«Ist hier noch frei?» Was wäre, wenn man auf diese Frage an einer Veranstaltung wie «Kabarett meets Literatur» nicht einfach mit ja oder nein antworten würde, sondern beispielsweise mit «hahahah»? 

Der seit über 20 Jahren in Stuttgart lebende österreichische Kabarettist, Cartoonist und Buchautor Stefan Waghubinger stellt sich solche und andere schwierigen Fragen und überlegt sich die passenden oder auch nicht passenden Antworten.

In seinem neusten Kabarettprogramm «Langsam werd ich ungemütlich» berichtet er über heikle Gegebenheiten des Alltags – vom verpassten Geburtstag seiner Frau bis zu den Nahtoderfahrungen beim Zahnarzt, wo das Leben wie im Film vorüberzieht und halt ein trauriges ist.

Während einer Kreuzfahrt, die er nach eigener Aussage sonst nicht ausgehalten hätte, hatte er die eigenartigen Vorkommnisse aus den abgründigen Landschaften seiner Gedankenwelt in einem gleichnamigen Buch (Verlag WortArt) aufgeschrieben: Ausschnitte davon trug er nun im Rahmen der Oltner Kabaretttage dem amüsierten Publikum vor.

Was wäre denn wenn?

Der mehrfach preisgekrönte Stefan Waghubinger kam zu dieser erstmals im neurenovierten Oltner Capitol-Kinosaal stattfindenden Kabarettveranstaltung nicht alleine, sondern mit einem gleichwertigen, ebenfalls mehrfach preisgekrönten und in etwa gleichaltrigen Bühnenpartner.

Der in Zürich und Berlin lebende Kabarettist, Schauspieler und Autor Jens Nielsen trug ebenfalls ein paar «Seltene Geschichten» (edition spoken script Band 18) vor: Versponnene, skurrile, ja oft sogar surreale Alltagsanekdoten mit allerlei seltsamen Menschen, kurze, knappe Texte mit meist makabren Wendungen voll schwarzem Humor, aber oft ohne ausgesprochen zündende Schlusspointen.

Auch Nielsen stellt sich viele «Was wäre wenn?»-Fragen: Beispielsweise, wenn die Wettervorhersagen sich plötzlich auf die Wohnung beziehen, die dünne Schwester immer grösser wird oder einem eine Kastanie auf den Kopf fällt.

Aktuelle politische Untertöne

Beide Autoren streuen in ihre Geschichten kultur- und gesellschaftskritische, aktuelle politische Untertöne ein, allerdings ohne ideologische Verhärtungen und nie mit pädagogischem Zeigefinger. Und so konnten sie, obwohl Gäste einer Oltner Bankfiliale im Publikum sassen, eben auch amüsante Geschichten von Bankern und Punkern vortragen – allerdings las jeder den Text des andern, weil dann niemand so richtig verantwortlich sei.