Erinnerungsort
Ein Denker war hier zu Gast: neues Denkmal für Nietzsche auf der Froburg

Für den Philosophen wurde ein neuer Erinnerungsort geschaffen – Anstoss war ein Artikel in dieser Zeitung.

Lorenz Degen
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«Hier in Olten weiss fast niemand, dass Friedrich Nietzsche auf der Froburg mehrere Male Ferien verbrachte», sagt Peter Bont, Präsident der Stiftung Elisabeth von Arx, die in Olten ansässig ist. «Das ist sehr schade.»

Ein Bericht im Oltner Tagblatt vom 25. November 2019 (vgl. unten), in dem Nietzsche-Kenner Peter André Bloch über dessen Sommerfrische in den Jahren 1872 bis 1878 sprach, brachte einen Stein ins Rollen: «Unser Stiftungsrat fand, es sollte auf der Froburg an diesen grossen Philosophen erinnert werden.»

Der Walliser Künstler Beat Martig (l.) und Peter André Bloch bei der zu Ehren Nietzsches auf der Froburg ob Wisen neu errichteten Skulptur.

Der Walliser Künstler Beat Martig (l.) und Peter André Bloch bei der zu Ehren Nietzsches auf der Froburg ob Wisen neu errichteten Skulptur.

zvg

Bei der Bürgergemeinde Olten, der das heutige Restaurant Froburg gehört, stiess das Anliegen auf offene Ohren und auch Peter André Bloch sagte sogleich seine Unterstützung zu. Ein Platz für einen Betonsockel wurde ausgewählt und der Walliser Künstler Beat Martig mit der Schaffung einer Skulptur beauftragt. Auf Empfehlung von Peter André Bloch setzt sich die über drei Meter hohe Stele mit dem Nietzsche-Gedicht «Die Sonne sinkt» auseinander, das Martig in Eisen und Bronze gestaltete. Was das Kunstwerk gekostet hat, möchte Bont nicht sagen.

Friedrich Nietzsche auf der Froburg

Während seiner Zeit als Professor für Philologie in Basel weilte Friedrich Nietzsche (1844-1900) vermutlich zwei Mal auf der Froburg, in den Sommermonaten der Jahre 1874 und 1878, teilweise in Begleitung seiner Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche (1846-1935), die nach Nietzsches Tod viel zu dessen Bekanntheit, aber auch zu seinem Missverständnis beigetragen hat.

Die Froburg war damals ein weitum bekanntes Kurhaus für Erholungssuchende aus dem Raum Basel, Süddeutschland und dem Elsass. Es herrschte ein reger Betrieb: Nietzsche berichtet von etwa 90 Gästen im Speisesaal, die mit ihm das Mittagessen einnahmen. Den zweiten Besuch 1878 datiert Peter André Bloch in die biografisch entscheidende Phase des Übergangs, wo sich Nietzsche von der universitären Lehrtätigkeit löste und zum freien Philosophen wurde. (deg)

Martigs Werk in voller Grösse: links der Künstler, rechts Peter André Bloch. Beat Martig hat sich bei seiner Arbeit mit Nietzsches Gedicht «Die Sonne sinkt» auseinandergesetzt. Die offizielle Einweihung soll nachgeholt werden, wenn das Restaurant wieder offen ist.

Martigs Werk in voller Grösse: links der Künstler, rechts Peter André Bloch. Beat Martig hat sich bei seiner Arbeit mit Nietzsches Gedicht «Die Sonne sinkt» auseinandergesetzt. Die offizielle Einweihung soll nachgeholt werden, wenn das Restaurant wieder offen ist.

zvg

Peter André Bloch, auch Stiftungsrat des Nietzsche-Hauses in Sils-Maria, ist sehr zufrieden mit dem Denkmal: «Es ist eine grosse Freude, dass wir nun ob Olten einen Erinnerungsort für Nietzsche schaffen konnten.» Sehr gelungen findet der Nietzsche-Experte die Umsetzung des Gedichtes: «Man erkennt gut die zirkulierenden Sternbilder in Form der Bronzekugeln, dazu die Schlange, die für Nietzsche immer sehr wichtig war.» Bloch will später noch eine Tafel mit einem Stich Nietzsches und den Textzitaten an der Fassade des Restaurants Froburg anbringen. «Doch solange das Lokal geschlossen ist, hat das keinen Sinn.»

Die Frohburg soll nach einer Renovation im Jahre 2023 wieder eröffnet werden. Dann werde auch die Einweihung der Skulptur nachgeholt, die nun ohne grosses Publikum aufgestellt wurde: «Wir werden sicher dieses Kunstwerk feiern, wenn wieder auf der Froburg gewirtet wird», ist Bont optimistisch. Vielleicht wie zu Nietzsches Zeiten mit einer langen table d’hôte.

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