Kirchenaustritte

Mitgliederschwund bei den Landeskirchen: Den Reformierten und Katholiken laufen die Schäfchen davon

Immer mehr Menschen kehren den Kirchen den Rücken zu.

Immer mehr Menschen kehren den Kirchen den Rücken zu.

Bei den Kirchenaustritten belegen die Solothurner Katholiken und Reformierten im landesweiten Vergleich einen Spitzenplatz.

Unsere beiden grossen Landeskirchen leiden seit Jahren an Mitgliederschwund. Der Exodus ist für die Glaubensgemeinschaften beunruhigend, wie die Zahlen der Religions- und Kirchenstatistik des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts (spi) zeigen: Gehörten 1970 noch 95 Prozent der Schweizer Bevölkerung der römisch-katholischen oder der evangelisch-reformierten Kirche an, so waren es im Jahr 2015 noch knapp zwei Drittel.

Die Mitgliederverluste sind in der evangelisch-reformierten Kirche seit den 1950er-Jahren feststellbar. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung hat sich zwischen 1950 (56,3 Prozent) und 2015 (24,9 Prozent) mehr als halbiert. Eine starke Abnahme ist vor allem zwischen 1980 und 2000 feststellbar: innerhalb von 20 Jahren ging ihr Anteil um 17,3 Prozent zurück.

Katholiken hilft Migration

Dass sich der Anteil der Katholiken an der Schweizer Bevölkerung stabiler halten konnte, verdankt die römisch-katholische Kirche der Migration: Ein Grossteil der Menschen, die in die Schweiz migrieren, ist katholischen Glaubens.

In der römisch-katholischen Kirche zeigen sich erst seit einigen Jahren ebenfalls Mitgliederverluste: Ab den 1950er-Jahren ist noch ein leichter Mitgliederzuwachs auf 46 Prozent feststellbar und dieser Anteil hält sich bis in die 1990er-Jahre. Danach verzeichnen auch die Katholiken einen sinkenden Anteil an der Bevölkerung.

Solothurn mit Spitzenplatz

Die Kirchenaustrittsrate ist gemäss den spi-Zahlen sowohl in der römisch-katholischen als auch in der evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz zwischen 2011/12 und 2015 gestiegen. Der Kanton Solothurn ist dabei keine Ausnahme. Im Gegenteil: Solothurn zählt zu den Kantonen mit den meisten Kirchenaustritten.

Die Austrittsquote bei den Katholiken lag gemäss spi 2015 bei 1,5 Prozent (2011/12: 1,3 Prozent). Mit 3,1 (2,0) Prozent liegt nur Basel-Stadt höher. Und an dritter Stelle figuriert mit 1,4 (1,1) Prozent der Aargau. Bei den Reformierten ist die Reihenfolge genau gleich: Basel-Stadt 3,1 (2,6) Prozent, Solothurn 1,9 (1,7) Prozent und Aargau 1,7 (1,3) Prozent.

Infogram: Mitglieder der römisch-katholischen Kirche Solothurn 2013 bis 2016

Bestandesentwicklung

Ein genaueres Bild über die Entwicklung in den beiden Landeskirchen im Kanton Solothurn zeigen die Bestandeszahlen des kantonalen Amtes für Gemeinden. Nach diesen ist der Bestand bei den Katholiken von 2013 bis 2016 kantonsweit von 93 455 auf 90 081, also um 3374 Angehörige oder 3,6 Prozent geschrumpft.

Und die Reformierten haben im gleichen Zeitraum einen Rückgang von 63'615 auf 60'402 Angehörige zu verzeichnen, also ein Minus von 3213 oder 5 Prozent. Bei den Katholiken verzeichnen der Stadtbezirk Solothurn (–7,6 Prozent) und der Bezirk Lebern (–4,4 Prozent) die grössten Rückgangsquoten. Alle andern Bezirke liegen unter einem Minus von vier Prozent.

Bei den Reformierten nimmt mit ebenfalls Solothurn (–6,9 Prozent) den Spitzenplatz ein, gefolgt vom Wasseramt (–6,1 Prozent), Gösgen (–6 Prozent) und Olten (–5,8 Prozent). Die tiefste Rückgangsquote weist bei den Katholiken das Gäu (–2,6 Prozent) und bei den Reformierten der Bucheggberg (–1 Prozent) aus (siehe Tabellen).

Infogram: Mitglieder der evangelisch-reformierten Kirche Solothurn 2013 bis 2016

Verwandtes Thema:

Autor

Beat Nützi

Beat Nützi

Meistgesehen

Artboard 1