The King's Singers

Britischer Humor meets gesangliche Perfektion

Von links Bassist Knut Erik Sundquist, Gitarrist Göran Söllscher, Klarinettistin Sabine Meyer sowie das Vokalensemble The King’s Singers.

Von links Bassist Knut Erik Sundquist, Gitarrist Göran Söllscher, Klarinettistin Sabine Meyer sowie das Vokalensemble The King’s Singers.

Die renommierten The King’s Singers interpretieren in Olten deutsche Volkslieder und Wiener Musik. Dabei war auch die deutsche Klarinettistin Sabine Meyer, die ein herzliches «Happy Birthday to You» vorgesungen bekam.

Es war ein Geburtstagsfest der besonderen Art: Die The King’s Singers, wohl eines der bekanntesten Vokalensembles unserer Zeit, und mit ihnen das ganze Publikum im Oltner Konzertsaal sangen für Sabine Meyer mit viel Gefühl «Happy Birthday to You».

Die weltberühmte deutsche Klarinettistin trat gemeinsam mit dem schwedischen Gitarristen Göran Söllscher und dem norwegischen Bassisten Knut Erik Sundquist als Begleitung der sechs englischen Vokalvirtuosen auf: «Wie war das mit dem Brexit?», fragte der Bass Jonathan Howard ironisch das Publikum in einer der Ansagen, die er sich mit zwei seiner Gesangskollegen teilte.

Zu hören waren im Hauptteil des Konzertes musikalische Raritäten: Neun Ohrwürmer aus der Goldenen Zeit der Wiener Musik, aber frech und pfiffig getextet sowie völlig neu arrangiert für sechs Stimmen und ein Trio, wobei die Klarinette gelegentlich zur siebten Stimme wird. Mehr als ein Vierteljahrhundert lang sind diese Wiener Lieder von den The King’s Singers nicht mehr live aufgeführt worden.

Vor 27 Jahren hatten die damaligen «Königssänger» zusammen mit ihrer deutschen Musikkollegin Meyer 13 Musikstücke aufgenommen, bekannte und beliebte Melodien des Komponisten Johann Strauss Sohn (1825–1899) – vom Walzer «An der schönen blauen Donau» bis zu den «Rosen aus dem Süden».

Doch den singenden Studenten aus Cambridge war und ist nichts heilig: Die besondere Qualität des «Wiener Bluts» bezeugen sie als Vampire, bei der «Tritsch-Tratsch-Polka» reimt sich plötzlich Herz auf Schmerz, aus der Polka «Vergnügungszug» wird eine Fahrt ins Blaue und bei der «Neuen Pizzicato-Polka» fallen Regentropfen aufs Gemüt.

Wiener Gefühl paart sich hier mit britischem Humor, vorgetragen mit einer unglaublichen gesanglichen Perfektion und perfekter Diktion, aber auch mit viel Charme und raffiniertem Understatement. Da fehlt jede falsche Gefühligkeit und romantische Walzerseligkeit. Dafür entdeckt man plötzlich das hohe musikalische Können, das Strauss junior zu Recht zum Walzerkönig machte. Zwei kurze instrumentale Stücke von Felix Mendelssohn Bartholdy gaben den sechs Gesangsvirtuosen zwischendurch Zeit zum Durchatmen.

Cover-Versionen als Kunstwerke

Zur Einstimmung sangen die King’s Singers a capella vier Lieder aus der Renaissancezeit. Es folgten vier deutsche Volkslieder – darunter überaus berührend das «Ännchen von Tharau» und das eigenwillig und witzig arrangierte Lied vom Kuckuck.

Und mit dem Comedian-Harmonist-Klassiker vom «Kleinen, grünen Kaktus», a capella als Zugabe gesungen, bewiesen die King’s Singers, warum sie trotz mittlerweile grosser Konkurrenz wohl noch immer die besten sind: Sie singen berühmte Vorlagen nicht als billige Cover-Version nach, sondern gestalten daraus eigenständige, faszinierende kleine Kunstwerke.

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