Olten Brass
Ein Musikparcours zum 30-jährigen-Jubiläum

Olten Brass und Martin Wey als Stadtführer hielten das Publikum auf Trab.

Jürg Salvisberg
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Dicht gedrängt stand das Publikum beim Auftritt von Olten Brass auf der unteren Terrasse des Stadthauses.

Dicht gedrängt stand das Publikum beim Auftritt von Olten Brass auf der unteren Terrasse des Stadthauses.

Jürg Salvisberg

Nach mehr als 330 Auftritten in 30 Jahren feierte Olten Brass am Samstagnachmittag sein Jubiläum mit neun Kurzkonzerten quer durch die Stadt. Auf dem musikalischen Spaziergang bewies die Formation ihre Wetterfestigkeit und die durch personelle Wechsel angeeignete Wandlungsfähigkeit. Als gewandter Moderator legte Martin Wey einmal mehr sein musikalisches Flair an den Tag. Der Stadtpräsident nahm die gute Hundertschaft am Bahnhof SBB in Empfang und leitete sie zielsicher durch die aussergewöhnlich belebte Innenstadt zur Kirche St. Martin, wo das damalige Bläserquartett St. Martin in der Osternachtsmesse im April 1987 erstmals an die Öffentlichkeit getreten war.

Acht örtliche Premieren

Über die Oltner Turmbläser fand das Ensemble seitdem zum Namen Olten Brass. Gleichzeitig verbreiterte und modernisierte es dabei, ausgehend von Renaissance- und Barockmusik mit Orgel, sein Repertoire ständig. Dass die aktuell sechsköpfige Formation mit 120 eingeübten Kompositionen aus dem Vollen schöpfen kann, erlebte das treue Publikum eindrücklich mit eigenen Ohren. Remo Fröhlicher (Horn), Beat Kohler (Trompete), Aldo Nünlist (Posaune), Christoph Remensberger (Trompete), Claudio Tanner (Tuba) und Hansruedi von Arx (Orgel, Perkussion) wollten zum 30. Geburtstag aber mehr als nur gute Routine abliefern, sondern sich durchaus auch speziell herausfordern.

Denn acht der neun Stationen auf dem musikalischen Gang durch Olten bespielte Olten Brass zum ersten Mal. Dass der angekündigte und eingetroffene Regen das Nützen von geschützten Unterständen ratsam erscheinen liess, brachte das auch diesbezüglich gut vorbereitete Sextett nicht aus dem Tritt und Takt. Das Abstimmen des jeweiligen Sounds an die Umgebung lieferte den Boden für die aktuellen und historischen Erläuterungen aus dem Munde des Stadtpräsidenten.

So passte der «Chattanooga Choo Choo» zum Bahnhof SBB, Händels Wassermusik zum Platz mit der Wildsau an der Aare oder «Frère Jacques» zu den Kapuzinerbrüdern im Klostergarten. Im Konzertsaal des Stadttheaters lauschte Mozart in Büstenform seiner Kleinen Nachtmusik und vor dem Hammer 2 kündeten die «Autumn leaves» von der Vergänglichkeit des Vorgängerbaus und einer nach dem Abriss entstandenen, aber nie genutzten Parkhaus-Etage.

Ein Annexbau für Jugendmusik?

Auf der unteren Terrasse des Stadthaus wehte ein Hauch von «New York, New York» in die Kleinstadt, und Gastgeber Martin Wey bedauerte einzig, dass Olten Brass «Skyfall» statt «Goldfinger» («das hätten wir für die marode Stadtkasse gebraucht») als James-Bond-Musik auserkoren hatte. Im Hof der Musikschule dankte er der Formation für ihr vorbildliches Wirken zugunsten der Jugend und stellte Beat Kohler, dem Leiter der Jugendmusik in Aussicht, dass er der Institution Sorgen tragen wolle und ein Annexbau für bessere Platzverhältnisse auf der Traktandenliste bleibe.

Den krönenden Abschluss mit einem von der Missione Cattolica vorbereiteten Apéro riche fand die musikalische Promenade in der Kirche St. Martin. Am Ursprungsort von Olten Brass kam auch Hansruedi von Arx als Hausorganist voll zum Zug, womit die Prix-Wartenfels-Preisträger dieses Jahres ein mächtiges Finale boten.