Demission
Rücktritt aus Parlament: Ein «Oltner Bueb» sagt leise Adieu

Nach 26 Jahren als Parlamentsmitglied ist Roland Rudolf von Rohr Ende Juni zurückgetreten. Sechseinhalb Amtsperioden hat der selbständige Drogist hinter sich gebracht.

Urs Huber
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Vielleicht letztmals unter der Tür zum Parlamentssaal: Roland Rudolf von Rohr.

Vielleicht letztmals unter der Tür zum Parlamentssaal: Roland Rudolf von Rohr.

zvg

«Ich bin schon ein Oltner Bueb.» Der dies sagt: Roland Rudolf von Rohr, diplomierter Drogist und als solcher seit 1989 Vertreter der CVP im Parlament. Gewesen. Denn per Ende Juni hat der Mann seinen Rücktritt erklärt. Auch ein bisschen mit Wehmut, wie er sagt. «Vor allem der Schlussapplaus meiner Ratskolleginnen und -kollegen nach der letzten Sitzung vor der Sommerpause hat mich berührt», gesteht er. «Doch doch, da war eine Prise Wehmut dabei.»

Sechseinhalb Amtsperioden hat der selbständige Drogist hinter sich gebracht. «Nun, man wird älter», sagt er auf die Frage, warum er seine siebte nicht beendet habe. Er wolle sich, als einer mit Jahrgang 1952, nun doch verstärkt um die beruflichen Belange kümmern. Das vor allem im Hauptgeschäft im Sälipark. Roland Rudolf von Rohr wird seinen Geschäftskreis sogar noch erweitern und die Drogerie in Lostorf übernehmen. Der Unternehmer- und Expansionsgeist also ist noch nicht erloschen beim Mann, der in jungen Jahren bei den Jungliberalen wirkte, dann aber «den Rank» – wie man so schön sagt – zur CVP fand. «Ich glaube, das war irgendwie familiär bedingt», schiebt er hinterher. Kestenholz, wo die Familie herkommt, ist so etwas wie CVP-Stammland. Abgesehen von diesen präjudizierenden Umständen aber sieht er in der CVP durchaus seine politische Heimat. «Die politische Mitte, als die sich die CVP versteht, bedingt ein gewisses Pendeln zwischen den grossen gesellschaftlichen Fragen zu Individualität und Gemeinsinn», argumentiert Rudolf von Rohr. Mit Wankelmut habe das nichts zu tun, sondern mit situativer Mehrheitsbeschaffung. Aber im Grundsatz, davon ist er überzeugt, sei die CVP eine bürgerliche Partei, auch wenn die soziale Frage gelegentlich im Vordergrund stehe.

Nicht so arg

So viel zur Grundlage des fast amtsältesten Parlamentariers in Olten. Wer mit Roland Rudolf von Rohr darüber hinaus auf die vergangenen 26 Parlamentsjahre zu sprechen kommt, der merkt: Ein Vierteljahrhundert an Gemeindepolitik muss keineswegs erlahmend wirken. Er sagt: «Wirklich viel hat sich in Laufe dieser Jahre in den politischen Verhältnissen nicht verändert. Es gab eigentlich schon immer den kleinen Kompetenzstreit zwischen Stadtrat und Parlament», erinnert er sich. Die Finanzen immer wieder mal ein Thema, Projekte ebenso. Und das Verhältnis unter den Volksvertretern sei auch nie ein Schlechtes gewesen. «Das ist so, auch wenn die Atmosphäre im Parlamentssaal gelegentlich einen andern Eindruck vermittelt.» Nach den Parlamentssitzungen besuche die Fraktion jeweils ein Restaurant. «Und manchmal stösst auch noch der eine oder andere ‹Fremde› hinzu. Das ist doch ganz normal.» Man müsse halt akzeptieren können, dass nicht bloss die eigene Haltung gelte, sondern auch die der andern. «Wer das nicht schafft, der hat vielleicht Schwierigkeiten», sagt der konservative Realpolitiker Roland Rudolf von Rohr, wie er sich selbst bezeichnet. Konservativ wohl deshalb, weil seiner grundsätzlichen Haltung nach die öffentliche Hand mit Steuergeldern hantiert, deren Einsatz gut überlegt sein will. «Wissen Sie, wenn ich als Unternehmer ein Risiko eingehe, dann handle ich in meinem Namen und mit eigenem Geld. Die verantwortlichen Kräfte im Gemeinwesen müssen sich dieses Unterschieds bewusst sein.»

Was Roland Rudolf von Rohr stets ein Anliegen war: mehr Sach- denn Parteipolitik. Die Mixtur aus persönlichen Animositäten und Sachfragen lehnt er sowieso ab. Das will für den Unternehmer aber nicht heissen, dass die Konfrontation aussen vor bleibt. «Klar setzt man sich in der Fraktion auseinander, geht allenfalls auf Konfrontation. Aber das geschieht hinter verschlossenen Türen», hält er fest. In der Öffentlichkeit dagegen bevorzugt der 63-Jährige die gehaltvolle und sachbezogene Auseinandersetzung.

Bittere Pillen

Gibts im Rückblick schmerzvolle politische Niederlagen für den «Oltner Bueb», der seit 1958 in der Stadt lebt? Er studiert nicht lange. «Also, die zwei abgelehnten Vorlagen zu den Parkhäusern haben mir schon zugesetzt», gesteht er. «Vor allem auch, weil sich das lokale Gewerbe dafür stark eingesetzt hatte.» Und dass er mit seinem jüngsten Vorstoss, die Tannwaldstrasse wenigstens partiell wieder zu öffnen, nicht durchdringen konnte, hakt er als erledigt ab. «Die Haltungen sind wie gesagt eben unterschiedlich.» Im Rückblick sagt der Unternehmer über sich, er habe, bezüglich eingereichter politischer Vorstösse, nicht zu den besonders aktiven Parlamentariern gehört. «Vieles kann nämlich mit einem einfachen Telefonat erledigt beziehungsweise beantwortet werden», so seine Erfahrungen. Vorstösse bedeuteten immer auch viel Arbeit in der Verwaltung – und häufig wenig Ertrag. «Aber natürlich ist ein Telefonat weit weniger publikumswirksam denn ein Vorstoss», gibt sich Roland Rudolf von Rohr verständnisvoll.

Also, was macht den guten Parlamentarier aus? «Ein guter Parlamentarier kennt seine Dossiers, rechnet Chancen und Risiken einer Vorlage gegeneinander auf und – ist präsent», skizziert der Politmethusalem die Leitplanken politischen Wirkens im Ratssaal. Präsent sein heisse an der Gegenwart arbeiten, Zusammenhänge herstellen, Probleme erkennen. Dies alles sei bei hiesigen Verhältnissen aber nicht mit übermässigem Zeitaufwand verbunden. Abgesehen davon sei das Politisieren im Parlament auch eine Bereicherung. «Ich jedenfalls habe das so erfahren, vor allem auch, als ich im Jahr 2009 als Ratspräsident wirkte», wie er heute gerne einräumt. Denn eigentlich sei er nicht versessen gewesen auf das Amt. Die Fraktion habe ihn mehr dazu gedrängt. Dem Drängen hätte er vielleicht noch widerstehen können, aber als Gemahlin Monika ihn auch noch ermunterte, sich ins Ratspräsidium wählen zu lassen – tja, da wars um den eher zurückhaltenden CVP-Vertreter geschehen. Aber: Er bereut dieses Engagement keinesfalls.

Zuversichtlich

«Ich glaube, Olten ist auf dem richtigen Weg», bilanziert Rudolf von Rohr die Entwicklungen der letzten Jahre. «ERO, Kirchgasse, Fachhochschule; das sind Wegmarken von Bedeutung», wie er findet, auch wenn nicht alle diese Meinung teilen. Der Mann hat eben Sinn fürs Machbare. Die ausgefallenen Steuergelder der letzten Jahre wollte er schon früh paritätisch kompensieren; halb mit Steuererhöhungen, halb mit Sparmassnahmen. Und er hat mit dieser Haltung nicht hinter dem Berg gehalten.

Ob er recht behält damit, wird sich weisen. Er könnte höchstens noch im Hintergrund mitwirken.

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