Olten
Der Einheimische Kilian Ziegler stiehlt beim Poetry-Slam-Finale allen die Show

Das Poetry Slam Trilogie-Finale überzeugte durch hohes Niveau. Den Tagessieg holte sich ein Einheimischer, der Trilogie-Sieg ging nach Thun.

Alice Guldimann
Drucken
Teilen
Michael Frei aus Thun
11 Bilder
Gregor Stäheli aus Basel
Das Duo InterroBang
Lasse Samström aus Bonn
Amina Abdulkadir
Lisa Christ aus Trimbach
Stefan Abermann aus Innsbruck
Das Finale der Poetry-Slam-Trilogie "Laut & deutlich
Frank Klötgen aus Berlin
Preisverleihung für Tagessieger Kilian Ziegler aus Trimbach.
Preisverleihung für Trilogiesieger Michael Frei aus Thun.

Michael Frei aus Thun

Remo Fröhlicher

Wer sich am Freitagabend noch kurzfristig entschloss, in die Oltner Schützi zu gehen, der hatte leider Pech. Die Plätze für das Jubiläums-Trilogie-Finale der «Laut & Deutlich»-Reihe waren restlos ausverkauft. An diesem Abend sollte sich zeigen, welcher Slam-Poet oder welche Slam-Poetin aus Deutschland, Österreich und der Schweiz den Tagessieg, und wer den zehnten Trilogiesieg mit nach Hause tragen würde. Das Moderatorenteam, bestehend aus Etrit Hasler und Sam Hofacher, klärte auf, wie denn so ein Poetry-Slam überhaupt funktioniert, um dann sogleich den willkürlich aus dem Publikum ausgewählten Jurymitgliedern ihren Notenblock zu übergeben.

Nach einer Testrunde wurde per Los der erste Teilnehmer bestimmt. Michael Frei aus Thun durfte nun in höchstens sechs Minuten dem Publikum seinen Text präsentieren. Dieser handelte von Albtraumferien in Mallorca, inklusive «Frühstück mit gratis Magendarmgrippe». Die Jury belohnte mit 41 von 50 möglichen Punkten. Nach dem Feriendesaster wurde es poetischer: Gregor Stähelis Drama-König handelte von den Barrieren im Kopf, die einem einfach nicht rational denken lassen. Das einzige Slammer-Team namens
Interrobang nahm in seinem Auftritt das Schulsystem und die Mühlen der Arbeitswelt auf die Schippe und begeisterte das Publikum mit vollem Körpereinsatz und Gesangseinlagen.

Einen ersten Punkte-Höhepunkt brachte der Auftritt von Lasse Sam-
ström aus Bonn. Mit seiner Spezialität, den ganzen Text in Schüttelreimen zu schreiben und diesen auch noch souverän vorzutragen, sorgte er in seinen sechs Minuten für einiges Gelächter beim Publikum und erhielt 49 Punkte. Ebenfalls mit einer soliden Leistung überzeugen konnte die Trimbacherin Lisa Christ mit ihrem Text darüber, dass man doch nicht alles werden kann, was man will. Und es, zur Schonung seiner Mitmenschen, auch nicht soll. «Ich könnte mich zwar in ein Eichhörnchen umwandeln lassen, in diese kleinen Baumlöcher passen würde ich trotzdem nicht.»

Ziegler mit Höchstpunktzahl

Der österreichische Slam-Poet Stefan Abermann landete mit «Wie ich mir die Schweizer vorstelle» punktemässig im Mittelfeld. Sämtliche Rekorde brach schliesslich Kilian Ziegler mit der Höchstpunktzahl. Der erfahrene Slammer, der ebenfalls aus Trimbach stammt, überzeugte mit seinen Ausführungen über seine lähmende Höhenangst, eloquent vorgetragen, Publikum und Jury restlos. Der letzte Teilnehmer, Frank Klötgen aus Berlin, konnte mit seiner etwas bizarren «Symphonie des Kauens» nicht an Zieglers Leistung anknüpfen.

Nach dieser ersten Runde standen nun die drei Finalisten fest: Lasse Samström, Lisa Christ und Kilian Ziegler konnten mit einem zweiten Slam den Finalabend für sich entscheiden. Wer den lautesten Applaus erhält, gewinnt. Vor Lasse Samström mit einem weiteren Schüttelreim-Text mit dem Titel «Der innere Heineschwund» und Lisa Christ über Versicherungen wurde Lokalmatador Kilian Ziegler zum strahlenden Abendsieger gekürt.

Fast noch wichtiger als der Abendsieg war jedoch der diesjährige Trilogiesieg. Wer in allen drei Veranstaltungen am meisten Punkte gesammelt hatte, durfte den Jubiläums-Pokal mit nach Hause nehmen. Dies galt nach der vergangenen Finalrunde sowohl für Lisa Christ, als auch für Michael Frei aus Thun. Dieser überzeugte schliesslich das Publikum mit einer kulinarischen Liebeserklärung und öffnete sogleich den traditionellen Sieger-Whiskey.

Aktuelle Nachrichten