Verkehr
Mehr Sicherheit auf Zuchwils Hauptverkehrsader

Das Postulat Vescovi fordert verkehrsberuhigende Massnahmen auf der Hauptstrasse. Am Mitwirkungsanlass bestimmte das Thema Sicherheit die Diskussion.

Urs Byland
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Verkehrssituation auf der Hauptstrasse durch das Zentrum von Zuchwil.

Verkehrssituation auf der Hauptstrasse durch das Zentrum von Zuchwil.

Hanspeter Bärtschi

Die verschiedenen Probleme im Zusammenhang mit der Hauptstrasse bewegen die Zuchwilerinnen und Zuchwiler. 50 Personen füllten den Lindensaal beim ersten Mitwirkungsanlass, an dem Massnahmen auf der Hauptstrasse diskutiert werden sollten.

Nicht kommen konnten zwei wichtige Akteure: Einerseits Planer Reto Affolter, der sich in verkehrstechnischen Fragen gut auskennt. Er wurde mit Ortsplanerin Ladina Schaller bestens vertreten. Kurzfristig absagen musste krankheitshalber Reto Portmann, Leiter Projektmanagement Kreis I beim Amt für Verkehr und Tiefbau, Vertreter des Besitzers der Hauptstrasse, des Kantons. Einen Ersatz gab es für ihn nicht. So führten hauptsächlich Gemeindepräsident Patrick Marti und Peter Baumann, Leiter Bau und Planung von Zuchwil, durch den Anlass.

«Wir wollen hier alles auf den Tisch bringen, was im Zusammenhang mit der Hauptstrasse bewegt», erklärte Baumann, und nannte gleich einige Themen wie Lärmemissionen, Sicherheit für Fahrradfahrer und Fussgänger, Fluchtverkehr oder Gestaltung des Dorfzentrums. Auch mögliche Massnahmen seien bereits diskutiert worden wie Tempo 30, Begegnungszone, Berliner Kissen, Strassenverengungen, Radarkontrollen oder Strassenbelag.

Ziel sei es, ein breites Spektrum von Meinungen zu sammeln um dann «Meilensteine» anzupeilen. Vergessen dürfe man aber nicht, dass die Strasse dem Kanton gehört. Portmann habe in diesem Zusammenhang auf die regierungsrätliche Antwort zur Interpellation Schauwecker hingewiesen, die die kantonale Handhabung in Bezug auf Tempo 30-Begehren auf Kantonsstrassen erkläre.

Gefährliche Situationen?

Davon liessen sich die Anwesenden nicht irritieren. Postulant Michael Vescovi plädierte dafür, die Themen Sicherheit und Lärm zu trennen. Wichtig sei ihm die Sicherheit bei den Fussgängerstreifen. «Dort muss man die Autofahrer zwingen, anzuhalten.» Als Beispiel erwähnte er die Staus zu den Spitzenzeiten, wenn sich auf der einen Seite die Fahrzeuge stauen, auf der anderen Strassenseite aber Gas gegeben werden kann. «Das führt zu gefährlichen Situationen bei den Fussgängerstreifen.»

Gefährliche Situationen, die aber in den letzten Jahren zu keinen Unfällen mit Schülerinnen und Schülern auf der Hauptstrasse führten, wie Peter Baumann sagte. Gemeindepräsident Marti erklärte aber, dass die Schulwegsicherheit ein wichtiges Thema sei:

«Hiervon kann die politische Behörde die Augen nicht verschliessen.»

Viele äusserten sich über zu Massnahmen, die für die Sicherheit bei Fussgängerstreifen am geeignetsten wären. Erwähnt wurden Berliner Kissen oder fixe Radarkästen. Man plädierte allgemein für Tempo 30 auf der Kantonsstrasse. «Dafür müsste aber zuerst Tempo 30 flächendeckend in den Quartieren eingeführt worden sein», erläuterte Ladina Schaller.

Tempo 30 bedeute auch, dass die Fussgängerstreifen aufgehoben würden, so Baumann, was nicht ganz stimme, wie Ladina Schaller korrigierend eingriff. In bestimmten Situationen, beispielsweise bei Schulhäusern erlaube der Kanton Fussgängerstreifen. Mit Tempo 30 gelte künftig zudem Rechtsvortritt. Es gab aber auch Stimmen, die darauf hinwiesen, dass zwischen den beiden Kreiseln auf der Hauptstrasse schon heute kaum schneller gefahren werden könne, als mit Tempo 30.

Von welchem Perimeter ist die Rede

Diskutiert wurde auch, in welchem Perimeter Massnahmen ergriffen werden sollten. Zur Diskussion standen von der Abzweigung zum Schmiedenweg bis zum Kreisel im Dorfzentrum, oder weiter weiter bis zum Martinshof-Kreisel.

Einige verlangten Massnahmen bereits ab Beginn der Hauptstrasse beim Bahnübergang beim Restaurant Peperoncino. Letzteres weil der gradlinige Verlauf der Hauptstrasse vom Peperoncino bis zum Kinder- und Jugendzentrum zu schnellem Fahren verleite. Hier war bis vor kurzem ein Brennpunkt in der Bekämpfung von Raserei, weil sich Autofahrer auf dieser Strecke in Rennen austobten. Dem habe die Polizei einen Riegel schieben können.

Ein Thema war auch die grosse Anzahl der Fahrzeuge, die sich auf der Hauptstrasse durch Zuchwil wälzten. «Wir haben uns stark dagegen gewehrt, dass beim Güggelstutz kein grünes Autobahnhinweisschild hinkommt. Vergebens», so Baumann. Ladina Schaller ergänzte, dass aber ein Grossteil des Verkehrs hausgemacht sei. «Es sind nicht viele, die durch Zuchwil Richtung Autobahn fahren.» Im Publikum quittierten einige diese Aussage mit leisem «stimmt nicht».

Zu hören waren am Anlass auch die negativen Stimmen der SVP. Ersatzgemeinderat Markus Mottet erinnerte an Paragrafen und Gesetze. Ex-Gemeinderat Silvio Auderset meinte: «Wegen einiger wenigen, dürfen nicht alle schikaniert werden.» Er erinnerte zudem an die «schlechten Finanzen» von Zuchwil, und meinte abschliessend:

«Wenn das kommt, kaufe ich nicht mehr in Zuchwil ein.»

Der Gemeindepräsident versprach dennoch, rasch erste Massnahmen ergreifen zu wollen. Und Baumann will mittel- und langfristige Massnahmen ins Agglomerationsprogramm in der Hoffnung auf Bundesgelder aufnehmen.

Antwort auf Interpellation

Tempo 30 auf Kantonsstrassen

In seiner Antwort auf die Interpellation Schauwecker erklärte der Regierungsrat: «Bis anhin wurde vom Kanton die Haltung vertreten, kantonale Strassenzüge mit Durchleitungs-
charakter grundsätzlich den verkehrsorientierten Strassen und damit dem Temporegime 50 zuzuordnen. Heute erfolgt die Beurteilung betreffend die Integration von Hauptstrassenabschnitten in eine Tempo 30-Zone differenzierter: Unter gewissen Voraussetzungen und basierend auf einer Interessensabwägung respektive einem entsprechenden Gutachten können wir uns zukünftig durchaus auch Tempo 30-Strecken auf verkehrsorientierten Kantonsstrassen innerorts vorstellen.»

Die Höchstgeschwindigkeit könne aber nur  herabgesetzt werden, falls eine Gefahr nur schwer oder nicht rechtzeitig erkennbar und anders nicht zu beheben ist; bestimmte Strassenbenützer eines besonderen, nicht anders zu erreichenden Schutzes bedürfen; auf Strecken mit grosser Verkehrsbelastung der Verkehrsablauf verbessert werden
kann; dadurch eine im Sinne der Umweltschutzgesetzgebung übermässige Umweltbelastung (Lärm, Schadstoffe) vermindert werden kann. Bis anhin hat der Kanton in zwei Gemeinden Dulliken und Lüsslingen-Nennigkofen auf Nebenstrassenabschnitte Tempo 30 erlaubt. Alle anderen Gesuche wurden abgewiesen. (uby)

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