Lostorf
Jeannette Lerch: Ihre Tierbilder offenbaren symbolischem Tiefgang

Die Ausstellung «Sinn-Bilder» von Jeannette Lerch im Dorfmuseum verlangt einen zweiten, oft einen dritten Blick. Die Tierbilder offenbaren beim genauen Hinsehen eine tiefere Botschaft.

Raphaela Glättli-Gysi
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Jeannette Lerch zeigt Tierbilder voller Symbolik.

Jeannette Lerch zeigt Tierbilder voller Symbolik.

Wenn die Besucher das Dorfmuseum Lostorf betreten, sehen sie gleichzeitig einen Reineke Fuchs in die Ausstellung ziehen. Ein Fuchs im Profil, 80 mal 100 cm gross. Vor ihm tanzen Hühnerfedern. Ob das listige Tier das Huhn wohl erwischt hat? Ein Kontrollblick korrigiert den ersten Verdacht: Nein, die Schnauze ist nicht blutig.

So erging es wohl einigen der zahlreichen Vernissagebesucher. Die Kulturjournalistin Madeleine Schüpfer fand in ihrer Laudatio treffende Worte: «Vordergründig sehen wir riesige naturgetreue Tiere. Beim zweiten Blick sehen wir etwas Unübliches, etwas Unvermutetes.» So äugt das Okapi, welches in den Steppenwäldern Zentralafrikas heimisch ist, dem Betrachter auf dem zwei Meter hohen Bild aus einem nordischen Birkenwald entgegen. Es scheint in der fremden Umgebung völlig verloren, gefangen zwischen den dünnen, kahlen Birkenstämmen.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung im Dorfmuseum Lostorf, Hauptstrasse 49, dauert noch bis zum 2. Juli. Das Museum ist jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Die Künstlerin ist anwesend am 14. und 28. Mai, 11. und 25. Juni sowie 2. Juli.

Bei diesem Bild bedarf es noch eines dritten, genaueren Blicks. Man entdeckt den roten Dompfaff, welcher Ungebundenheit symbolisiert. Und die Schmetterlinge, die eigentlich fliegende Bücher sind, sowie die offenen Bücher auf einem Schemel liegend, beschwert durch eine Muschel. Das Bild heisst «Liberté de l’esprit». «Das Gefühl der Verlorenheit ist manch einem bekannt, aber den Menschen ist die Freiheit des Geistes geschenkt, wir haben die Möglichkeit, mithilfe von Büchern in grenzenlose Weiten zu fliehen», lautet Jeannette Lerchs Bildbeschrieb. Surreale Elemente hochaufgeladen mit Symbolik, wie es Madeleine Schüpfer nannte.

«Die Bilder haben etwas Geheimnisvolles, aber auch etwas Wehmütiges an sich, aber auch Hoffnung kann man sehen», ergänzte die Kulturjournalistin. «Die Tiere scheinen zu sagen: ‹Trag Sorge zu mir und der Welt.› Aber dann fühlt man sich eben immer auch aufgehoben in den Bildern, die Hoffnung ist in den kleinen Symbolen verborgen», so Schüpfer.

Die Künstlerin und ihr Ehemann René Lerch haben alle Vorlagen für die Bilder selbst fotografiert. Entweder in heimischen Wäldern, Tierpärken oder in Nordafrika.

Dialog der Farben

Die äusserst intensiven Tierausdrücke und die reinen Farben lassen es nicht zu, die Bilder bloss nebenbei zu betrachten. Ein Eintauchen und sich auf die Suche nach einem tieferen Sinn machen ist bei den Bildern ein Muss. Jeannette Lerchs Bilder machen betroffen, hinterlassen aber beim Betrachter kein ungutes Gefühl. Im Gegenteil. Eine feine Ironie ist in vielen der in Acryl gemalten Bilder ersichtlich. Etwa das Bild mit dem Titel «Der Verdacht». Man sieht einen Vogel, mit einem roten Fleck auf der Brust. Versteckt sitzt eine Katze am Bildrand. Alles klar, die Katze hat den Vogel verletzt. Oder etwa doch nicht? Nein, es handelt sich um das übergrosse Abbild der Dolchstichtaube, welche als faszinierende Laune der Natur tatsächlich einen roten Fleck im Gefieder trägt.

Der einen oder andern Betrachterin entlockt das Bild ein erleichtertes Schmunzeln. Jeannette Lerchs Ziel ist es, durch das Bild mit dem Betrachter in einen lebhaften Dialog zu treten. Wie Jean de la Fontaine seine Fabeln schrieb, so erzählt die Lostorfer Künstlerin in ihren Bildern Geschichten. Viele dieser Geschichten sind Erinnerungen und Eindrücke aus Nordafrika, wo die Künstlerin seit mehr als zwanzig Jahren auch lebt.

Edi Geiser begleitete die Vernissage mit feinen, an ein Windspiel aus Glas erinnernden Klängen auf seinem «Hang». Das Instrument wurde im Jahr 2000 in Bern erfunden und besteht aus zwei verleimten Halbkugelsegmenten aus Stahlblech. «Hang» heisst es darum, weil es mit der Hand, berndeutsch eben «Hang», gespielt wird. Anschliessend ergaben sich beim Apéro interessante Diskussionen rund um die Ausstellung.

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