Stadttheater Olten
«Du sollst nicht lieben» auf der Bühne des Schwager Theaters in Olten überzeugt

Das Theaterstück «Du sollst nicht lieben» kam in Olten gut an.

Urs Huber
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Am Anfang welke Blumen: Lothar (Mike Baader) und Sonja (Michaele Gurten) zu Beginn ihrer Liebesgeschichte. Am Klavier Jean-Jacques Schmid.

Am Anfang welke Blumen: Lothar (Mike Baader) und Sonja (Michaele Gurten) zu Beginn ihrer Liebesgeschichte. Am Klavier Jean-Jacques Schmid.

Markus Müller

«Je mehr man heiratet, desto weniger weiss man von seinem Bräutigam.» Vielleicht sind’s solche Sätze, die Georg Kreislers Stück aus den späten 1990er-Jahren, «Du sollst nicht lieben», attraktiv machen. Jedenfalls dann, wenn sie gut gespielt sind, die Charaktere eigentlich nicht zueinander passen und ein Pianist virtuos in die Tasten greift und darob Szenenapplaus einheimst. So geschehen im Schwager Theater übers vergangene Wochenende. Volles Haus für die Hauptakteure Mike Baader, Michaela Gurten und Pianist Jean-Jacques Schmid. «Ein Stück, das sämtliche Facetten des diesjährigen Programms bei Schwager in sich trägt», wie Regisseur Christoph Schwager zum Auftakt ans Publikum gerichtet meinte. Poesie, Kabarett, Theater, Musik.

Ein Kauz zum Vergessen und eine charmante Mutter

Aber zurück zu Kreislers Werk, in dem ein regelrecht unsympathischer Kauz (Mike Baader) wohl mithilfe des Allmächtigen zu einer charmanten und jüngeren Frau (Michaela Gurten) kommt. Schon nach vier vermutlich harzigen Küssen samt Theater-, Kino- und Konzertbesuchen will das gefühlssperrige Scheusal mit seiner Eroberung unter die Laken schlüpfen, während sie findet, das würden doch alle so machen. Bloss sie nicht. Zumal man noch nicht einmal per Du sei.

Baader spielt den Lothar expressiv, phasenweise fast zu plakativ, aber bewundernswert ausdauernd steril und klamm, während Michaela Gurten die Sonja mit erfrischender Natürlichkeit versieht. Ihre Maxime: Hab’ Sonne im Herzen.

Wäre Lothar nicht so verklemmt, er würde die Seine als «knackig» bezeichnen. Was heisst da würde? So verklemmt ist er nun auch wieder nicht, um die Formen seiner Lieben nicht heimlich zu begutachten. Ein Kauz zum Vergessen.

Nicht vergessen machen kann und will die Sonja ihren Sohn Hans-Jakob, ein Geschöpf aus einer früheren Beziehung. Hans-Jakob wird kein Freund Lothars. Die Kommunikationswege sind verstellt und reduzieren sich aufs Rausstrecken der Zunge.

Dahingleiten ohne brüllende Lacher

Es sind 100 Minuten Bühnenwerk, die Kurzweil garantieren. Trotz der relativen Schwere, die diesem Stück anhaftet, das sich – ohne nach brüllenden Lachern aus dem Publikum zu gieren – auf der Zeitachse fortbewegt. Hätte es Vorhänge gegeben im Schwager Theater, das Trio wäre locker auf drei, vier davon gekommen. Wie erleichtert muss das Publikum ob all der kleinen, aber frontal wirkenden Verwerfungen auf der Bühne beim Gedanken gewesen sein: alles bloss Theater. Den Besuchern in Bern, Basel Thun, Brig oder Zürich, wo das Trio bis Ende Jahr gastieren wird, sei zugerufen: Nur das Leben ist manchmal anders.