In der Luft liegt ein süsslicher Duft von Biscuits aus der nahen Wernli-Fabrik. Bunte Schmetterlinge zieren Garten und Eingang zu einem Mehrfamilienhaus an einer ruhigen Seitenstrasse in Trimbach. Nur das amtliche Siegel und ein Vermerk der Polizei deuten auf die Tragödie hin, die sich hinter der Tür abgespielt haben soll. Am Mittwoch wurden in dem Haus zwei Personen tot aufgefunden. Es ist davon auszugehen, dass es sich um U. und C. W.* handelt, die beiden Bewohner des Hauses. Erste Erkenntnisse deuten auf ein Beziehungsdelikt hin, wie die Kantonspolizei Solothurn am Donnerstag mitteilte. Es seien keine weiteren Personen beteiligt gewesen.

Das Ehepaar W. lebte eher zurückgezogen, heisst es in der Nachbarschaft. Im Quartier kannten viele das Paar nur flüchtig. Erst als am Mittwoch die Rettungskräfte vorfuhren, bemerkten die Nachbarn, dass etwas nicht stimmt. Eine Anwohnerin wunderte sich noch, warum fast den ganzen Tag Polizeiautos im Quartier standen: «Die Polizei kam gegen 14 Uhr und blieb bis spät am Abend.» Stefanie Luginbühl, die zufällig im Quartier bei Verwandten zu Besuch war, verfolgte den Einsatz: «Feuerwehr, Ambulanz und mehrere Polizeiautos waren vor dem Haus. Alles war abgesperrt.» Auch sie kannte die Verstorbenen nur vom Sehen her. Als sie hörte, dass es sich wohl um ein Beziehungsdrama handelt, reagierte sie schockiert. «So etwas dürfte gar nicht passieren», sagt sie.

Identifikation nicht abgeschlossen

Neben Polizei und Staatsanwaltschaft standen in Trimbach auch Spezialisten für Spurensicherung und Rechtsmediziner im Einsatz. «Unsere Ermittlungen konzentrieren sich auf Identifikation, Todesursache und Motiv», erklärt Bruno Gribi, Mediensprecher der Kantonspolizei Solothurn. Die formelle Identifikation der Opfer steht noch aus. Auch ein Care-Team war aufgeboten worden, «zur Betreuung von Angehörigen», wie Gribi sagt. Die 54-jährige C. W. war Mutter einer Tochter und arbeitete in einem Pflegeheim im Ort, wie Recherchen von Tele M1 ergeben haben. Ob es die Tochter war, die im Haus die Leichen entdeckte und die Rettungskräfte alarmierte, ist ebenfalls noch unklar. Das Ehepaar war seit 18 Jahren verheiratet und lebte gemeinsam mit der Tochter im Haus, in dem sich die Tragödie abspielte, wie «20 Minuten» berichtet. Die Opfer wurden laut Polizei in ein rechtsmedizinisches Institut überführt. Dort hofft man, Genaueres über die Tatumstände in Erfahrung bringen zu können. Die Solothurner Staatsanwaltschaft leitet die Ermittlungen.

Was hat sich hinter diesen Türen abgespielt?

Was hat sich hinter diesen Türen abgespielt?

Tragischer Fund im solothurnischen Trimbach: Die Polizei fand gestern zwei Leichen in einem Wohnhaus. Vermutet wird ein Beziehungsdelikt.

Wieder Trimbach

Trimbachs Gemeindepräsident Karl Tanner reagiert betroffen auf die Meldung über ein Beziehungsdelikt mit zwei Todesopfern. Das Paar sei in der Gemeinde in keiner Weise aufgefallen, sagt Tanner auf Anfrage. Den Angehörigen sprach er sein Beileid aus. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Beziehungsdrama mit tödlichem Ausgang in Trimbach für Schlagzeilen sorgt. 2013 tötete ein Eritreer die Mutter seiner beiden Söhne mit 20 Messerstichen vor den Augen der Kinder. «Es ist sehr bedauerlich, dass Trimbach erneut auf diese Weise in den Fokus rückt», sagt der Gemeindepräsident. Der aktuelle Fall sei allerdings ganz anders gelagert, meint Tanner. Was im Haus mit den Schmetterlingen an der Tür genau vorgefallen ist, werden die Ermittlungen zeigen.

*Namen der Redaktion bekannt