Olten
Der Nebel in der Region löst sich langsam auf

Olten wird oft als das grösste Nebelloch der Schweiz bezeichnet. Stimmt der schlechte Ruf noch? Nicht mehr ganz, wie Wetterbeobachter verraten. Verirrt sich der Nebel trotzdem in die Region, hier einige Tipps, um der grauen Suppe zu entfliehen.

Janine Gloor und Kelly Spielmann
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Die Nebel lichten sich über dem Erlimoos oberhalb von Olten und geben die Herbstlandschaft frei.

Die Nebel lichten sich über dem Erlimoos oberhalb von Olten und geben die Herbstlandschaft frei.

Hansruedi Aeschbacher

Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an! Erlkönig hat mir ein Leids getan!» So schreit der Sohn in Goethes Gedicht «Erlkönig». Das fiebrige Kind sieht in den Nebelschwaden etwas Böses, das ihm Leid zufügen will. So geht es auch vielen Menschen, die im Mittelland wohnen. Der Nebel liegt auf der Beliebtheitsskala etwa gleich weit oben wie der frisch gewählte US-Präsident Donald Trump.

Vor einigen Wochen hat MeteoSchweiz einen Bericht veröffentlicht, in dem es hiess, dass im Mittelland und damit in der Region Olten weniger Nebeltage verzeichnet worden sind. Diese Nachricht tönt positiv, muss jedoch mit Vorsicht betrachtet werden. Von Nebel wird gesprochen, wenn die Sichtweite weniger als einen Kilometer beträgt. In der Schweiz gibt es keine flächendeckenden Nebelmessungen.

Daten liegen nur von wenigen Messstationen vor, die nächste Station ist in Kloten. Dort wurden zwischen 1996 und 2015 während der Herbstmonate durchschnittlich 24 Tage mit Nebel verzeichnet. Zwei Dekaden zuvor, von 1971 bis 1990, waren es noch durchschnittlich 30 Tage. Eine Linderung sei durchaus zu erkennen, schreiben die Meteorologen.

Die Gründe für diesen Rückgang liegen aber im Dunkeln, beziehungsweise im Grauen. «Das kann man nicht genau sagen. Dafür müsste man den Nebel detailliert anschauen», sagt Stephan Bader, Klimatologe bei MeteoSchweiz.

Weil besonders der Bodennebel ein extrem regionales Phänomen sei, müsste jede Gemeinde mehrere Beobachtungspunkte haben. Das ist schlicht zu teuer. In Olten gibt es keinen Beobachtungspunkt, jedoch untersucht der Oltner Wetterbeobachter Karl Frey seit 90 Jahren das Klima.

In den letzten Jahrzehnten habe sich der Nebel deutlich zurückgezogen: «Vor allem Bodennebel gibt es in Olten kaum mehr. Als ich noch klein war, hat man oft keinen Meter weit gesehen. Heute gibt es fast nur noch Hochnebel», so Frey. Dies liege seiner Meinung nach daran, dass in der Region vermehrt Hochdruck herrscht.

Wie entsteht Nebel?

Die Luft kann eine begrenzte Menge an Wasserdampf enthalten. Je kälter die Luft, desto geringer ist diese Menge. Kühlt sich die Luft ab, wird das Wasser aus dem gasförmigen Zustand zu kleinen Tröpfchen. Die Tröpfchen bilden zusammen eine Wolke. Wenn diese am Boden sitzt, wird sie Nebel genannt.

Besonders Anfang Herbst können Gewässer wie die Aare in Olten förderlich für die Bildung von Nebel sein. Aus dem noch warmen Wasser kann noch viel Wasserdampf in die darüber liegende kühle Luft verdunsten. Diese Nebelschwaden sind von blossem Auge gut sichtbar.
Aufgrund seiner geografischen Lage ist das Mittelland prädestiniert für Nebel. «Nebel ist kalte, schwere Luft», so Bader.

Eingezwängt liegt diese kalte Luft zwischen Jura und den Alpen in der Badewanne des Mittellandes. So entsteht auch Hochnebel, vor allem bei Bise. Dann wird kalte Luft von Nordosten in die Badewanne geblasen, und es bildet sich eine graue, eintönige Wolkenschicht, unter der es kalt und trüb ist.

Darüber herrscht Sonnenschein. Hochnebel kann nicht nur auf die Stimmung schlagen, unter der Wolkenschicht sammeln sich auch Schadstoffe wie Russ und Feinstaub.
Dass sich der Nebel bald ganz lichtet, ist also eher nicht zu erwarten; die Nebelsuppe muss ausgelöffelt werden. Mit unseren Tipps sind die grauen Tage vielleicht etwas schneller vorbei.