Niedergösgen
Sanierungsbedürftiges Pfadiheim – trotz Bewilligung will Kanton nicht bauen

Vor einem Baubeginn muss die Pfadi Gösgen die Untersuchung des Untergrunds abwarten. Der Verein hält darum Ausschau nach einer längerfristigen Übergangslösung.

Christian von Arx
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Neues Heim dringend: Die Ratten fühlen sich im Pfadiheim auf dem Niedergösger Inseli wohler als die Pfadi.

Neues Heim dringend: Die Ratten fühlen sich im Pfadiheim auf dem Niedergösger Inseli wohler als die Pfadi.

Bruno Kissling

«Nein, es geht echt nicht mehr in unserem Pfadiheim», bestätigt Raphael Morger v/o Silencio, der Stufenleiter der Piostufe der Pfadi Gösgen. «Wenn Sie nur kurz drin sind, riechen Sie nachher durchdringend danach. Die Heimwoche, während der die Leiter im Heim übernachten, mussten wir abbrechen, weil einer der Leiter Asthma-Anfälle bekam.» Und das ist nicht alles: «Im Gebäude sind Ratten, sie kommen durch die Wände. Um unser Material zu schützen, mussten wir neben dem Heim einen Container aufstellen.»

Bereit für einen Neubau

Dass das idyllisch auf dem Niedergösger Inseli, zwischen Sportplatz und Aare, gelegene Heim nicht mehr benützbar ist, steht für den Pfadiheim-Verein Niedergösgen seit längerem fest. Mit Architekten hat er ein Projekt für den Ersatz der rund 40-jährigen ehemaligen Kernkraftwerk-Baracke erarbeitet. «Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf 600'000 Franken», sagt Markus Spielmann, der im Vorstand des Vereins für die Finanzen zuständig ist. «Die Hälfte des Gebäudes wird vermietbar, für private Anlässe und für Lager», erklärt er den stolzen Betrag. «Das gibt uns dann die Mittel für den Betrieb.»

Mit der Geldsuche hat die Pfadi schon letztes Jahr begonnen, ein erster Stock besteht. Der Gretzenbacher Künstler Paul Gugelmann, begeisterter Altpfader, stellt ihr dafür zwei seiner unverkäuflichen Kunstwerke für eine Versteigerung zur Verfügung. Und: Seit September 2015 hat die Pfadi die Baubewilligung der Niedergösger Baukommission.

Alles auf gutem Weg also? Nicht ganz. Nach Erteilung der Baubewilligung kam der Stoppruf aus Solothurn, vom Amt für Umwelt (AfU). Denn das Baugelände für das Pfadiheim tangiert zwei von drei seit langem bekannten belasteten Standorten auf dem Niedergösger Inseli: Den Kugelfang eines ehemaligen Pistolenschiessstandes und zwei Geländeauffüllungen. Zuerst muss untersucht werden, ob der Untergrund saniert werden muss. Vorher kann nichts Neues gebaut werden.

Karl Stransky, Altlasten-Experte im AfU, bestätigt auf Anfrage den Sachverhalt. Er verweist auf die Altlasten-Verordnung des Bundes, die in Artikel 3 – vereinfacht – sagt: Belastete Standorte dürfen durch Bauvorhaben nur verändert werden, wenn sie nicht sanierungsbedürftig sind oder wenn ihre spätere Sanierung durch das Vorhaben nicht wesentlich erschwert wird. Ob der Standort des Pfadiheims sanierungsbedürftig ist, muss sich erst noch zeigen. Dass er aber untersuchungsbedürftig ist, ist laut Stransky seit langem bekannt und im Kataster der belasteten Standorte im Internet einsehbar.

Warten bis Mitte Oktober

Ein Auftrag für die entsprechende Altlastenvoruntersuchung ist mittlerweile erteilt, ein spezialisiertes Büro ist an der Arbeit. Das Pfadiheim selbst ist im Baurecht auf einem Grundstück der Bürgergemeinde Niedergösgen erstellt, die gesamte Verdachtsfläche gehört zu zwei Dritteln der Einwohnergemeinde, zu einem Drittel der Bürgergemeinde. In diesem Verhältnis haben sich die beiden Gemeinden auch die Kosten von 50'000 Franken für die Voruntersuchung geteilt. Ergebnisse erwartet Gemeindepräsident Kurt Henzmann für Mitte Oktober. Eine definitive Kostenverteilungsverfügung wird nach Durchführung der Voruntersuchungen der belasteten Standorte erlassen.

Im besten Fall heisst es dann für das Pfadiheim Entwarnung. Eine Verzögerung für das Ersatzbauvorhaben ist aber so oder so schon eingetreten. «In der warmen Jahreszeit ist das nicht so tragisch, dann sind wir ohnehin so viel wie möglich im Freien», sagt Stufenleiter Raphael Morger. Bei schlechtem Wetter ist es prekärer. Wichtig sei auch ein Höckraum für die Leiter, wo sie jeweils die Übungen planen können. Nur beschränkte Aushilfe bieten kann das Pfadiheim Schönenwerd, wo die Pfadi derzeit nicht mehr aktiv ist.

Pfadi so beliebt wie lange nicht

Der Pfadiheim-Verein hält darum Ausschau nach einer längerfristigen Übergangslösung. «Die Pfadi Gösgen ist zurzeit so gross wie seit Jahrzehnten nicht mehr», freut sich Raphael Morger: 66 Aktive von der Biberstufe (die Kleinsten) bis zu den Rovern (Leiter). Sie kommen nicht nur aus Niedergösgen, sondern auch aus Obergösgen, Schönenwerd und Gretzenbach.

«Alle Ideen, Tipps und konkrete Angebot für ein geeignetes Provisorium sind sehr willkommen. Bitte meldet euch!», schreibt der Pfadiheim-Verein in seiner Info. Den Traum vom neuen Heim haben die Pfadis nicht aufgegeben: «‹Es neus Heim für euse Zukunft› – wir glauben dran und machen weiter.»

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