Schönenwerd
Nigerianische Schüler auf Studienreise im Niederamt

Neun Jugendliche im Alter von zwölf bis 16 Jahren verliessen den gewohnten Kreis ihrer Schule in Nigerias Hauptstadt Abuja und besuchten die Sekundarschule in Schönenwerd. Dies geschah im Rahmen ihrer zehntägigen Studienreise durch Frankreich und die Schweiz.

Gabriela Strähl
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Neun Jugendliche aus Nigeria besuchten die Klasse P 2a in Schönenwerd.

Neun Jugendliche aus Nigeria besuchten die Klasse P 2a in Schönenwerd.

Bruno Kisslling

Initiiert wurde der Besuch vom aus Nigeria stammenden Abiodun Adeboye, der seit mehreren Jahren mit seiner Frau Rakiah in Gretzenbach lebt. Wieslaw Reglinski, katholischer Pastoralraumleiter und Pfarrer, übernahm die Organisation gemeinsam mit dem ehemaligen Sekundarlehrer Peter Zumstein.

«Wie zu Hause», stellte ein Jugendlicher fest, als er das nigerianische Mittagessen probierte, welches Rakiah Adeboye für den Besuch im Römersaal in Gretzenbach gekocht hatte. Es gab Fufu, ein Teigbrötchen aus Yamswurzel, und Egusi-Suppe mit Rindfleisch, Spinat und verschiedenen Gewürzen. Anfangs verhielten sich die Jugendlichen eher zurückhaltend, tauten aber allmählich auf.

Da Nigeria rund 250 verschiedene ethnische Gruppen umfasst und gut ebenso viele Sprachen, unterhielten sie sich hauptsächlich auf Englisch. Anschliessend spazierte die Gruppe durch den Ballypark nach Schönenwerd. Reglinski machte auf Verschiedenes aufmerksam, beispielsweise auf die sichtbaren Spuren der Firma Bally oder auf die nachgebauten Pfahlhäuser.

«Beeindruckend, wie viele alte Kirchen und Gebäude hier noch stehen», so Chika Nwaozuzu, Vorsitzender der Nigeria Model United Nations Society und Führer der Gruppe. Von Nigeria kennt er mehrere hundert Jahre alte Kirchen nicht.

Internationales Denken fördern

Ihm liegt der Austausch der Kulturen für die künftige Elite des Landes sehr am Herzen. «Es ist wichtig, dass die Jugendlichen andere Länder besuchen. Die Kolonialisierung hat in Afrika tiefe Spuren hinterlassen. In der aktuellen Entwicklung unseres Landes ist es wichtig, uns nicht auf das eigene Land zu fokussieren, sondern auch die globalen Zusammenhänge zu sehen.»

Auch zwischendurch einen Kulturschock zu erleben, sei wichtig. Er selbst besuchte bereits viele Länder Europas. Mittlerweile gehören in den führenden Schulen Nigerias Studienreisen zur Ausbildung dazu. «Die Schüler werden auf anspruchsvolle und führende Positionen vorbereitet, beispielsweise in den Bereichen Politik, Diplomatie oder Naturwissenschaften», so Nwaozuzu.

Eine Jugendliche, im letzten Jahr an der High School in Nigerias Hauptstadt Abuja, nennt als ihren Berufswunsch Journalistin. Ein jüngerer Schüler spricht einige Brocken Italienisch. Für eine weitere Jugendliche war die Reise nicht der erste Besuch in Europa. Sie sah bereits diverse Städte, darunter Paris und London, «aber ich bin zum ersten Mal in der Schweiz.»

Auf den ersten Blick unterschied sich der ausländische Besuch nicht stark von den Jugendlichen in der Schweiz. Ohne weitere Aufforderung räumten sie ihre Teller nach dem Mittagessen weg und wurden etwas ungeduldig, als sie in Schönenwerds Dorfzentrum statt der Sekundarschule eine weitere zu erklimmende Treppe antrafen.

Die Handtaschen und der Schmuck der zwei begleitenden Lehrerinnen und der Schülerinnen und die modischen Turnschuhe der Jungs erzählten andere Geschichten als die von Nigeria bekannten Schlagzeilen über Boko Haram und Flüchtlinge.

In der Schule angekommen, sassen sie als stille Zuschauer in einer Französischlektion, da der ursprünglich geplante Besuch einer Englischlektion ins Wasser fiel. Die Distanz zwischen den Jugendlichen blieb während der Lektion gross. Nussgipfel und Mineralwasser in der Pause reichten ebenso wenig, um die Besucher und die Schüler der Klasse P 2a zum Austausch anzuregen.

Anschliessend führte Peter Zumstein die Besucher durch das Gugelmann-Museum in Schönenwerd. Auch der Künstler selbst war anwesend. Am Sonntag reist die Gruppe zurück nach Nigeria.

Brücke zur UNO

Die Nigeria Model United Society ist eine 2004 gegründete Nichtregierungsorganisation mit dem Ziel, nigerianischen Jugendlichen einen Zugang zu den Vereinten Nationen zu bieten. Dafür veranstaltet sie verschiedene Konferenzen, die sich nach den Strukturen der UNO richten und die Jugendlichen zur Diskussion anregen sollen. Das Angebot richtet sich an die zukünftige Führungsgeneration, die in den besten Schulen Nigerias ausgebildet wird.

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