Hägendorf
Schritt Richtung Biodiversität rückt näher

Hägendörfer wollen über die Vorlage zum Vorstoss Vögeli, «Hitzeinseln meiden – Schottergärten mindern», bestimmen können.

Urs Huber
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Sorgen für wenig Biodiversität und wirken als Hitzeinseln mit Auswirkungen aufs Mikroklima: Schottergärten.

Sorgen für wenig Biodiversität und wirken als Hitzeinseln mit Auswirkungen aufs Mikroklima: Schottergärten.

Oltner Tagblatt

Potz Millione! Es gibt sie noch, Diskussionen und Anregungen zu neu geschaffenen oder teilrevidierten Reglementen. Jedenfalls in Hägendorf. Meist nämlich werden solche Geschäfte emotionslos durchgewinkt. Gleich deren drei standen auf der Geschäftsliste der Gemeindeversammlung. Und dazu eine von Nadine Vögeli eingereichte Motion, die den Gemeinderat beauftragen wollte, eine Vorlage unter dem Vorsatz «Hitzeinseln meiden – Schottergärten mindern» auszuarbeiten und der Gemeindeversammlung später vorzulegen.

Der Gemeinderat wollte; ganz im Sinne der Biodiversität und des Mikroklimas. Und die anwesenden 38 Stimmberechtigten waren dem Ansinnen grossmehrheitlich zugeneigt; genau 31 unter ihnen. Drei wollten nicht so wie der Gemeinderat und vier enthielten sich der Stimme. Ein klares Votum, von Albert Gehrig im Laufe der Diskussion noch präzisiert, nachdem sich in der Debatte zuvor immer häufiger der Begriff «Steingarten» anstelle des «Schottergartens» etabliert hatte. «Steingärten beinhalten zu 60 Prozent Pflanzen», so Gehrig, der zu den Befürwortern des Vorstosses gehörte. Schottergärten seien was anderes.

Die Skeptiker der Motion machten geltend, Steine müssten vor allem an Borden möglich sein; die nämlich seien nur schwer zu pflegen und zu bewirtschaften. Bauverwalter Walter Müller machte klar, im Zuge der Ortplanungsrevision sehe man Möglichkeiten, den Vorstellungen der Motion allenfalls entgegenzukommen. «Vielleicht nicht unter Berücksichtigung geologischer Aspekte, das wäre zu kompliziert», so Müller. Man denke da an kleinere, kompakte räumliche Einheiten.

Spannende Reaktionen auf Polizeireglement

Zurück zu den Reglementen: Stellt eine Gemeinde wie Hägendorf ohne eigenes Polizeikorps ein Polizeireglement auf, dann steigt die Spannung im Plenum: Fazit: Das Reglement wurde freudig begrüsst, die Arbeit von Gemeinderat Patrick Rossi gelobt.

Aspekte des Litterings beziehungsweise jene der Kontrolle und Bestrafung etwa aber wurden darin vermisst, jene der übermässigen Lichtbelastung auch. Da schoss empor, was in Hägendorf die Leute umtreibt: unnötige und ausgedehnte Knallerei weit länger als rund um den Bundesfeiertag, Littering auf dem ganzen Gemeindegebiet, speziell aber an Wald- und Strassenrändern, Rasenmäher- und Laubbläserlärm zu Unzeiten.

Thomas Hänggi etwa gab sich sehr echauffiert über die lang anhaltende Knallerei rund um den 1. August, ebenso Filippo Guizzardi. Diese beschränke sich gemäss Reglement künftig auf den 31. Juli und den 1. August, so Rossi in seiner Antwort. Und das Litteringproblem? Bussen? Wie’s damit stehe, wollte derselbe Thomas Hänggi wissen. «So eines besteht, jenes des Kantons nämlich, samt Bussenkatalog», so Rossi. Strenger als dieses vorsehe, könne man nicht gegen Littering vorgehen. Und auch die Problematik Lärm drang durch: Rita Christ etwa bedauerte, dass in Hägendorf lärmige Arbeiten draussen bereits ab 7 Uhr in der Früh begonnen werden dürfen. «Ich habe mich schon gefreut, als ich im Entwurf sah, dass eigentlich 8 Uhr dafür vorgesehen war. He nuu.» Das Polizeireglement passierte ebenso einstimmig wie Steuer- und Schulzahnreglement.

Boningen muss mehr bezahlen

Seit 11 Jahren besorgt Hägendorf für Boningen sämtliche Arbeiten rund ums Thema Bauverwaltung für jährlich 9'000 Franken; seit 2016 auch jene des Arbeitsfeldes Finanzverwaltung für jährlich 65'000 Franken. Mit beiden Abgeltungen war Hägendorf nicht mehr glücklich, da der Arbeitsaufwand deutlich angestiegen ist und die vereinbarten Entgelte zu gering ausfielen. So konnte mit Boningen eine neue Vereinbarung unterzeichnet werden. Neu zahlt die 800-Seelen-Gemeinde 18'850 Franken (Bauverwaltung) und 90'000 Franken für die Finanzverwaltung an Hägendorf.

Eine Reihe von Defiziten wartet


Mit Aufwendungen von knapp 26,9 Mio. und Erträgen von 25,7 Mio. resultiert für Hägendorf im kommenden Jahr ein Aufwandüberschuss von 1,16 Mio. Franken. «Die nächsten Jahre stellen uns noch mehr vor solche Herausforderungen», meinte Gemeinderat Michel Henzi mit einer Sorgenfalte auf der Stirn.
Der Steuerfuss bleibt 2021 aber unverändert bei 107 Prozent. Die Nettoinvestitionen belaufen sich auf knapp 5 Mio. Franken. Sanierung Hallenbad, Eindolung des Cholersbach, Pumpwerk Rickenbach sowie die Sanierung Industriestrasse Ost samt Wasserleitungen (Letzteres wurde an der Versammlung einstimmig gutgeheissen) führen zu dieser hohen Investitionssumme.
Gutgeheissen wurden auch die neue EDV-Lösung für die Verwaltung, die Erhöhung der Stellenprozente (45 Prozent) in der Verwaltung sowie die Weiterführung der Klasse für Fremdsprachige. Ebenfalls grossmehrheitlich passierten das Budget der Sozialregion Untergäu sowie jenes der Regionalfeuerwehr Untergäu.

Rein informativen Charakter hatte das letzte Geschäft der Versammlung: Der alarmierende Zustand der Eindolung Cholersbach hatte den Gemeinderat zum sofortigen Handeln gezwungen. Er hiess am 10. August 2020 ohne Entscheid des Souveräns einen Kredit über 2,2 Mio. Franken gut; dies im Sinne der erweiterten Kompetenz des Gemeinderates. Die Sanierung erfolgt in 3 bis 4 Etappen und wird ab Mitte Januar 2021 rund ein Jahr dauern.

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