Olten
Bei der Stadtführung gab's Geschichten, die nicht nur Frauen fesseln

Schon in den 1970ern führte ein Frauenstadtrundgang durch Olten. Dass ein solcher auch heute auf Interesse stösst, zeigte sich am Muttertag: Rund 40 zumeist ältere Frauen – und einige Männer – versammelten sich vor der Stadtkirche, um an einer einstündigen Führung mehr über die prägenden Frauen der Stadt zu erfahren.

Isabel Hempen
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Stadtführerin Rosetta Niederer wusste viel Wissenswertes über Frauen aus Olten oder mit Bezug zur Stadt zu erzählen.

Stadtführerin Rosetta Niederer wusste viel Wissenswertes über Frauen aus Olten oder mit Bezug zur Stadt zu erzählen.

Remo Fröhlicher

Die Stadtführerinnen Rosetta Niederer und Emma Anna Studer haben die Tour für Olten Tourismus konzipiert. Sie stellten «Frauen für, von und aus Olten» aus dem frühen Mittelalter bis heute vor. Hier eine Auswahl: Denn Beginn machte die in der Stadtkirche dargestellte Oltner Stadtheilige Katharina.

Sie lebte um 300 nach Christus in Alexandrien und starb als christliche Märtyrerin. 1611 brach in Olten die Pest aus und raffte laut dem Jahrzeitbuch der Kirche Ifenthal bis auf 14 Bürger die gesamte Bevölkerung Oltens dahin. Die Bürgerversammlung bat Katharina, die Schutzheilige gegen die Pest, um Fürsprache. Worauf die Seuche aufhörte.

Platz nach Maria Felchlin benannt

Von der Kirche und dem Mittelalter ging es weiter in die Kirchgasse und die Neuzeit. Im Haus, wo das Tearoom Brändli ist, betrieb die 1899 geborene Maria Felchlin ihre Praxis. Die erste praktizierende Ärztin des Kantons Solothurn engagierte sich ihr Leben lang für die Frauenbewegung.

1964 gründete sie die Dr.-Ida-Somazzi-Stiftung für Frauenförderung. Der Ida-Somazzi-Preis ging 2014 an Steff la Cheffe, 2015 wurde er an das Netzwerk Asyl Aargau vergeben. Felchlin war die erste Frau, nach der in der Stadt ein Platz benannt wurde.

Lilian Uchtenhagen, geboren 1928, wuchs in einer bürgerlichen Familie in der Hauptgasse, einen Stock über dem derzeitigen Geschäft «Jack & Jones», auf. Obschon sie weder von ihren Eltern noch ihren Lehrern in ihrem Vorhaben unterstützt wurde, absolvierte sie die Handelsmatura und studierte Staatswissenschaften und Nationalökonomie.

Mit der Einführung des Frauenstimmrechts 1971 wurde sie zuerst in den Zürcher Gemeinderat und kurz darauf in den Schweizer Nationalrat gewählt. 1983 trat sie als erste weibliche Kandidatin zur Bundesratswahl an. Sie wurde nicht gewählt. Ein Jahr später erhielt die Schweiz mit Elisabeth Kopp jedoch ihre erste Bundesrätin.

Die 1941 in Zürich geborene Cornelia Füeg zog der Liebe wegen nach Wisen. Die vierfache Mutter, Bäuerin, Juristin und Politikerin machte sich früh stark für die Gleichberechtigung von Frau und Mann. 1971 wurde sie erste Gemeindeschreiberin des Kantons, 1973 erste Kantonsrätin, 1975 erste Nationalrätin und 1987 erste FDP-Regierungsrätin der Schweiz. Mit ihrer Kandidatur für den Regierungsrat erhielt sie Morddrohungen. Sie lebt heute in Olten.

Positive Rückmeldungen

Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Rundgangs fielen sehr positiv aus. Die junge Mutter Evelyn Stocker war gekommen, weil sie Frauengeschichten interessieren. Für Doris Haas, kürzlich aus Zürich zugezogen, war das meiste neu, das Erzählte habe sie spannend gefunden. Urs Studer aus Starrkirch hatte Maria Felchlin noch persönlich gekannt. Auch er erfuhr am Rundgang viel Neues.

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