Zuchwil
Wegen tiefem Strompreis: Kebag erhöht Preise für Abfallsäcke

Die Strompreise befinden sich auf einem historischen Tiefstand. Die Kebag sieht sich deshalb zu einer Erhöhung der Entsorgungspreise um 8% gezwungen. Landesweit gesehen bleibt die Entsorgung der Kebag aber immer noch günstig.

Elisabeth Seifert
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Auch die Preise für KEBAG Abfallsäcke und Marken sollen teurer werden. (Archiv)

Auch die Preise für KEBAG Abfallsäcke und Marken sollen teurer werden. (Archiv)

Wolfgang Wagmann

Stolz verkündete die Kehrichtbeseitigungs AG in Zuchwil, kurz Kebag genannt, in den letzten Jahren mehrfach eine Senkung der Entsorgungspreise. Möglich gemacht haben diese Preisabschläge die hohen Gewinne, die das Unternehmen aus dem Energieverkauf und der Rückgewinnung wertvoller Metalle erzielen konnte.

Damit ist nun aber Schluss, zumindest für die nächsten Jahre. Im Gegenteil: Per 2016 werden die Preise für die Kehrichtentsorgung der 188 angeschlossenen Gemeinden der Kantone Solothurn und Bern um 8 Prozent steigen.

Für die Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das: Sie müssen ab 1. Januar 2016 für die Sackgebühren tiefer in die Tasche greifen (siehe Tabelle). Der Grund dafür sei der Strompreis, der sich auf einem «historischem Tiefstand» befindet, heisst es in einer Mitteilung an die Medien.

Zu tiefer Gewinn gefährdet Neubau

Die Kebag erziele 20 bis 25 Prozent ihres Umsatzes mit dem Verkauf von Energie, sagte Direktor Markus Juchli auf Anfrage. Neben der Fernwärme erzeugt die Firma am Zuchwiler Emmenspitz mittels einer Dampfturbine auch Strom. Zum Einstieg in den «volatilen» Strommarkt sei die Kebag durch die Schliessung der Borregaard in Riedholz sowie der Sappi in Biberist gleichsam «genötigt» worden. Beide Industriebetriebe hatten bis 2011 von der Kebag sogenannten Prozessdampf bezogen.

Aufgrund des erheblichen Umsatzvolumens haben die anhaltend tiefen Strompreise empfindliche Auswirkungen auf die zu erwartenden Gewinne. Ohne Gewinne in einer bestimmten Höhe aber ist das Neubauprojekt «Kebag Enova» gefährdet, unterstreicht Juchli. Bis 2025 nämlich soll die heutige in die Jahre gekommene Anlage ersetzt werden.

Die Kosten für dieses Projekt werden auf 350 bis 400 Mio. Franken veranschlagt, wovon ein Drittel aus Eigenmitteln der Kebag finanziert werden soll. Um die Finanzierung sicherzustellen, hat das Unternehmen bereits vor 15 Jahren einen Finanzierungsplan erstellt, der sich über 50 Jahre erstreckt, von 2000 bis 2050. Aufgrund der tiefen Strompreise, so Juchli, könne dieser Finanzierungsplan aber nur mit der jetzt beschlossenen Erhöhung der Entsorgungspreise eingehalten werden. Andernfalls können die nötigen Rückstellungen nicht getätigt werden.

2014 bereits ist der Strompreis gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent gesunken. Und im ersten Halbjahr 2015 habe sich der Sinkflug in der gleichen Grössenordnung fortgesetzt, rechnet der Kebag-Direktor vor. Deshalb habe der Verwaltungsrat die Preise per 2016 um «moderate» 8 Prozent erhöht. Wenn sich das Marktumfeld nicht weiter verschlechtert, werde es bei dieser Preiserhöhung bleiben, versichert Juchli.

Und: «Der neue Preis liegt immer noch deutlich unter dem nationalen Durchschnitt.» Im Schweizer Durchschnitt liegt der Annahmepreis pro Tonne Abfall bei 142 Franken, bei der Kebag in Zuchwil – nach der Preiserhöhung – bei 135 Franken (aktuell sind es 125 Franken).

Ohne die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) im Übrigen, welche die Kebag ab Herbst 2015 vom Bund für ihre Stromproduktion aus erneuerbaren Energien erhält, wäre der Preisanstieg höher ausgefallen. Juchli spricht von rund 20 Prozent. Die Situation werde durch die KEV entschärft, die Finanzierungslücke könne damit aber nicht zur Gänze geschlossen werden.

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