Kappel
Neues Buch von Robert Lerch: 83-Jähriger schrieb früher Liebesbriefe für seine Schulkollegen

Robert Lerch aus Kappel legt mit «Das alte Lied der Eule» ein weiteres Werk vor – es sind Essays, Lyrik und Aphorismen. Im Gespräch mit der Zeitung erzählt er, wie es zum Buch kam.

Urs Huber
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Robert Lerch wohnt in Kappel am Waldrand: «Ja, die Eule höre ich hier oben jeden Abend.»

Robert Lerch wohnt in Kappel am Waldrand: «Ja, die Eule höre ich hier oben jeden Abend.»

Bild: Bruno Kissling

Volksschriftsteller? «Ich würde sagen: Ja.» Intuitiver Autor? «Das trifft’s ziemlich genau.» Er könne nicht nach Fahrplan schreiben, sagt er noch. Robert Lerch ist mit seinen 83 Jahren bemerkenswert vif. Er lacht, schiebt die Mütze etwas in den Nacken: «Regnen sollte es mal wieder» sagt er dann und blickt Richtung Norden nach Hägendorf, wo die Einfamilienhäuser an den Hängen des Jurasüdfusses in der Sonne glitzern und der Himmel darüber im Lichtblau versinkt. Mitte Mai erscheint im Knapp Verlag Olten Lerchs neustes Werk: «Das alte Lied der Eule». Eigenartiger Titel. «Ja, die Eule höre ich hier oben jeden Abend», sagt der Autor, der in Kappel am Waldrand lebt. In einer eigentlichen Idylle; mit Nachbarn auf Rufweite. Aha.

Das nächste Werk ist bereits in Vorbereitung

Er sagt, er habe im Grunde genommen schon früh ein Faible fürs geschriebene Wort gehabt. «Damals, in den Winterkursen auf dem Wallierhof, habe ich für meine Schulkollegen Liebesbriefe geschrieben.» Er schmunzelt, ein Hauch von Schalk legt sich über sein Gesicht. Ein Naturtalent? Natürlich habe er schon ein paar Detailinformationen gebraucht, um für die Angebetete einen passenden Brief aufsetzen zu können. «Bis zum ersten Rendez-vous habe ich jeweils Briefe verfasst; ab diesem Zeitpunkt war ich der Meinung, es sei nun die Aufgabe eines jeden einzelnen, die junge Beziehung weiter zu pflegen.» Lerch lehnt sich zufrieden zurück.

Ja, «Das alte Lied der Eule» ist eigentlich das Lied des Immerwährenden: Jedenfalls dann, wenn Lerchs Aphorismen, zeitlose Gedankensplitter, dazugezählt werden. «Die Taube, die unter den Hühnern lebt, vergisst, dass sie fliegen kann.» Und dies ist noch nicht mal der beste, aber der kürzeste. Auf knapp 140 Seiten breitet der Senior Erinnerungen aus, Gedankenspiele, lässt Ideenkringel steigen.

Essays, Lyrik, Aphorismen eines Geerdeten. Manches mutet geistig währschaft an, anderes spielerisch leicht, fast flüchtig, zumindest etwas versponnen, für den Lesenden scheinbar von mystischem Fluidum umhüllt. Gedichte fast ohne Satzzeichen, persönliche Geschichten in beinahe rezepturartiger Kürze. Die Illustrationen dazu besorgte Christoph R. Aerni, das Vorwort Pedro Lenz. «Ich finde, Pedro hat mich gut getroffen», sagt Lerch. «Robert Lerch ist ein spannender Zeitgenosse, dessen Blick auch im fortgeschrittenen Alter dem eines neugierigen Kindes gleicht», schreibt Lenz über Lerch etwa. «Das alte Lied der Eule» ist sein viertes Werk. Und ein Nächstes ist in Vorbereitung; zumindest erzählt der Senior davon. Er hat auch mit Isidor schon darüber gesprochen.

Isidor? «Wir sind energetische Wesen», sagt Lerch, der Volksschriftsteller dann am Stubentisch. Und erzählt von Isidor, besser bekannt unter dem Namen Isidor von Sevilla. Ein Weltgelehrter der damaligen Zeit und im Mittelalter einer der meistgelesenen Autoren. Rund 1400 Jahre liegt dessen Wirkungszeit zurück. Lerch hält Kontakt zu ihm. Und Isidor zu Robert übrigens auch. Für Aussenstehende nur schwer begreiflich. Mittels Wörter, Sätzen? «Via Impulse», weiss Lerch. «Isidor sagte doch; wir sind energetische Wesen.» Lerch schmunzelt.

Der Aebi-Transporter steht für das geerdete Element

Der Senior: ein umtriebiger Geist, bis auf den heutigen Tag. Schwer zu fassen. Im Unterstand steht ein Aebi-Transporter. Damit holte Lerch Ster um Ster Buchenholzwellen, die er alle im eigenen Wald geschlagen hat und die jetzt gestapelt auf dem Hausplatz liegen. «Allrad», sagt Lerch über den Aebi. Wie gesagt: Ein vielseitiger Senior, dieser Robert Lerch. Vielleicht könnte er nicht holzen ohne zu schreiben und nicht schreiben ohne zu holzen. Der Aebi steht so quasi für das geerdete Element, seine Bücher stehen für das geistige.

Dass er erst vor drei, vier Jahrzehnten zu schreiben begann, zwischenzeitlich ein knappes halbes Dutzend Werke veröffentlicht hat, ist dem Wesen des vierfachen Familienvaters als Landwirt, Psychiatriepfleger, Sozialarbeiter und Versicherungsagent geschuldet. «Da waren andere Dinge gefragt», sagt er. Aber wenn er schreibt, dann aus einem Guss; dann steht auch Isidor irgendwie zu Gevatter. Eine an sich harmonische Verbindung. Nur wenn Lerch Wünsche äussert, soll Isidor seine Stimme erheben. «Er sagt dann, er sei doch nicht mein Wasserträger», räumt Lerch ein.

Robert Lerch: «Das alte Lied der Eule» mit Illustrationen von Christoph R. Aerni und einem Vorwort von Pedro Lenz; ca. 140 Seiten, Knapp Verlag Olten

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