Grien-Wöschnau

Passanten zur neuen Regelung beim Aareinseli: «Wir verlieren eine kleine Oase»

Im kantonalen Naturreservat Grien-Wöschnau wurden in den vergangenen Wochen knapp 230 Personen wegen Missachtung des Betretungsverbots verzeigt. Wir haben vor Ort einen Augenschein genommen, wie die Regelung bei den Leuten ankommt.

Wir starten unsere Tour bei der Doppelbrücke oberhalb des Kraftwerks des Energieunternehmens Eniwa. Bereits signalisiert eine erste Tafel, dass wir uns im Auengebiet Grien-Wöschnau befinden. Der Wanderweg führt entlang der Aare von Aarau Richtung Stauwehr Schönenwerd. Obwohl die Sonne an diesem Nachmittag immer wieder von Wolken verdeckt wird, sind die Temperaturen mit knapp 30 Grad sommerlich warm.

Vom Wanderweg zweigen regelmässig kleine Trampelpfade ab, die hinunter zum Aare-
ufer führen. Dorthin, wo immer wieder Feuerstellen zu finden sind. Nach ein paar Minuten folgt am rechten Wegrand die nächste Tafel. Diesmal wird auf ein «Amphibienbiotop» hingewiesen. Auf diesem Teilgebiet gilt für Mensch und Hund: Betreten verboten. Es ist das erste von zwei Gebieten, das geschlossen wurde.

228 Verzeigungen seit Mitte Mai

Diese Schliessungen gehen auf einen Regierungsratsentscheid vom 2. Juli 2019 zurück. Zudem dürfen auf dem gesamten 38 Hektaren grossen Areal des kantonalen Naturreservats Grien-Wöschnau keine Feuerstellen mehr errichtet werden, Velofahren ist verboten und Hunde müssen ganzjährig an der Leine geführt werden.

Die Einhaltung dieser Regeln wird von der Kantonspolizei Solothurn kontrolliert. Dies im Auftrag des kantonalen Amts für Raumplanung. «Die Kantonspolizei Solothurn kontrolliert das Naturreservat in unregelmässigen Abständen zu unterschiedlichen Wochentagen und Zeiten», sagt Bruno Gribi von der Kantonspolizei Solothurn auf Anfrage.

Seit Mitte Mai gab es insgesamt 228 Verzeigungen, weil das Betretungsverbot nicht eingehalten wurde, wie Gribi angibt. Diese Missachtung hat eine Anzeige bei der Staats- oder Jugendanwaltschaft Solothurn zur Folge und kann die Betroffenen entsprechend teuer zu stehen kommen. Eine Busse von 80 respektive 100 Franken wird ausgesprochen, wenn die Leinenpflicht oder das Fahrverbot nicht eingehalten wird. Dies war seit Mitte Mai 14 Mal der Fall.

Verständnis für das Betretungsverbot

Auf unserer Tour kreuzen wir eine ältere Dame aus Olten. Angesprochen auf die beiden Areale, die geschlossen sind, sagt sie: «Das habe ich nicht gewusst und auch die Tafeln habe ich nicht bemerkt. Für mich ist es aber verständlich, dass man gewisse Gebiete für die Menschen schliesst.» Der Wanderweg führt weiter durch ein Waldstück. Ruhig und idyllisch ist es hier. Nicht umsonst zählt dieser Ort zu den beliebtesten Naherholungsgebieten der Region.

Nach etwa zwanzig Gehminuten nähern wir uns dem zweiten Areal, das nicht mehr betreten werden darf. Es handelt sich um eine kleine Insel, die jedoch gut zugänglich ist. Man muss dafür lediglich einen wenige Meter breiten Seitenarm der Aare durchqueren. Diese kleine Insel war besonders beliebten zum Baden und Sünnele.

Auf dem Weg ans Ufer, wo sich mehrere Übergänge zur gesperrten Insel befinden, kommen uns zwei Frauen mit fünf Hunden entgegen. Auch bei ihnen fragen wir nach, ob sie die Beschilderung gesehen haben. «Ja, die haben wir gesehen. Für uns sind die Tafeln und die Absperrung gut sichtbar und verständlich. Obwohl wir zum ersten Mal hier sind, wären wir nicht auf die Insel gegangen», sind sich die beiden einig.

Es gibt auch Unverständnis für die Schliessung

Ein paar Meter weiter unten hat man freien Blick auf die gesperrte Insel. Auf dem kleinen Kiesstrand stehen drei Männer, die einer FKK-Gruppe angehören. Sie zählen zu den Stammgästen. Der Älteste von ihnen kommt schon seit 60 Jahren an diesen Ort. Am liebsten hielt er sich jeweils auf der kleinen Insel auf. Also dort, wo man jetzt nicht mehr hin darf. «Das war der beste Platz, um zu schwimmen», sagt er. Dass er jetzt nicht mehr dorthin darf, versteht er nicht.

«Mit diesem Verbot stiehlt man uns ein Naturerlebnis. Das ist ein absoluter Frust.» Sein Kollege ergänzt: «Es ist schade, dass wir durch dieses Verbot eine kleine Oase verlieren.» Auch wenn die drei Männer zugeben, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Leute ins Naherholungsgebiet gekommen seien und auch das Littering entsprechend zugenommen habe, hätten sie sich gewünscht, dass ihre Insel weiterhin offen bleibe.

Die Insel ist ein Hotspot

Unsere Tour neigt sich dem Ende zu. Bevor wir beim Imbisswagen bei den Sandbänken eintreffen, laufen wir an einem Kiesstrand vorbei. Hier tummeln sich rund 30 Personen. Sie geniessen die Sonne oder kühlen sich im Wasser ab. Einer von ihnen ist Herbert Müller aus Schönenwerd, der mit seinen beiden Enkelkindern unterwegs ist.

Die Diskussionen rund um die Verzeigungen und die angeblich nicht ausreichende Information bezüglich der Schliessung der beiden Teilgebiete kann er nicht nachvollziehen. «Die Tafeln sind prominent platziert und wir wurden über diese Änderung informiert», sagt er. «Natürlich ist es schade, dass die Insel nicht mehr zugänglich ist. Aber es ist halt ein Hotspot. Und wenn es zu viele Leute hat, muss man der Natur zuliebe gewisse Gebiete absperren.»

Kontrollen der Polizei zeigen Wirkung

Wir treffen schliesslich beim Imbisswagen ein und sprechen mit der Betreiberin Dima Mousa. Sie hat die Diskussionen rund um die verschärften Kontrollen und die ausgesprochenen Bussen und Verzeigungen natürlich auch mitbekommen. «Einige meiner Kunden haben sich darüber richtig geärgert», erzählt sie. Viele fänden es schade, dass die Insel nun geschlossen sei. «Sie sind teilweise seit 20 Jahren hierhergekommen. Einige kommen jetzt nicht mehr, weil die Insel gesperrt ist. Das ist natürlich schade, aber so sind nun mal die neuen Regeln und die müssen eingehalten werden.»

Die Kontrollen der Kantonspolizei Solothurn scheinen die gewünschte Wirkung zu zeigen. «Es halten sich deutlich weniger Personen auf der Insel auf als zu Beginn der Kontrollen», bestätigt Bruno Gribi.

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