Boningen

Schlechtes Futter kann nicht der einzige Grund für Tod der Rinder sein

Auf diesem Bauernhof in Boningen fanden Polizei und Veterinärdienst des Kantons Solothurn 15 tote Rinder.

Auf diesem Bauernhof in Boningen fanden Polizei und Veterinärdienst des Kantons Solothurn 15 tote Rinder.

Schlechtes und mangelhaftes Futter könne nicht der einzige Grund für das Verenden der Rinder auf dem Bauernhof in Boningen gewesen sein, so Kantonstierärztin Doris Bürgi. Im Dorf scheiden sich die Geister über den beschuldigten Landwirt. Zeigen sich die einen kaum überrascht, können die anderen den schlimmen Vorfall nicht glauben.

Wie am Mittwoch berichtet, musste das Veterinäramt Solothurn am vergangenen Wochenende in Boningen einschreiten. Auf einem Bauernhof wurden 15 tote Rinder vorgefunden. Aus der Herde von 25 Tieren konnten lediglich 10 lebend geborgen werden, wovon ein Rind später von seinem Leiden erlöst werden musste.

Tele M1 hat den Hof in Boningen besucht und mit dem Veterinäramt gesprochen.

1. Juni 2016: Tele M1 hat den Hof in Boningen besucht und mit dem Veterinäramt gesprochen.

Kantonstierärztin Doris Bürgi (Veterinäramt Solothurn) bestätigte am Mittwoch zwar, die Tiere seien verhungert, präzisiert am Donnerstag aber ihre Aussage: Man könne nicht direkt von Verhungern sprechen. Schlechtes und mangelhaftes Futter stehe im Vordergrund, könne aber nicht die einzige Ursache sein. 

«Die Tiere haben offenbar Stroh und bis vor kurzem Silage erhalten. Die Frage ist nur wie viel und in welcher Qualität», so Doris Bürgi. Auch das werde gerade untersucht. Aber auch bei einer Mangelernährung brauche es viel, bis ein Lebewesen daran sterbe. «Deshalb ist es gut möglich, dass weitere Faktoren mitgewirkt haben.» Was diese sein könnten, weiss sie im Moment nicht. Dass die Situation dem Tierhalter so entgleiten konnte, habe aber sicher auch mit seiner persönlichen Situation zu tun.

Hat der Bauer von Boningen seine Tiere aus Verzweiflung vernachlässigt?

Hat der Bauer von Boningen seine Tiere aus Verzweiflung vernachlässigt?

Tele M1 war den Gründen auf der Spur und hat die neun überlebenden Tiere besucht sowie bei Peter Brügger, Sekretär des Bauernverbands Kanton Solothurn, nachgefragt. 

Besonders aufgefallen ist der betroffene Bauer dem kantonalen Veterinärdienst laut Bürgi bisher nicht. Alle Betriebe werden vom Veterinärdienst alle vier Jahre und vom Amt für Landwirtschaft einmal im Jahr kontrolliert. In diesem Jahr habe bereits eine Kontrolle stattgefunden, mindestens eine weitere Kontrolle wäre laut Bürgi im Laufe der nächsten Wochen gefolgt.

Geteilte Meinungen bei den Anwohnern

Anwohner berichteten am Mittwochnachmittag, man sei nicht überrascht von den Ereignissen auf dem Hof, der fragliche Landwirt leide unter persönlichen Problemen. Ein Boninger erzählte Tele M1, der Beschuldigte habe seinen Rindern schon seit längerer Zeit verschimmeltes Futter gegeben.

Weitere Anfragen des Oltner Tagblatts zeigen jedoch am Donnerstag auch ein anderes Bild. Die befragten Nachbarn können sich diesen schrecklichen Vorfall kaum erklären. «Är esch wörkli e flotte Cheib», erzählt etwa eine der befragten Personen. Man habe ein solch schlimmes Ereignis nie bei dem beschuldigten Landwirt erwartet und ist sich sicher, da müsse etwas anderes dahinter stecken. Man sucht nach Erklärungen. Zum Beispiel: War der Bauer schlicht überfordert? 

Man zeigt sich im Allgemeinen schockiert. Der Landwirt und seine Frau seien in der Strasse gute Freunde. Doch werden auch Stimmen laut, der fragliche Landwirt hätte doch über genügend gesundes Futter für seine Rinder verfügen müssen.

Ebenfalls der Boninger Gemeindepräsident Manfred Zimmerli zeigt sich auf Anfrage überrascht von den Ereignissen . «Der Landwirt ist im Dorf nie negativ aufgefallen», sagt er gegenüber dem Oltner Tagblatt aus. Auch habe er keine Hinweise von anderen Bauern erhalten.

Der betroffene Bauer zwar war telefonisch erreichbar, wollte sich zum Vorfall aber nicht äussern.

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