Was passiert mit einer verschluckten Ameise im Kindermagen? Und wieso heisst die Käseschmiere nicht Béchamel? Diesen und weiteren Fragen rund um den Nachwuchs widmeten sich am Montagabend in der Schützi die Spoken-Word-Autoren Simon Chen, Stefanie Grob, Matto Kämpf, Sandra Künzi und Gerhard Meister – zusammen «Die Eltern». An den Oltner Kabarett-Tagen für einmal in voller, fünfköpfiger Besetzung zu sehen, brachten es die zusammen zehnfachen Eltern mehr als einmal auf den Punkt: Elternsein ist kein Zuckerschlecken.

Schon das Spermium kämpft mit der Befruchtung, die Geburt gleicht einer Schlachthaus-Szenerie und später leiden viele Mamis und Papis am Sandkasten-Blues. Dazwischen und darüber hinaus: nur Wölflis zeichnende Vrenelis, Blockflöten-Gedüdel, nervende Müttergespräche, Krippen-Gelaber und Bach-Lieder auf der Hello-Kitty-Posaune.

Wahnsinn des Familienalltags

Es ist der Wahnsinn des Familienalltags, den die fünf Autoren auf die Bühne bringen – eine geistreiche, aber auch gesellschaftskritische Langzeitstudie, die auf eigenen Erfahrungen fusst. Beim Elternabend von Oberstufenlehrer Simon Chen zum demnächst anstehenden Klassenlager wird besprochen, welches Kind wie viel Ritalin bekommt, wer welche Allergien hat, wer welches Essen isst und dass es eine Sammelbestellung für Verhütungsmittel über die Schule geben wird. Zum Thema Sonnenschutz heisst es: Wer nicht sowieso ein Kopftuch trage, solle doch bitte einen Sonnenhut mitbringen. Und selbstverständlich würden die 21 Schülerinnen und Schüler von fünf Lehrpersonen, drei Heilpädagogen und zwei Sicherheitsleuten betreut.

Liebliches Kita-Tanten-Gesäusel

Matto Kämpf kämpft mit der Erziehung und vor allem mit den vielen Erziehungsratgebern, die es auf dem Markt für sein Grotil (Kind) gibt. Stefanie Grob belegt eindrücklich und mit viel Sprachwitz, dass Hausfrauen Familienmanagerinnen sind – schliesslich sei beim Kindergeburtstag im Wald das «Connecte vo de Junior Manager» und das «Fire Pissing» sehr wichtig für die Kinder.

Sandra Künzi besticht mit ihrem lieblichen Kita-Tanten-Gesäusel, hinter dem sich handfeste Kritik versteckt, und Gerhard Meister philosophiert mit seiner Tochter – oder eben eher alleine – über gefaltete Berge, die Berufswahl eines Teenagers und über den See schwimmende Enten.

Gnadenlos ehrlich

Es geht um hochtalentierten Nachwuchs, Elterndialoge auf dem Spielplatz, die richtigen und die falschen Erziehungsmethoden, über betreute Kinder, biodynamische Vollzeitmütter, den alkoholischen Ausbruch aus dem familiären Hamsterrad, Elternnöte, Mutterkuchen und das, was Eltern wirklich über ihre Kinder denken. Von pränatal bis postpubertär – alle Themen sind vertreten beim lustigen Familien-Allerlei der Eltern.
Die Performance ist nicht nur witzig und rasant, sondern auch augenöffnend und inspirierend für alle Eltern und Nicht-Eltern. Gnadenlos ehrlich und geradlinig – ein gelungener Elternabend!