Kernkraftwerk Gösgen
Stadt Zürich will Anteile am KKW verkaufen — und greift dafür tief in die Tasche

Das Zürcher Stimmvolk hat 2016 entschieden, alle Beteiligungen an Kernkraftwerken zu verkaufen. Deshalb sucht die Stadt Zürich nun Käufer für ihre Anteile am KKW Gösgen. Ein schwieriges Unterfangen.

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Bruno Kissling

Anfang der 1970er-Jahre sicherte sich die Stadt Zürich mit dem Segen ihrer Stimmbürger eine Beteiligung am Kernkraftwerk Gösgen sowie an der Aktiengesellschaft für Kernenergiebeteiligungen Luzern (AKEB), welche Bezugsrechte für Leibstadt und zwei französische Kraftwerke besitzt.

Für 60 Millionen Franken erstanden die Zürcher 15 Prozent des damals im Bau befindlichen Kraftwerks im Niederamt. Haupteignerin ist die Alpiq mit 40 Prozent.

2016 hat das Zürcher Stimmvolk entschieden, alle Beteiligungen an Kernkraftwerken zu verkaufen und bis 2034 ganz auf Kernenergie zu verzichten. Fernziel ist die 2000-Watt-Gesellschaft.

2,2 Millionen für externe Beratung

Vergangene Woche war der Verkauf der AKW-Beteiligungen Thema im Stadtparlament, wie die «Neue Zürcher Zeitung» berichtete. Das Problem: Wie findet man einen Käufer für Anteile an einem Kernkraftwerk, deren Wert fast unmöglich zu beziffern ist?

Die neuen Besitzer würden alle mit dem Kraftwerk verbundenen Verpflichtungen und Risiken eingehen. Hinzu kommt, dass auch die anderen Gösgen-Aktionäre – Alpiq, Axpo, Centralschweizerische Kraftwerke und Energie Wasser Bern – mit dem Käufer einverstanden sein müssen.

Der Zürcher Stadtrat hatte 2,8 Millionen Franken beantragt, um Fachleute anzuheuern. Diese sollen ein Verkaufsdossier erstellen und Kontakte zu Interessenten knüpfen. Die Zürcher Elektrizitätswerke (EWZ) und der Stadtrat würden nicht über die dafür nötige Fachkompetenz verfügen. Das Gemeindeparlament bewilligte schliesslich 2,2 Millionen Franken für eine externe Beratung.

Gegner argumentierten, das sei «hinausgeworfenes» Geld, da es im gegenwärtigen Umfeld unmöglich sei, einen Käufer zu finden. Die Mehrheit fand jedoch, dass am 2016 in der Gemeindeordnung festgehaltenen Verkauf festgehalten werden müsse, was ohne Experten nicht möglich sei.

Verkauf für 1 Franken

Findet die Stadt keinen Käufer, müsste sie sich nach 2034 weiterhin an den Betriebskosten beteiligen, ohne aber den Strom nutzen zu dürfen. Gösgen (und Leibstadt) könnten aber noch durchaus länger am Netz bleiben.

EWZ-Direktor Marcel Frei sagte letztes Jahr in einem Interview mit der NZZ, dass man die Beteiligungen auch für einen symbolischen Franken verkaufen würde. (cze)

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