9.30 Uhr ist für das junge Kabarettduo InterroBang «noch ein bisschen früh», wie sie sagen, um über Tabus, Lieblingstiere und Lampenfieber zu sprechen. Die Augen sind müde. Manuel Diener (25) aus Bad Zurzach eroberte am Vortag an einem Volleyball-Turnier den 3. Rang, während Valerio Moser (28) aus Langenthal an seinen Solo-Stücken tüftelte. Als selbstständiger Solo-Kabarettist hat er derzeit neben den Team-Shows auch alleine Auftritt nach Auftritt.

Der Orangensaft im Bahnhofbuffet Olten hilft. Auch das Setting. Hier sind schon viele Texte des preisgekrönten Duos entstanden. «Da wir weit von einander entfernt leben, ist Olten eine gäbige Schnittmenge», sagt Valerio Moser, der mit Manuel Diener nach dem zweiten Platz am 2. Kabarett-Casting Olten etliche Preise absahnte. Letztes Jahr erreichte das 2012 gegründete Duo an den deutschsprachigen Slam-Poetry-Meisterschaften den 1. Platz.

Frage und Aussage: InterroBang

Ihr Erfolgsrezept? «Wir machen einfach das, was wir selber auch geil finden», sagt Moser. Es hört sich so simpel an wie Essen und Trinken. Konkret trägt das Duo seine Texte nicht nur vor, sondern bounct, geht und rennt während des Auftritts auf der ganzen Bühne herum. Inklusive starker Gestik. Sogar beim Thema Fondue.

«Im aktuellen Kabarettstück ‹Die Schweiz ist geil?!› haben wir absichtlich nur den Handlungsrahmen festgelegt. Vieles improvisieren wir», erklärt Manuel Diener. «Dadurch haben wir auch die Möglichkeit, spontan auf das Publikum einzugehen und es einzubeziehen.» In jeder möglichen Situation. «Als uns während einer Vorstellung die ganze Zeit ein Betrunkener reinschrie, haben wir ihn spontan eingebaut», lacht Valerio Moser. Dies offenbar erfolgreich: «Das Publikum dachte am Ende, er gehöre zu unserem Programm.»

Die variierenden Bühnencharaktere von InterroBang* stellen Fragen, philosophieren aber auch. Deshalb der aussergewöhnliche Name. Meist haben die Figuren nicht viel mit den beiden Jungs gemeinsam. «Wobei, manchmal lehnen wir sie aus praktischen Gründen schon auch ein bisschen an unserer Persönlichkeit an», erklärt Manuel Diener.

Wie geht es ihnen eigentlich vor einem Auftritt? «Ich mache Dehnungsübungen oder hüpfe herum», sagt Valerio Moser. «Oder er schläft», ergänzt Manuel Diener. «Wenn er aufgeregt ist, wird er immer müde», weiss er. «Das stimmt», gibt Moser zu. Gerade deshalb hüpfe er dann herum: um wieder wach zu werden. Diener hingegen ordnet vor Auftritten seine Blätter und Requisiten, geht den Text nochmals durch. «Das beruhigt mich.»

Kabarett vs. Slam

An den Slam-Sessions sei es halt anders als auf der Kabarettbühne. «An einem Poetry Slam ist man anonym, nur einer von vielen, und kann auch experimentieren», sagt Valerio Moser, der immer wieder Slams mitorganisiert. Dass er bei einem Slam-Auftritt im Gegensatz zum Kabarett kein Geld bekommt, macht ihm nichts aus.

«Dafür habe ich sehr viel Spass», sagt Moser, der auf der Slam-Bühne oft Neues austestet. «Verkackst dus, rettet vielleicht ein anderer den Abend.» Das geht beim abendfüllenden Kabarett natürlich nicht. «Da spürt man schon mehr Druck», so der diplomierte soziokulturelle Animator. Deshalb sei es aber umso reizvoller.

Ein ganzes Abendprogramm zu füllen, reizt dafür Manuel Diener mittlerweile mehr als die Slam-Bühne. «Derzeit habe ich so viel Spass am Kabarett, dass ich weniger Lust habe auf Poetry Slams», sagt Diener, der Germanistik und Philosophie studiert hat. Schwarzer Pulli, Glatze, schwarze Hornbrille – das passt zu den perfekten Zähnen.

Sein Lieblingstier ist die Raubkatze. Das passe zu ihm, als der eher ruhigere und elegantere Typ des Duos, meint Moser. Wobei auch Diener genauso wie sein Teamkamerad sich gerne mit Ironie ausdrückt.

Ein Tabu auf der Bühne? «Ich wollte schon immer mal mit Valerio auf der Bühne herummachen.» Die Scherzkekse lachen. Das Lieblingstier von Moser ist der Pinguin. Seine Begründung: «Der kann so vieles machen; auf dem Bauch rutschen, seine Eier mit den Füssen ausbrüten. Und wenn ihn ein Killerwal auffrisst, spuckt dieser dann die Haut wieder raus. Mega cool!» Breites Lachen mit sympathischer Zahnlücke. Ja, auch sein Lieblingstier passt irgendwie zu ihm.