Schönenwerd
Kein Künstler, aber jemand der Kunst macht: 22-Jähriger Obergösger stellt seine Werke im alten Gassler Haus aus

Ein junger Obergösger widmet sich seit rund einem Jahr freiberuflich der Malerei und stellt einige seiner Werke jetzt in Schönenwerd aus.

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Kein Künstler, aber jemand der Kunst macht
4 Bilder
Die Werke von Tim Glanzmann erinnern an Grössen aus der Zeit des Expressionismus.
Die Werke von Tim Glanzmann erinnern an Grössen aus der Zeit des Expressionismus.
Die Werke von Tim Glanzmann erinnern an Grössen aus der Zeit des Expressionismus.

Kein Künstler, aber jemand der Kunst macht

Bruno Kissling

Tim Glanzmann stellt momentan im alten Gassler Haus in Schönenwerd, gegenüber dem Restaurant zum wilden Mann, aus. Dies ist schon seine zweite Ausstellung in diesen Räumen. Im Sommer des vergangenen Jahres durfte er seine Bilder schon einmal dort präsentieren.

Seither habe sich aber viel verändert, schildert der Kunstschaffende. Er sei feinfühliger und ruhiger geworden. Das erkenne man auch in seiner Arbeit. Ausserdem habe er gelernt, sich auf das zu konzentrieren, was er liebe – die Kunst als Prozess –, anstatt erschaffen zu wollen, was potenziellen Kundinnen und Kunden am besten gefallen könnte.

Sich von der Liebe leiten lassen

Glanzmann arbeitet seit rund einem Jahr als freischaffender Künstler. Obwohl er sich als Künstler eigentlich gar nicht bezeichnen würde, meint er. Er mache schliesslich noch andere Dinge ausser Kunst. Er agiert zum Beispiel auch als Coach, speziell für Teenager und junge Erwachsene, und möchte ihnen dabei helfen ihre Lebensaufgabe zu finden.

Den eigenen Sinn des Lebens hat der 22-jährige in der Kunst bereits entdeckt. Sie erfülle ihn und sei etwas, wofür er unerschöpfliche Energie habe. «Ich muss nicht denken während des Malens. Ich höre dabei einfach auf mein Bauchgefühl», erzählt der Obergösger strahlend. Er lasse sich bei allem, was er kreiert, von der Liebe leiten. Dieses Lebensmotto hat er dank seiner Grossmutter in sich verinnerlicht. Sie hat ihn damit zum Malen ermutigt und inspiriert. In seinen Bildern erkenne er in den meisten Fällen erst später, welche Geschichte er unterbewusst darin verarbeitet oder erzählt hat.

Geschichten die Menschen berühren

In Glanzmanns expressionistischen Werken stösst man immer wieder auf verschiedene Bildzeichen. Ein Beispiel ist das «Lebenspferd». Er bezeichnet es als Symbol der Kraft, die jede Person auf ihrem Weg führt und begleitet. Ein anderes eine Spirale, die den inneren Antrieb darstellt. Und ein weiterer wichtiger Aspekt, der in seinen Bildern oft Platz findet, ist das bildlich dargestellte Bauchgefühl. Im übertragenen Sinne und unterschiedlicher Ausführung seien diese Dinge alle Wegweiser dafür, das Leben danach auszurichten, was man gerne tut, und mit innerer Ruhe und emotionaler Distanz Entscheidungen zu treffen.

Diese Botschaft abzubilden, reicht Glanzmann aber nicht, er möchte sie seinem Publikum auch wirklich vermitteln. «Ich male Geschichten, die das Bewusstsein verändern», sagt er überzeugt. Er verkaufe die Werke deswegen nur an Menschen, in denen sie auch wirklich etwas bewegen. «Meine Bilder sind mir zu wertvoll, um sie Menschen zu geben, die sie gar nicht brauchen.» Bei der Auswahl seiner Kundschaft verlässt er sich vollständig – den Inhalten seiner Bilder getreu – auf sein Bauchgefühl. Wenn sich die richtige Person für eine Malerei interessiert, spüre er das. Man sehe ihnen am Glänzen in den Augen an, wenn ein Bild zu ihnen spricht.

Obwohl er seine Kundschaft demnach selektiv auswählt, habe er kein Problem, von seiner Kunst zu leben. «Wer vom Ausüben seiner Leidenschaft nicht leben kann, ist selbst schuld», sagt er und fügt erklärend hinzu: «Wenn man Angst davor hat, finanziell nicht über die Runden zu kommen, dann tritt dies meistens auch ein.» Er appelliert deswegen an sein Publikum, fest an sich und die eigenen Fähigkeiten zu glauben, und möchte daran erinnern: «Man ist immer der Chef über die eigenen Gedanken.»

Auf die Frage, welche Zukunftspläne er für sich und seine Kunst verfolgt, kann er keine Antwort geben. «Ich lebe im Moment. Wenn ich wissen würde, was die Zukunft bringt, wäre das Leben ziemlich langweilig.» Er geniesse jeden Moment und entdecke dabei fortlaufend, was das Schicksal für ihn bereithält. Dass er in zehn Jahren noch Kunst macht, hält er für wahrscheinlich.