Olten
Mahnwache gegen Gewalt an Frauen: «Als Gesellschaft sind wir alle davon betroffen»

Auf der Kirchgasse in Olten verliehen am Donnerstagabend über 200 Personen ihrer Solidarität mit einer Kerze Ausdruck.

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Mahnwache
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Mit einer Kerze wollten die Versammelten friedlich ihre Solidarität ausdrücken.
Einige stellten ihre Kerze hin und holten sie später wieder.
Insgesamt sind über 200 Leute erschienen.
"Ni una menos" (Nicht eine [Frau] weniger) ist der Name einer bekannten latein-amerikanischen Frauenbewegung.

Mahnwache

Bruno Kissling

Nach dem gewalttätigen Angriff auf ein 14-jähriges Mädchen im Oltner Bannwald hat eine Gruppe von Frauen aus Olten und der Region zusammengefunden, die am Donnerstagabend zwischen 18 und 19 Uhr eine Mahnwache in der Kirchgasse organisierte. «Ein Angriff auf eine von uns, ist ein Angriff auf alle von uns», hiess es in einer Nachricht, welche die Organisatorinnen in den Sozialen Medien verbreiten, um zur Mitwirkung an der Aktion aufzurufen.

Der Fall im Bannwald stehe bei der Mahnwache jedoch nicht im Zentrum, machte Laura Schöni, Olten-jetzt!-Politikerin und Mitorganisatorin, in einer Mitteilung deutlich. Vielmehr habe es darum gehen sollen generell ein Zeichen gegen (sexualisierte) Gewalt an Frauen und Mädchen zu setzen. Eine Anwesende sagte: «Wir sind hier, weil Gewalt gegen Frauen ein alltägliches Thema ist.» Und eine andere meinte: «Als Gesellschaft sind wir alle davon betroffen. Man ist betroffen, weil es einen betroffen macht.»

Speziell in der Pandemie, wenn Menschen öfters gemeinsam zu Hause feststeckten, käme es häufiger zu Fällen häuslicher Gewalt, sagten die Organisatorinnen. Und so heisst es auch in einer im Juni veröffentlichten Medienmitteilung des Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Mann und Frau: Obwohl kein schweizweiter Anstieg von häuslicher Gewalt verzeichnet werde, so nähmen die Zahl der Beratungen wegen häuslicher Gewalt seit den Lockerungsschritten vom 11. Mai in Basel-Stadt, Basel- Land, Aargau und Solothurn zu.

Die Mahnwache in der Oltner Kirchgasse stand deswegen im Zeichen der Solidarität. Solidarische Aktionen wie diese seien wichtig, sagt eine der Versammelten. Denn man möchte damit den Betroffenen Mut machen und das allgemeine Bewusstsein für das Thema schärfen.

Die Aktion war bewilligt und unterlag als politische Kundgebung den coronabedingten Versammlungseinschränkungen nur zum Teil. Um die bestehenden Schutzauflagen einhalten zu können, haben die Organisatorinnen Kreise auf den Boden gemalt, auf welche man sich stellen konnte. Viele Menschen platzierten ihre Kerze aber auch einfach um 18 Uhr im Kreis und holten sie eine Stunde später wieder ab. Insgesamt waren rund 200 Menschen anwesend, die eine Kerze gegen Gewalt aufgestellt haben.