Erlinsbach SO

Eine Gemeinde, zwei Zonenpläne: Wo gebaut wird, verlief früher die Dorfgrenze

Die Ausmasse der geplanten Überbauung sind bereits abgesteckt. Links das alte Bauernhaus an der Hauptstrasse.

Im «Mülifeld» in Erlinsbach sind zwei Mehrfamilienhäuser geplant. Weil durch die betroffenen Parzellen die ehemalige Gemeindegrenze führt, musste ein Gestaltungsplan erstellt werden.

Erlinsbach wächst. In keiner anderen Gemeinde zwischen Olten und Aarau ist die Zahl der Einwohner im letzten Jahr so stark angestiegen wie im Erzbachtal. Das spiegelt sich auch in der regen Bautätigkeit wieder. Doch weil der Platz für Wohnraum rar ist und nicht einfach auf die grüne Wiese hinaus gebaut werden darf, sollen die bestehenden Zonen in Zentrumsnähe genutzt werden. Mögliche Verdichtungsgebiete bestehen im Gebiet Mühlefeld, Maier-Areal, Platten, Langmatt/Weiher, Steinenbach und Oberred. Das geht auch aus dem räumlichen Leitbild hervor, welches gegenwärtig erstellt wird.

Für das Mühlefeld liegt derzeit ein Gestaltungsplan auf. Dieser umfasst zwei Parzellen südlich des Hohrains – zwischen Alterszentrum und Hauptstrasse. Nordöstlich wird das Gebiet vom Bauernhaus an der Hauptstrasse abgegrenzt, bei dem es sich um ein schützenswertes Kulturobjekt handelt.

Der Gestaltungsplan «Mülifeld» umfasst das Gebiet zwischen Alterszentrum und Hauptstrasse.

Der Gestaltungsplan «Mülifeld» umfasst das Gebiet zwischen Alterszentrum und Hauptstrasse.

Vorgesehen sind zwei Mehrfamilienhäuser: ein längliches, dreigeschossiges Gebäude parallel zum Alterszentrum sowie ein kürzeres zweigeschossiges. Aktuell zählen diese 15 Wohneinheiten unterschiedlicher Grösse. Allerdings wird diese Zahl erst mit dem Baugesuch verbindlich.

Rollstuhlgängig und zentral

Bei beiden Gebäuden wird auf Attikageschosse verzichtet. Einstellhalle und Parkplätze werden vom Hohrain her erschlossen. Die Fussgängerverbindung zwischen den Gebäuden und dem nahegelegenen öV ist verkehrsfrei. «Alle Wohnungen sind rollstuhlgängig», erklärt Architekt Rolf Thut vom Aarauer Architekturbüro Rotubau auf Anfrage. Mit der Nähe zum Alterszentrum habe diese nur bedingt zu tun. «Man baut heute so, wenn die Möglichkeit dazu besteht», sagt Thut.

Er kann sich aber durchaus eine spätere Kooperation mit dem benachbarten AZ Mühlefeld vorstellen. Die zentrale Lage mit öV und Einkaufsmöglichkeiten in Fussdistanz mache die Wohnungen sowohl für ältere Semester wie auch für Familien und kleinere Haushalte attraktiv. Ob die Überbauung Eigentums- oder Mietwohnungen beinhaltet, ist noch nicht entschieden.

Mit Alterszentrum und Bauernhaus werde das Umfeld durch grossvolumige Baukörper bestimmt, heisst es im Planungsbericht. Dadurch grenzt es sich von den Einfamilienhäusern im Quartier ab. Indem die Massstäbe der bestehenden Bauten übernommen werden, entstehe eine einheitliche Überbauung.

Begegnungsplatz und grüne Dächer

Ein zentraler Punkt des Gestaltungsplans «Mülifeld» ist der Platz zwischen den beiden Gebäuden. Dieser soll das Quartier als Begegnungs- und Kinderspielplatz beleben. «Der Platz soll eine Verbindung zwischen den Menschen schaffen – etwas, das heute leider oft fehlt», stellt der Architekt fest. Durch ein Trockenbiotop zwischen den Gebäuden und an der westlichen Parzellengrenze soll zudem ein natürlicher Aussenraum vor den Wohnräumen entstehen. Grün wird es auch auf den Dächern. Die Sonderbauvorschriften sehen extensiv begrünte Flachdächer vor.

Dort, wo die Mehrfamilienhäuser entstehen, verlief bis 2006 noch die Gemeindegrenze zwischen Ober- und Niedererlinsbach. Dieser Umstand führt dazu, dass es zwei verschiedene Zonenpläne zu berücksichtigen gilt, erklärt Erlinsbachs Bauverwalter André Zehnder auf Anfrage. Das ist mitunter auch der Hauptgrund, weshalb überhaupt ein Gestaltungsplan erstellt wurde. Denn dieser ermöglicht auch geringfügige Abweichungen vom Zonenplan. Der Gestaltungsplan legt gewissermassen den Rahmen für das spätere Bauprojekt fest. «Sinn und Zweck ist es ja, das Grundstück als Ganzes zu planen», meint dazu Rolf Thut.

Baustart bestenfalls Sommer 2019

Wann mit dem Baubeginn im Mühlefeld zu rechnen ist, steht noch nicht fest. «Bis jetzt lag noch alles in unseren Händen. Jetzt kommt es darauf an, was die Erlinsbacher sagen», so der Architekt und Unternehmer. Er hat in den vergangenen 15 Jahren bereits zahlreiche Bauprojekte im Erzbachtal realisiert und dabei gute Erfahrungen gemacht. «Das hat immer super funktioniert, auch dank der Unterstützung seitens der Gemeinde.»

Im Mai trifft er sich mit der Leitung vom Alterszentrum Mühlefeld, um allfällige offene Fragen zu klären. Sollte es gegen den Gestaltungsplan keine Einwände geben, wäre die Eingabe eines Baugesuchs in rund einem Jahr realistisch. «Im besten Fall kann in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres mit dem Bau begonnen werden.

Der Gestaltungsplan «Mülifeld» mit Sonderbauvorschriften liegt noch bis zum 14. Mai öffentlich auf und kann auf der Gemeindeverwaltung sowie der Gemeindewebseite eingesehen werden..

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