Aus Niederämter Sicht
Mit treuen Spürnasen unterwegs

Verena Fallegger
Verena Fallegger
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Dominik Wunderli

Im vergangenen Jahr haben sich viele Personen wegen der Pandemie einen Hund angeschafft. Es war «Lockdown», arbeiten im Homeoffice war angesagt oder viele Menschen fühlten sich einsam. Doch mit den Lockerungen fand man keine Zeit mehr für den Hund.

Als ich vor rund zwei Monaten in einem grossen Tierbedarfsgeschäft gewesen bin, konnte ich am schwarzen Brett bereits die ersten Inserate lesen «Habe einen Hund abzugeben» oder «ich habe keine Zeit mehr für den Vierbeiner». Überforderte Besitzer können bei Tierheimen und Tierärzten fachlichen Rat und Hilfe einholen.

Wussten Sie, dass im Kanton Solothurn rund 18'000 Hunde registriert sind? Apropos: ab 1. April bis 31. Juli ist in den Wäldern Leinenpflicht, so will es das Gesetz. Warum ist dem so? Während den Frühlings- und Sommermonaten bringen zahlreiche Wildtiere ihren Nachwuchs zur Welt. Im Gespräch mit dem Förster stellt sich heraus, dass in unserem Auenwald die Bodenbrüter, Junghasen und Rehe, aber auch Füchse, Dachse und Biber leben: «Man sieht sie nicht, aber sie werden durch die Spürnasen ausfindig gemacht und gestört. Aus Respekt gegenüber den anderen Hundehaltern und des Wildes, sowie der Natur, müssen wir uns – noch sieben Wochen – an die Leinenpflicht halten».

Auch nach dem 31. Juli könnten die Hunde an der Leine geführt werden, aus Nachsicht vor Menschen, die keine Hundeliebhaber sind, sowie Reitern, Joggern und Bikern. Auf Facebook «Ich bin von Schönenwerd, wenn….» habe ich kürzlich gelesen, dass Fussgänger auf dem Trottoir der Villenstrasse einen Geschicklichkeitslauf hinlegen mussten, wegen der Hundehaufen.

Dies ist überall ein leidiges Thema: die braune Masse auflesen und in den nächsten Robi-Dog-Kasten werfen, das sollte ja nicht so schwer sein. Doch kann ich das überhaupt oder gruuset es mir? Oder übersehe ich das «Hunde-Geschäft» einfach? Es wäre doch gut, wenn diese aufgelesen und weggemacht würden. Auf die vielen pflichtbewussten Hundebesitzer fällt dadurch sonst auch ein schlechtes Licht.

Hunde heissen Ascot, Attila, Balu, Bello, Fido, Fly, Vita, Zita etc. Unser fünfmonatiger Vierbeiner hört auf «Ronja» – die Räubertochter. Verstehen Sie mich nicht falsch, mein Mann und ich sind keine Räuber. Die Hündin wurde nur nach der Hauptfigur aus der Geschichte von Astrid Lindgren benannt.

Von Anfang an hielt sie sich gut. Schuhe, Kleider und Taschen, die sie beim Einzug ins Haus gesehen hat, bleiben wo sie sind. Aber Wehe, wenn etwas Neues dasteht oder gepflanzt wird. Kürzlich habe ich eine rotblühende Dahlie gesetzt. «Hoppla diese rote Kugel war doch gestern noch nicht da», denkt sie, also wurde die Blühte geköpft und weg war sie. Ronja hat vor ein paar Tagen die Fische im Teich entdeckt: «Ob ich die fangen kann?» Und schon ist sie über die blühenden Wasserpflanzen ins Wasser gehüpft. Sie kam dann auch wieder raus, klitsche nass und danach roch sie irgendwie nach altem Teppich. Sie ist ein Energiebündel und für jeden Schabernack zu haben. Alles was nicht niet- und nagelfest ist, räumt sie weg.

Sie hat sogar mein Strickzeug aus dem Korb geklaut und ist mit Nadeln und Wolle durch den Garten gerannt. Es zeigte sich ein lustiges aber gefährliches Bild. Ich versuche unsere Ronja zu einem anständigen, gehorchenden Hund zu erziehen. Deshalb gehe ich mit grosser Geduld und der nötigen Zeit ans Werk.

Ob mir das gelingen wird? Das hoffe ich doch, dass ich unsere pfiffige, listige Spürnase hinbekomme – ansonsten muss ich mich selbst an der Nase nehmen.

Verena Fallegger ist pensionierte Journalistin und lebt in Schönenwerd.