Niedergösgen
Nach 28 Jahren legt er den Bohrer beiseite: Der Schulzahnarzt zieht sich zurück und kündigt sein Amt

Der Schulzahnarzt in Niedergösgen hat einen Nachfolger für seine Praxis gefunden. Unklar ist, ob dieser auch die Schulklassen übernimmt.

Noël Binetti
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Der Zahnarzt Daniel Haefeli und seine langjährige Sekretärin Madeleine Schmid behandelten viele Schulkinder.

Der Zahnarzt Daniel Haefeli und seine langjährige Sekretärin Madeleine Schmid behandelten viele Schulkinder.

Bruno Kissling

Daniel Haefeli dürfte über elftausendmal in Kindermünder geblickt, Zahnstellungen kon­trolliert und für die allermeisten davon eine Erstbegegnung mit einem Zahnarzt dargestellt haben. «Pro Jahr besuchten etwa vierhundert Kinder aus Kindergarten und Schule unsere Praxis», erinnert er sich.

Ausnehmend lustige oder nach landläufigem Klischee traumatisierende Anekdoten hat Haefeli keine auf Lager. Gefragt nach prägenden Erlebnissen mit den Kindern während dieser langen Zeit, verweist er auf die Besuche selbst: «Das ist jedes Mal ein spezielles Erlebnis und eine willkommene Abwechslung, wenn eine ganze Horde Kinder hier in die Praxis stürmt. Für uns, aber auch für die Kinder.»

1993 eröffnete Haefeli seine Praxis in einem neu gebauten Mehrfamilienhaus an der Schmiedenstrasse in Niedergösgen. Seit da praktiziert er an dieser Adresse, gemeinsam mit Madleine Schmid. Sie übernahm in all den Jahren die Koordination der Termine und administrativen Aufgaben. «Wenn hier ganze Schulklassen mit Sack und Pack eintreffen, bleibt das auch von der Nachbarschaft nicht unbemerkt.»

Nur Kontrolle und keine Spritzen

Die geltenden Bestimmungen zur Schulzahnpflege sind im Gesetz dazu aus dem Jahr 1944 festgehalten. Zweck der Untersuchungen ist es, Zahnschäden und ihre Folgen durch vorbeugende Massnahmen zu bekämpfen. Doch Eingriffe oder grössere Behandlungen nimmt Haefeli bei den Kindern nicht selbst vor: «Wenn tatsächlich etwas nicht in Ordnung ist, überweise ich diesen Fall nach Suhr (AG), zum Kinderzahnarzt.» Dort werden die kleinen Patienten unter dem Einfluss von Lachgas behandelt.

«Spritzen und die damit einhergehenden Erfahrungen sind in diesem Alter nicht zielführend», sagt Haefeli. Es gehe eher darum, einen ersten Kontakt herzustellen. Dieser solle in guter Erinnerung bleiben. «Hier lernen sie die typischen Gerüche und Geräusche einer Zahnarztpraxis kennen.» Angst vor ihm hätten die Kinder eigentlich nie, sagt Haefeli. «Sie kommen ja mit ihren Gspändli und ihrer Lehrkraft, das hilft sicher.»

Organisiert werden die jährlichen Kontrollen während Kindergarten und Schulzeit durch die Schulleitung. Die Lehrkräfte bereiten die Kinder dabei auf den Besuch vor. Der Gemeinderat legt die Schulzahnpflegeverordnung, gestützt auf das Gesundheitsgesetz, fest. Darin sind Kostenverteilung, Pflichten und Umfang der prophylaktischen Massnahmen geregelt. Weiter ist dem Dokument zu entnehmen: «Die vorbeugende Zahnpflege ist primär Aufgabe der Eltern», so der Zahn-Fachmann.

Die Praxis an der Schmiedenstrasse bleibt weiter bestehen. Die Räumlichkeiten werden baulich etwas angepasst. Danach übernimmt voraussichtlich ab April 2021 Haefelis Nachfolger. «Ich bin jetzt 60 Jahre alt und will mich etwas zurückziehen», sagt Haefeli. Er werde in kleinerem Pensum weiterarbeiten, «aber dann als Angestellter in meiner einstigen Praxis». Darum hat er beim Gemeinderat von Niedergösgen die Kündigung vom Amt als Schulzahnarzt eingereicht.

Antonietta Liloia von der Einwohnergemeinde bestätigt auf Anfrage: «Wir haben Dr. Haefelis Kündigung erhalten.» Noch liege vonseiten der Gemeinde aber keine Anschlusslösung vor. Klar sei, dass der Gemeinderat nach Möglichkeit mit einer Nachfolge aus dem Dorf ins Gespräch treten möchte. Gut möglich also, dass weiterhin viele Kinder an der Schmiedenstrasse ihre erste präventive Begegnung mit einem Zahnarzt haben.