionsjahren» dringend eine Erholungsphase, damit sich die finanzielle Lage Wangens wieder bessert. «Eine Etappierung der Investitionen ist somit unumgänglich und wird vom Gemeinderat angestrebt.»

SVP-Gemeinderat Christian Riesen bemängelte laut Protokoll, dass die finanzielle Abhängigkeit der Gemeinde vom Finanzausgleich zu wenig berücksichtigt würde. Bei der Rechnung 2020 etwa gibt es Zahlungen von über einer Million aus dem Finanzausgleich und für die Ausfälle wegen der Unternehmenssteuerreform STAF. «Ohne diese Zahlungen und ohne den Verkauf von Tafelsilber wie beispielsweise die Muhrmatt sähen unsere Rechnungen komplett anders aus.»

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