Olten
FDP-Parteistratege: «Monique Rudolf von Rohr wurde als zu links wahrgenommen»

Daniel Probst verteidigt die glücklose Kandidatur von Monique Rudolf von Rohr für den Oltner Stadtrat.

Fabian Muster
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FDP-Kandidatin Monique Rudolf von Rohr musste im zweiten Wahlgang der Stadtratswahlen den beiden linken Kandidatinnen Marion Rauber (SP) und Iris Schelbert (Grüne) den Vortritt lassen. (Archiv)

FDP-Kandidatin Monique Rudolf von Rohr musste im zweiten Wahlgang der Stadtratswahlen den beiden linken Kandidatinnen Marion Rauber (SP) und Iris Schelbert (Grüne) den Vortritt lassen. (Archiv)

Bruno Kissling

Die FDP ist nach den Oltner Gemeindeparlamentswahlen zwar immer noch wählerstärkste Partei, hat es aber trotzdem nicht geschafft, den zweiten Sitz im Oltner Stadtrat zurückzuerobern. Was lief falsch?

Daniel Probst: Die Ausgangslage war schwierig. Wir hatten unseren zweiten Sitz mit einem offiziellen Kandidaten eigentlich schon vor 12 Jahren verloren (damals wurde René Rudolf von Rohr abgewählt, Anm. der Redaktion), nicht vor vier. Die Partei versuchte, mit Monique Rudolf von Rohr eine Kandidatin zu bringen, die einerseits liberale Werte verkörpert und gleichzeitig Stimmen auch über die Parteigrenzen hinaus holt. Unser Stimmenanteil beträgt ja nur rund 22 Prozent, was rechnerisch nur einen von fünf Sitzen ergeben würde. Unsere Kandidatin hat zwar gut abgeschnitten, aber SP und Grüne haben noch besser mobilisiert als wir.

Daniel Probst Der Direktor der Solothurner Handelskammer ist seit Jahren im Vorstand der FDP Olten und zieht die Fäden im Hintergrund. Der 44-Jährige sitzt seit 20 Jahren im Oltner Gemeindeparlament und war auch schon einmal kurz im Kantonsrat. Bei den diesjährigen Wahlen schaffte er es auf den ersten Ersatzplatz. (fmu)

Daniel Probst Der Direktor der Solothurner Handelskammer ist seit Jahren im Vorstand der FDP Olten und zieht die Fäden im Hintergrund. Der 44-Jährige sitzt seit 20 Jahren im Oltner Gemeindeparlament und war auch schon einmal kurz im Kantonsrat. Bei den diesjährigen Wahlen schaffte er es auf den ersten Ersatzplatz. (fmu)

zvg

Kritiker monieren, Monique Rudolf von Rohr hätte ein zu ähnliches Profil gehabt wie die beiden linken Kandidatinnen, wäre mit ihren 61 Jahren zu alt und hätte kaum politische Erfahrung.

Das Volk hat bei diesen Wahlen neuen Kräften den Vorzug gegeben. Unsere Kandidatin war als Quereinsteigerin wie Benvenuto Savoldelli vor vier Jahren politisch ebenfalls unverbraucht und stand, trotz ihres Alters, für frischen Wind und Jugendlichkeit. Dass sie teilweise als zu links wahrgenommen wurde, ist vereinzelt auch unsere Schuld. Wir hätten ihren Bezug zum Gewerbe und zur Wirtschaft stärker herausstreichen müssen. 2009 mit Heinz Eng und Urs Knapp oder 2013 mit mir hatten wir eher rechtsbürgerliche Kandidaten und waren damit auch nicht erfolgreich. Schlussendlich müssen wir als Freisinnige für ein eigenes Profil stehen. Die Ausgangslage wäre mit einem anderen Kandidaten genauso schwierig gewesen.

Man hörte, dass die FDP nicht glücklich war, dass keine andere bürgerliche Partei offiziell eine Wahlempfehlung für Rudolf von Rohr herausgegeben hatte. Hat das die Wahlen beeinflusst?

Ich denke schon. Mit einer offiziellen Unterstützung von CVP oder SVP hätten wir im zweiten Wahlgang vielleicht den Rückstand aufholen können. Das ist eine verpasste Chance, aber ich will damit die Schuld nicht den anderen bürgerlichen Parteien in die Schuhe schieben. Einige prominente CVPler und SVPler traten Rudolf von Rohrs Unterstützungskomitee bei und wollten mithelfen, die bürgerliche Mehrheit im Stadtrat zurückzugewinnen.

Rudolf von Rohr hat sich gleich zu Beginn ihrer Amtszeit im November 2015 als FDP-Präsidentin mit der SVP angelegt («Schulterschlüsse mit der SVP sind des Freisinns Tod»). War das im Nachhinein ein Fehler?

Nein. Sie versuchte damals der Partei ein eigenständiges Profil zu geben, was ihre Aufgabe als Parteipräsidentin ist. Sie hat aber danach auch mehrmals betont, dies bedeute nicht, dass man bei der politischen Arbeit oder bei Wahlen nicht zusammenarbeiten könne. Einige SVP-Exponenten erinnerten sich aber an diese Aussagen und hatten dadurch Mühe, offiziell unsere Kandidatin zu unterstützen.

Warum versuchte die FDP für den zweiten Wahlgang nicht, ein Bündnis mit einem anderen noch vorhandenen bürgerlichen Kandidaten zu schliessen, etwa mit der hinter Rudolf von Rohr platzierten grünliberalen Beatrice Schaffner?

Das war für uns kein Thema. Wir waren der Meinung, dass die bürgerlichen Kräfte gebündelt werden müssen, um wenigstens einen der beiden offenen Sitze zu gewinnen. Rudolf von Rohr war die bestgewählte bürgerliche Kandidatin und so war für uns klar, dass sie ins Rennen geht. Wie wir gehandelt hätten, wenn ein anderer Bürgerlicher vor unserer Kandidatin gestanden wäre, haben wir ja schon einmal gezeigt mit dem wilden FDP-Kandidaten Mario Clematide vor acht Jahren: Wir zogen unsere beiden offiziellen Kandidaten zurück.

Die Wähler haben bei der Parlamentswahlen gezeigt, dass sie Veränderungen wollen. Das müssen wir auch als FDP ernst nehmen. Die Ausgangslage als stärkste Partei ist gut, aber wir müssen uns noch mehr anstrengen, um den Trend zur Stagnation brechen zu können. Wir müssen unsere jungen und neuen Kräfte aktiv fördern, Anliegen der Bevölkerung aufnehmen und aufzeigen, dass liberale Lösungen langfristig die besseren sind. Vor zwei Jahren ist mit Monique Rudolf von Rohr ein positiver Ruck durch die Partei gegangen. Wir konnten neue Leute und Sympathisanten gewinnen. Der Weg stimmt.

Kritiker in der eigenen Partei: «Alte Kämpen aussortieren»

Die FDP-Basis sieht den vergangenen Wahlsonntag nicht ganz so rosig, wie es die nackten Zahlen präsentieren. Zwar ist die FDP noch immer die stärkste Partei in Olten. Doch sie musste wie fast alle anderen bisherigen Parteien – ausser der Jungen SP – Federn lassen. Der Stimmenanteil sank im Vergleich zu 2013 von 24,79 um 3 Punkte auf 21,74 Prozent. Im neu noch 40-köpfigen Parlament hat die einst staatstragende Partei noch 9 Mandate inne und musste damit 3 Sitze einbüssen. Bei den Stadtratswahlen schaffte man es nicht, den vor vier Jahren an die Linke verlorenen Sitz zurückzuerobern. Geschäftsleiter Christoph Zehnder von der Oltner Lederhandelsfirma Emag spricht Klartext: «Die FDP kann nach diesen Wahlen nicht zufrieden sein, weil die Stadt linker geworden ist.» Die FDP sei in den letzten Jahren immer dabei gewesen, wenn etwas schlecht lief wie etwa in Olten SüdWest. In seinen Augen müsste die FDP wie die SP konsequent den Nachwuchs fördern und alte Kämpen aus der Zingg-Zeit, zu denen die Basis kein Vertrauen mehr habe, aussortieren. «Was die SP mit ihrem Stadtrat Peter Schafer gemacht hat, verdient Respekt. Das hätte ich mir zum Beispiel auch mit Max Pfenninger gewünscht. Jetzt mussten die Wähler ihn halt abwählen.» Ein altgedienter FDPler wie Böbes Aerni, der 16 Jahre im Gemeindeparlament sass und Fraktionschef war, hat neben der Verjüngung weitere Vorstellungen, wie die FDP nach dem «Schlag ins Genick» wieder auf Touren kommt: Man solle wieder vermehrt auf die Basis hören. «Die FDP ist keine Volkspartei mehr.» Zudem wünscht sich der Ex-Gewerbe-Olten-Präsident eine Annäherung an die SVP. Ob dies allerdings mit der «linksliberalen» Präsidentin Monique Rudolf von Rohr möglich sei, lässt er offen. Und Rolf Furrer, ebenfalls ehemaliger Gemeinderat und derzeit noch Baukommissionspräsident, sieht ein Problem in der fehlenden Mobilisierung. «Es reicht heute nicht mehr aus, mit Standaktionen auf der Strasse zu stehen und dies dann auf Facebook zu posten. «Den Wählern, die immer weniger parteiorientiert sind, müssen Leistungen aufgezeigt werden.» Die linke Mehrheit im Stadtrat findet er zudem «nicht so entscheidend». Es gehe vielmehr darum, dass die Oltner Regierung zum Wohl der Stadt politisiere, unabhängig des Parteibüchleins. (fmu)

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