Olten
Kapazitätsmangel bleibt: Es gibt keinen Kühlcontainer auf dem Friedhofgelände

Bestatter dringen mit ihrem Anliegen nicht durch: Die Stadt Olten als Betreiberin des Krematoriums will den Kapazitätsengpass nur bedingt beheben.

Urs Huber
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Das Krematorium in Olten stösst an seine Kapazitätsgrenzen. Jetzt werden täglich 7 Kremationen vollzogen.

Das Krematorium in Olten stösst an seine Kapazitätsgrenzen. Jetzt werden täglich 7 Kremationen vollzogen.

Oltner Tagblatt

Das Krematorium in Olten leidet derzeit an Kapazitätsmangel. «Innert 24 Stunden lassen sich sechs Leichname kremieren, dafür ist der Ofen technisch ausgelegt», sagt René Wernli, Leiter des städtischen Werkhofs und damit auch Hauptverantwortlicher des hiesigen Krematoriums. Nicht nur, aber auch deswegen haben sich unmittelbar vor Weihnachten regionale Bestatter an die Stadt gewandt. Deren eigentliches Hauptanliegen: Die Grenzen der krematoriumseigenen Kühlplätze, wo die Verstorbenen im Sarg auf die Kremation warten, sind ausgereizt. «Deren 18 haben wir zur Verfügung», sagt Wernli. Und schiebt hinterher, derzeit könne man tatsächlich von einer Überbelegung sprechen.

Der Idee aus Bestatterkreisen, in Zeiten wie diesen im Meisenhard vorübergehend einen Kühlcontainer zu platzieren, konnten die Stadtverantwortlichen allerdings nichts abgewinnen. Stadtpräsident Martin Wey wie René Wernli stellen sich auf den Standpunkt, die Schaffung von Platzkapazitäten für den Zeitraum zwischen Einsargung und Einäscherung sei nicht Aufgabe des Krematoriums und damit nicht Aufgabe der Stadt. «Das ist der gesetzliche Auftrag der jeweiligen Wohngemeinden», hält Wey fest. Wenn eine andere Praxis gewünscht werde, liesse sich diese vielleicht mit einer regionalen Kooperation umsetzen. «Aber das ist eher ein Projekt der Zukunft», so Wey.

Sechstagebetrieb seit Wochen

Dennoch hat die Stadt als Betreiberin des Krematoriums auf die aktuelle Situation reagiert. «Bereits seit Dezember gilt für den Betrieb die Sechstagewoche», so Wernli. Auch am Berchtoldstag (2. Januar) sei das Krematorium in Betrieb gewesen. Zudem wird die Kapazitätsgrenze des Ofens ab sofort mehr als ausgereizt. «Wir führen jetzt täglich sieben Kremationen durch», so Wernli.

Und: Man arbeitet neuerdings zweischichtig, voraussichtlich bis Ende Januar, bei Bedarf auch noch Monate darüber hinaus. Das führt letztlich zwar nicht zu mehr Kremationen innert 24 Stunden, sorgt aber dafür, dass innert zwei Schichten die maximal 6 beziehungsweise 7 Kremationen auch vollzogen werden können.

Nicht jede Kremation braucht gleich viel Zeit

«Üblicherweise dauert ein Kremationsprozess rund anderthalb Stunden», sagt Wernli. Allerdings gebe es Fälle, die aufgrund bestimmter Voraussetzungen mehr Zeit in Anspruch nehmen würden. «Das ist etwa abhängig vom Gewicht des Leichnams, allenfalls auch von anderen physischen Voraussetzungen wie etwa vorgängiger langer Medikamentierung vor dem Ableben», sagt Wernli. So komme auch vor, dass die Kremation eines Leichnams bis zu zweieinhalb Stunden in Anspruch nehmen könne. Neuerdings wird auch Bestattungsunternehmern aus dem Baselbiet vorübergehend keine Möglichkeit mehr geboten, die Leichname in Olten kremieren zu lassen. «In dieser Situation haben die Verantwortlichen gesagt: Die Region hat Vorrang», so Wernli.

In Olten gibt es das Privileg der Bestatter, den Leichnam unangemeldet ins Krematorium überführen zu können. «Ich kenne nicht viele Krematorien, die so liberal arbeiten», sagt Wernli dazu. Dass derzeit das Krematorium in Solothurn umgebaut wird und deshalb als Abnehmer entfällt, spiele natürlich in der sich zuspitzenden Situation auch eine Rolle.

Angebote gibt es ausreichend

Dennoch: Es gibt durchaus ausreichend Angebote, wenn auch nicht zwingend in der unmittelbaren Region. Mitte Dezember etwa hatte Anja Bandi, Leiterin der Friedhöfe Basel-Stadt, gegenüber den Medien verlauten lassen, das Coronavirus führe in der Nordwestschweiz nicht zur Überlastung im Krematorium Hörnli. Dort allerdings muss die Anmeldung einer Kremation für Auswärtige (kein Basler Einwohner/keine Basler Einwohnerin) bis zwei Arbeitstage vor der Kremation bis 15 Uhr beim Bestattungsbüro per E-Mail eingegangen sein. Eine Kremation ohne schriftliche ­Anmeldung und ohne Unterschrift wird nicht durchgeführt. Im Schnitt gebe es im Krematorium auf dem Friedhof Hörnli pro Jahr 4500 Kremationen. Die Friedhofleiterin geht davon aus, dass sich die Zahl in 2020 im selben Bereich bewegen wird.

Auch Wernli glaubt nicht, dass die Zahl der Kremationen im ausgelaufenen Jahr übermässig hoch sein wird, wie er im alten Jahr auf Anfrage zu verstehen gibt. «Jährlich finden in Olten rund 1000 Kremationen statt; davon entfallen lediglich 20 Prozent auf Verstorbene aus Olten», gibt er zu verstehen und behält Recht. Im vergangenen Jahr waren’s 1085. 11 mehr als 2015. Auch jenes Jahr war ein betriebsames fürs Oltner Krematorium.

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