Erlinsbach

Ein Blumentraum im Speuzerwald wurde inszeniert

Am vergangenem Samstag wurde ein Blumenweg im Erlinsbacher Wald inszeniert. (Objekt von Nicole Müller aus Erlinsbach)

Am vergangenem Samstag wurde ein Blumenweg im Erlinsbacher Wald inszeniert. (Objekt von Nicole Müller aus Erlinsbach)

Das Fachgeschäft Floristica inszenierte erstmals einen Blumenweg mit üppigen Arrangements im Erlinsbacher Wald.

Warum nicht einmal die ursprüngliche Schönheit des Waldes kombinieren mit der Eleganz von Blumen, unserem täglichen Handwerk? Auf diese Idee kam Jessica Käser im Frühsommer bei einem Hundespaziergang.

Sie führt seit sechs Jahren das Blumenfachgeschäft Floristica an der Hauptstrasse in Erlinsbach. «Nach dem ersten Musenkuss im Wald sind die kreativen Gedanken nur so aus uns gesprudelt», beschreibt Käser jenen Flash. Und da die Erlinsbacher Gewerbeausstellung Erzpo 2020 aufs Folgejahr verschoben wurde, setzte dies zusätzliche Energien frei.

Neun Blumenarbeiten zwischen Waldbäumen

Zusammen mit ihrem Partner Severin Probst, der ebenfalls im Blumenhandel beruflich tätig ist, sowie mit ihren beiden Lernenden Michelle Kraml und Laura Diefenbacher setzte Jessica Käser die Ideen in die Tat um. Unterstützung und Goodwill erfuhren sie durch den Revierförster Markus Lüdi vom Forstbetrieb Niederamt, durch die Gemeinde, den Verein Tier & Natur, lokale Firmen als Sponsoren sowie zahlreichen anderen helfenden Händen. Bei der perfekten Organisation durfte ein Shuttlebus vom Dorfplatz nicht fehlen.

Vergangenen Samstag lud das Floristica-Team die Bevölkerung zu einem Spaziergang auf ihrem Blumenwanderweg durch den Erlinsbacher Summerhaldenwald ein. Startpunkt des rund zwei Kilometer langen Parcours war der Holzschopf am Pfaffenweg. Er führte durch den Erlinsbacher Forst und über ein Wiesenstück bis zum Schützenhaus des Schützenbunds Niedererlinsbach beim Galgenhügel.

Auf neun Stationen präsentierten Käser, Probst, Kraml und Diefenbacher sowie die befreundete Nicole Müller grossformatige Blumengebinde. «Einerseits wollten wir die Gegebenheiten, die wir im Wald vorfanden, in unsere Arrangements einbeziehen», umschrieb Jessica Käser ihre Absichten. «Wir wollten aber auch bewusst extravagante Kompositionen schaffen, also Kreationen, welche wir in dieser Art und Grösse gewöhnlich kaum einmal realisieren können.»

Bei jeder Station stellten sich die Beteiligten kurz vor mit einer Kurzbiografie, einem Text, in dem sie ihre Absichten formulierten, und einer Entwurfsskizze des Arrangements. Hier zeigte sich, dass sich nicht jede Idee vor Ort technisch umsetzbar war. Jessica Käser beispielsweise hatte zum Abschluss des Rundgangs einen blumigen Torbogen über den Weg bauen wollen, musste den Plan reduzieren auf ein zwischen zwei Bäume gespanntes Blumenband.

Dafür bot der Wald Raum für zusätzliche Inspirationen. Die 18-jährige Laura Diefenbacher, Floristin im 1. Lehrjahr, sah in einem moosigen Platz zwischen jungen Tannen eine Märchenwelt. Sie nutzte die schlanken Baumstrunke als Stiele für Fliegenpilze, deren roten Hut sie mit weissem Schleierkraut schmückte. Die mystische Szenerie umrahmte sie mit Lilienblüten. Schliesslich half die Natur selber mit, indem sie beim nächtlichen Regen ein paar echte Pilze aus dem Boden wachsen liess.

Michelle Kraml, die Lernende im 3. Lehrjahr, wählte einen riesigen, stark verrotteten Baumstamm als Kern ihres Arrangements. Dem schwarzen archaischen Holzblock setzte sie einen exotischen Blumenbogen aus Strelitzien und Protea in den zarten Farbtönen Orange und Pink gegenüber. Auf ähnliche Weise baute Nicole Müller einen bereits von Grünzeug überwachsenen alten Ästehaufen in ihre Kreation ein. Ihre Orchideen überstrahlten das dunkle modrige Holz.

Severin Probst wählte das Motto Kräuterhexe für seinen ersten Posten beim Waldsofa der Spielgruppe. Einen blechernen Hexenkessel ergänzte er mit Heilpflanzen wie Echinacea, Hagebutte und Eukalyptus. Für seine zweite Station formte er ein Paar Engelsflügel aus weissen Blumen und Federschwingen aus Pampasgras.

Die Floristica-Frau Jessica Käser übernahm ebenfalls zwei Posten. Beim einen nahm sie die Idee des Lufthauchs auf, des Winds, welcher im Freien aufgehängte Wäsche oder einen Vorhang bläht. So spannte sie beim Grillplatz Leihbrünneli einen breiten Vorhang zwischen zwei Nadelbäume, ein Netz aus Eichenblättern und bunten Blumen wie Chrysanthemen und Hortensien. Den anderen bespielte sie thematisch zum Herbst mit Beeren, Kürbissen und wiederum kugligen Chrysanthemen. Den Rundgang konnte man auch am Abend unter die Füsse nehmen. Dabei wurden die Arrangements mit farbigem Licht nochmals anders in Szene gesetzt. Wer wollte, konnte den Blumentraum im Speuzerwald im Beizli des Gasthofs Hirschen beim Schützenhaus abrunden. Am Abend bereicherten der Pianist Ivo Jeschofnik und der Jugendchor unter der Leitung von Gitte Deubelbeiss den Anlass.

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