Diskussion mit Bevölkerung
Die rege Bautätigkeit in Trimbach macht den Weg zum Kompromiss schwierig

In Trimbach lud der Gemeinderat zur Diskussion mit der Bevölkerung. Thema war die Verkehrssituation oberhalb der Bahnlinie.

Fabio Baranzini
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Die Marenstrasse in Trimbach: Vom Baustellenverkehr zusehends überfordert und auch überstrapaziert.

Die Marenstrasse in Trimbach: Vom Baustellenverkehr zusehends überfordert und auch überstrapaziert.

Bruno Kissling

Im Zentrum der Informations- und Diskussionsveranstaltung vom Dienstagabend stand das Konzept für die Regelung des Baustellenverkehrs auf dem Gemeindegebiet oberhalb der Bahnlinie. Dieses Konzept sollte als Basis dienen für eine Diskussion mit der Bevölkerung. Schnell war jedoch klar, dass es um viel mehr geht als nur um die Regulierung des Verkehrs, den die geplanten Bauprojekte verursachen werden.

Der Grund dafür ist einfach: Die betroffenen Parteien haben zwar alle dasselbe Ziel – sie wollen die Auswirkungen des Baustellenverkehrs so gering wie möglich halten. Aber sie haben unterschiedliche Bedürfnisse und bevorzugen daher unterschiedliche Massnahmen. Dazu später mehr.

Wird mehr gebaut, gibt’s mehr Verkehr

Zuerst zur Ausgangslage: Auf dem Gemeindegebiet oberhalb der Bahnlinie, das knapp 850 Personen beheimatet, wird immer mehr gebaut. So ist beispielsweise bekannt, dass am Wernlihang acht Terrassenhäuser mit insgesamt 46 Wohnungen gebaut werden sollen. An der Dürrenbergstrasse soll es zudem fünf neue Doppelhäuser geben. «Die Bautätigkeit in diesem Gebiet ist gross und das wird auch in Zukunft so sein, denn es hat noch weitere freie Parzellen an diesem Hang, die bebaut werden dürfen», sagt Gemeindepräsident Martin Bühler.

Die gesteigerte Bautätigkeit führt logischerweise zu mehr Verkehr. Bereits jetzt passieren an einem Werktag 1000 Fahrzeuge die Marenstrasse, davon 80 Lastwagen. Dies hat eine Verkehrsmessung ergeben. Wird noch mehr gebaut, steigt auch der Baustellenverkehr. Entsprechend stellt sich die Frage, wie dieser geleitet werden soll. Denn das Grundproblem dieses Gemeindeteils: Er ist ungenügend erschlossen.

Wird die Marenstrasse überstrapaziert?

Es gibt lediglich drei Strassen, die ins Gemeindegebiet oberhalb der Bahnlinie führen. Die Marenstrasse, die Froburgstrasse und die Brüelmattstrasse. Weil die Froburgstrasse und die Brüelmattstrasse die Bahnlinie mit einer schmalen Unterführung queren, sind diese für den Schwerverkehr nicht geeignet.

Kommt hinzu, dass weitere Strassenabschnitte in diesem Gebiet zu schmal oder zu steil sind und damit für die Lastwagen ebenfalls zu einem unüberwindbaren Hindernis werden. Und damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt der Diskussion und den verschiedenen Bedürfnissen. Die Anwohner der Marenstrasse befürchten, dass der gesamte Baustellenverkehr direkt vor ihrer Haustür vorbeifährt.

«Wir haben Angst, dass der Verkehr in beide Richtungen über die Marenstrasse geführt wird. Das ist ein Horrorszenario»,

sagt Anwohner Werner Saner. «Es kann nicht sein, dass wir für ein paar Investoren unsere Lebensqualität einschränken müssen.» Er fordert daher, dass die Gemeinde für eine Entlastung der Marenstrasse sorgt. Weiter soll festgehalten werden, dass auf den Baustellen nur Fahrzeuge eingesetzt werden dürfen, die maximal 3.60 m breit sind und damit auch durch die Unterführung der Froburgstrasse passen. Dadurch könnte die Marenstrasse verkehrstechnisch entlastet werden.

Und zu guter Letzt sollen die ersten Schritte für eine Erweiterung der SBB-Unterführung an der Froburgstrasse in die Wege geleitet werden. Letzteres klingt plausibel, weil es das Erschliessungsproblem nachhaltig verbessern würde. Haken dabei: Die Gemeinde Trimbach kann an dieser keine Veränderungen vornehmen, denn sie gehört der SBB.

«Wir werden bei der SBB anfragen, aber mehr können wir nicht tun»,

sagt Martin Bühler.

Freie Bauplätze nicht hergeben

Ein anderer Anwohner befürchtet, dass die Marenstrasse der grösseren Belastung durch den Baustellenverkehr stellenweise nicht standhalten wird und die Strassenränder abrutschen. Entsprechend möchte er die gesamte Marenstrasse sanieren. Ein Vorhaben, das der Gemeinderat Trimbach gerne umgesetzt hätte, aber an der letzten Gemeindeversammlung im Dezember vom Stimmvolk abgelehnt wurde.

Es gehen weitere Wortmeldungen ein. Die einen geben zu bedenken, dass die Marenstrasse auch Schulweg für die Kinder ist und diese keine Möglichkeiten haben, dem Baustellenverkehr auszuweichen. Andere monieren, der Gemeinderat solle die noch freien Parzellen nicht überbauen lassen und insbesondere das Gebiet «Paradiesli» müsse geschützt werden.

Gemeindepräsident Martin Bühler und Bauverwalter Roland Brunner waren bemüht, auf alle Voten einzugehen. Klar ist aber schon jetzt: Egal, für welchen Weg man sich entscheidet – alle Beteiligten wird man nicht zufriedenstellen können. Daran wird auch die zweite Veranstaltung am 21. Februar nichts ändern, da das Thema schlicht zu komplex ist und es zwingend Zugeständnisse auf allen Seiten brauchen wird.

Und eines darf bei der Diskussion auch nicht ganz ausser Acht gelassen werden. Die geplanten Neubauprojekte locken neue, tendenziell gute Steuerzahler nach Trimbach, was für die Gemeinde durchaus auch Vorteile hätte.

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