Auf seinen Fotos trägt Gianluca Venditti auch mal Blattgemüse auf dem Kopf oder Salamischeiben um den Hals. Aber nicht nur der eigene Körper – verfremdet durch grelle Farben oder skurrile Accessoires – dient ihm als Sujet. Die Ideen für seine Motive entstehen meist spontan. «Es kommt einfach», sagt der Schönenwerder, der sich selber als Dadaist bezeichnet. Vieles entstehe in der Küche, wo der fünffache Familienvater viel Zeit verbringt.

Manche seiner Bilder sind durchaus als Statement zu verstehen. Sie stellen unsere Lebensgewohnheiten infrage, unseren Umgang mit Lebensmitteln oder unser Konsumverhalten. «Wir gehen shoppen, andere sind auf der Flucht», sagt Venditti. Als Secondo beschäftigt ihn diese Diskrepanz. «Ich will mit meinen Bildern aber nicht moralisieren oder belehren», so der autodidaktische Fotokünstler.

Fotografie betrachtet er nicht zuletzt als eine Form der Selbsterfahrung. Die Arbeit mit der Kamera, den verschiedenen Materialien oder dem eigenen Körper sind für ihn ein ständiges Experimentieren. Was dabei herauskommt, ist oft vom Zufall bestimmt. Es geht darum, Neuland zu betreten. Andere kopieren will Venditti nicht. «Gut möglich, dass ein Fotograf in Australien oder sonst wo eine ähnliche Idee hat. Aber das ist einfach meine Art, mich künstlerisch auszudrücken.»

Kamera statt Pinsel

Der Fotografie hat er sich denn auch aus einem künstlerischen Drang heraus gewidmet. Und aus Zeitmangel: «Eigentlich würde ich ja gerne malen. Aber dafür fehlt mir die Zeit», sagt der 43-Jährige. Die Arbeit mit der Kamera komme der Malerei am nächsten. Allerdings brauche auch das schnelle Medium der Fotografie manchmal Ausdauer. «Für ein gutes Bild muss man sich vorbereiten. Das ist nicht immer einfach.» Gut ist ein Foto in seinen Augen dann, wenn es den Betrachter berührt, ihm etwas Neues zeigt und Emotionen weckt. Dabei ist der Fotograf selbst sein strengster Kritiker. Rückblickend ist er mit dem Resultat seiner Aufnahmen nur selten wirklich hundertprozentig zufrieden. «Von allen Bildern auf meinem Blog gibt es vielleicht zehn, die ich wirklich gut finde. Meistens denke ich: ‹Das hättest du noch besser machen können›.»

Im Zweifelsfall fragt er auch seine Kinder, was sie von einer Aufnahme halten. Die sind mittlerweile nicht mehr überrascht, wenn sich ihr Papa wieder einmal das Gesicht bemalt hat. «Kinder sind gnadenlos und immer sehr direkt», sagt der 43-Jährige und lacht. Auch die Schüler seiner Klasse konfrontiert der hauptberufliche Primarschullehrer gerne mit der Kunst und geht mit ihnen deshalb auch gerne ins Kunsthaus nach Aarau.

Auf seinem Fotoblog postet Gianluca Venditti seit acht Jahren Bilder. Und das fast im Akkord. Zu Beginn täglich, mittlerweile zwei bis drei Mal pro Woche. Der Blog ist für ihn eine ideale Plattform. Früher hatte Venditti seine eigene, statische Seite im Netz. «Das geht schnell vergessen. Ein Blog mit immer neuen Bildern passt besser zum Rhythmus unserer Gesellschaft.»

Zusage kam überraschend

Mit einer Selektion seiner Bilder hat er sich im November für eine Teilnahme an der Photo 18 in Zürich beworben, der bedeutendsten Werkschau für Fotografie in der Schweiz. «Ich habe mir ehrlich gesagt keine grossen Hoffnungen gemacht.» Kurz vor Weihnachten flatterte die Zusage ins Haus. «Dass ich aufgenommen wurde, hat mich sehr erstaunt», sagt er zu Recht ein bisschen stolz, dass ausgerechnet er als Freizeit-Fotokünstler zum Handkuss kam. Als einer von rund 200 nationalen und internationalen Fotografen darf er seine Bilder im Januar erstmals einem grossen Publikum zeigen.

Die Freude erhalten

Es ist zwar nicht die erste Ausstellung, an der Venditti teilnimmt, aber mit Abstand die grösste. Im vergangenen Jahr zählte die Werkschau 27'000 Besucher. Und wenn es nach ihm geht, wird es auch nicht seine letzte Ausstellung sein. «Ab und zu kann ich ein Bild verkaufen. Das ist natürlich schön.» Trotz der wachsenden Aufmerksamkeit will der 43-Jährige die Fotografie aber auch weiterhin nebenberuflich verfolgen und sich die nötige Zeit für die eigene Entwicklung und Verbesserung seiner Fotografien nehmen. «Nur so kann ich ohne Druck arbeiten und die Freude am Fotografieren erhalten. Das ist mir viel wichtiger.»