Sie hatten keine Lust, sich in die bestehenden Strukturen bei den bestehenden Parteien mit dem bestehenden ideologischen Ballast einzufügen. Trotzdem wollten sie sich politisch einbringen und etwas tun für die Stadt: Und so gründeten die vier politisch bisher kaum in Erscheinung getretenen Laura Schöni (23), Samuel Rudolf von Rohr (25), Nils Loeffel (26) und Daniel Kissling (28) ihre eigene Gruppierung. Und weil es ihnen vor allem um das Wohl und die Entwicklung der Stadt geht, gaben sie sich den Namen «Olten jetzt!». Sie möchten ein Alternative zu den bestehenden Parteien und ihren Grabenkämpfen bieten.

«Wir wollen bei den Parlamentswahlen mindestens drei Sitze holen, um Fraktionsstärke zu erlangen», nennt Daniel Kissling die Ambitionen. Der Geschäftsführer des «Coq d’Or» ist der Einzige der vier Gründungsmitglieder, welcher bisher eine gewisse Wahlkampf-Erfahrung vorzuweisen hat: Bei den letzten Nationalratswahlen 2015 holte er auf der Liste der Jungen SP Region Olten mit 1809 Stimmen das beste Resultat.

Neue Leute sind willkommen

Um das Ziel zu erreichen, wollen sie auch wegen des kaum vorhandenen Budgets einen etwas anderen Wahlkampf führen: Es sollen Diskussionen lanciert werden, bei denen man auch mal bei den Stimmbürgern aneckt. «Wir wollen die Politik etwas aufmischen», sagt Kissling. Derzeit läuft die Brainstorming-Phase. Zudem ist man mit weiteren Kandidaten im Gespräch. Das Ziel sei eine volle 40er-Liste – mit zumindest doppelt aufgeführten Namen. Neue Leute seien jederzeit willkommen. «Das Alter spielt keine Rolle», sagt Kissling, es komme vor allem auf die Geisteshaltung an, bei der die Entwicklung der Stadt Olten und nicht die Parteipolitik zentral sei.

Man wolle Leute, die Ideen haben, aber auch mal auf die Schnauze fallen können, so der Sozialarbeiter Nils Loeffel, der ebenfalls als Kulturveranstalter im «Coq d’Or» tätig ist. In Diskussion ist zudem eine Teilnahme bei den Stadtratswahlen. Spruchreif ist in dieser Angelegenheit allerdings noch nichts.

Die Themen ihrer Bewegung kreisen um Bildung, Soziales, Kultur und Stadtentwicklung. Aus den Voten von Kissling und Loeffel wird klar – die beiden anderen Gründungsmitglieder waren beim Treffen mit dem Journalisten berufshalber abwesend –, dass sie mit der bisherigen Politik in Olten nicht nur glücklich sind. Sie erwähnen das Parkleitsystem, «den Klassiker der verschleppten politischen Geschäfte» (Kissling), das nun endlich umgesetzt werden müsste. Oder sie sprechen vom bisher nicht mehr aktualisierten Kulturbericht aus dem Jahr 2004, der damals eine neue Fachstelle für Kultur forderte, die im Parlament Schiffbruch erlitt. «Baden etwa als Stadt mit ähnlicher Grösse wie Olten hat eine Verantwortliche für Kulturförderung», so Kissling. 

Nicht angemessen erachten sie auch das Hin und Her der Stadt im Fall Enzo Möbel: So werde nicht gerade die Eigeninitiative der Bürger gefördert, bemerkt Loeffel. Zudem wirkte die Stadt etwas planlos. Auch in Sachen Freiwilligkeit gäbe es in ihren Augen noch Verbesserungsmöglichkeiten – nicht finanzieller Natur, sondern indem in der Verwaltung einfach ein paar Hürden abgebaut werden, wenn jemand in der Stadt etwas anreissen wolle.

In anderen Fragen musste die Stadt ihrer Ansicht nach forscher nach Lössungen suchen: Könnte das private Vögeli-Haus, das an prominenter Stelle an der Kirchgasse seit Monaten leer steht, nicht zwischengenutzt werden? Gäbe es für den Ländiweg nicht eine bessere Lösung, als nach dem gestorbenen Andaare-Projekt gar nichts zu tun? Müssten die Besitzer leer stehender Ladenlokale nicht zu einer Mietzinssenkung bewegt werden? Das alles sind Fragen, welche sich die vier Gründungsmitglieder bei einer allfälligen Wahl annehmen wollen. Sie sind überzeugt: «Olten hat viel Potenzial, müsste aber auch viel selbstbewusster auftreten.»