Biberist
Verbände und Spritzen statt Panzer: Schweizer Armee ist vielfältiger als man denkt

Im ersten Moment könnte man die vielen Militär-Soldaten vor dem Altersheim Läbesgarte in Biberist etwas komisch finden. Tatsächlich aber tragen Spital-Soldaten einen wichtigen Teil zur Armee bei. Das Spitalbataillon 66 zeigte am Besuchstag sein Können.

Manuela von Arx
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Besuchstag Spitalbataillon im Altersheim Läbesgarte in Biberist
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Infusionen stecken: Auch das müssen die Soldaten des SpitBat 66 können.
Ob er auch alles richtig macht? Die Soldaten stehen am Besuchstag ständig unter Beobachtung.
Alles wird genau gezeigt und erklärt
Spannend scheints auf jeden Fall zu sein.
Das richtige legen einer Infusion ist nicht immer so einfach.
Was das wohl für gelbe Flüssigkeit ist?
Geduldig erlärt der Soldat den Blutdruck...
und zwar immer...
... und immer wieder.
Die Spritze ist richtig spitzig
Gemeindepräsident Martin Blaser hört sich die Ausführungen an
Vieles wurde den interessierten Besuchern erklärt.
Diese Brille simuliert eine Sehbehinderung
Auch draussen gibts viel zu sehen
Mit dem Desinfektionswagen werden Matratzen von Bakterien befreit.
Einen Verletzten in den Sanitätswagen verfrachten? Das Spitalbataillon 66 zeigt, wie es gemacht wird.
Oberleutnant Simon Frölich erklärt das Rettungsbrett.
An einem kleinen Vortrag wird das Motto des Spitalbataillons 66 vorgestellt...
...«schützen, helfen, pflegen»

Besuchstag Spitalbataillon im Altersheim Läbesgarte in Biberist

Hansjörg Sahli

Verbände wechseln, Puls messen oder Blutdruck überprüfen – das sind nicht gerade die Tätigkeiten, die man normalerweise mit dem Militär assoziiert. Das Spitalbataillon 66 demonstrierte aber am Besuchstag im Biberister Altersheim Läbesgarte, dass auch solche Aufgaben Teil der Schweizer Armee sind. Die Soldaten des Spitalbataillons 66 absolvieren in diesen Tagen ihren Wiederholungskurs. Unter anderem leistet ein Teil des Bataillons einen Einsatz im «Läbesgarte» in Biberist.

Die Armee in einem Altersheim? Im ersten Moment mutet das etwas sonderbar an. «Viele Leute vergessen oft, dass zum Militär mehr dazugehört, als Panzer und Waffen», so der Kommandant des Spitalbataillons 66, Alfio Finochiaro. Dabei trage ein Spitalbataillon einen wichtigen Teil zur Armee bei. Finochiaro ist daher froh, dass sein Bataillon im «Läbesgarte» die Möglichkeit bekommen hat, einen Einsatz zu leisten. «Im Gegenzug kann das Altersheim von uns natürlich auch profitieren, da wir hier das Personal entlasten», erklärt der Kommandant.

Weitere Einsätze in der Region

Andere Spitalsoldaten des Spit Bat 66 sind parallel zu denjenigen in Biberist an weiteren Standorten in der Region im Einsatz, nämlich in Egerkingen, Oensingen und Grenchen. Die Einsatzgruppe in Grenchen übte am Mittwoch im Altersheim Sunnepark den Ernstfall: Das Militärpersonal ging von einem Feueralarm aus und evakuierte als Übung ein Stockwerk des Gebäudes.

Ein Spitalbataillon wie das Spit Bat 66 hat grundsätzlich vier Aufträge: Dazu gehört der Betrieb eines unterirdischen Militärspitals, einer geschützten Operationsstelle Gops unterhalb eines zivilen Spitals, einer improvisierten Bettenstation sowie die Verstärkung eines zivilen Spitals oder einer Pflegeeinrichtung. (mva).

Die Soldaten sind im Altersheim in verschiedene Einsatzgebiete eingeteilt: Je nach zivilem Hintergrund erledigen sie Aufgaben in der Pflege, der Küche, der Reinigung, der Wäscherei oder der Desinfektion. Die meisten von ihnen sind Laien. «Wir haben hier eine bunt zusammengewürfelte Gruppe, was die zivilen Tätigkeiten angeht», so Finochiaro.

So gebe es unter den Soldaten Primarlehrer, Kleinkinderzieher oder Biochemiker. Das Grundhandwerk für die vielseitigen Aufgaben des Spitalbataillons 66 haben die Soldaten bereits in der Rekrutenschule gelernt. Auch der Kommandant selbst hat keinen medizinischen Hintergrund: Bevor er zum Militär wechselte, war er Sekundarlehrer.

Desinfizieren mit spezieller Anlage

Am Besuchstag im «Läbesgarte» wurden nebst der Arbeit mit den Bewohnern auch weitere Tätigkeiten gezeigt, schliesslich sollte den interessierten Besuchern etwas geboten werden. Auf einem Rundgang präsentierte das Bataillon seine verschiedenen Aufgabengebiete. Dazu gehört beispielsweise eine mobile Desinfektionsanlage. Mit Wasserdampf und starkem Druck können damit Matratzen, Kissen, Duvets und Kleider desinfiziert werden. So werden Bakterien aber auch Schädlingen wie Bettwanzen keine Chance gelassen.

Als Nächstes stellt Oberleutnant Simon Frölich den «Sanitätswagen leicht» vor, der auch jeweils am WEF in Davos zum Einsatz kommt. Ganze fünfeinhalb Tonnen wiegt das Gefährt. Kein Wunder, schliesslich enthält es eine kleine Notfallstation. So finden sich darin verschiedene Bahren, Beatmungsgeräte oder eine Vakuum-Rettungsmatratze. Im Ernstfall können im Sanitätswagen zwei Patienten liegend transportiert werden. Frölich zeigt mithilfe eines Soldaten dann auch gleich, wie ein Patient fachgerecht auf der Bahre befestigt und in den Wagen gehievt wird.

Spritzen, Verbände, Infusionen

Die WK-Soldaten demonstrieren am Besuchstag auch den pflegerischen Teil ihres Aufgabengebiets.

Da werden Verbände angebracht und gewechselt, Infusionen gesteckt, Spritzen verabreicht und Atemfrequenzen gemessen. Patient spielen müssen zum Glück nicht die Besucher, sondern die WK-Soldaten selber. Besonders den Soldaten, der am Spritzenposten für die Injektionen hinhalten muss, beneidet man da nicht besonders – doch er verzieht bei keinem der Nadelstiche eine Miene. Auch das gehört wohl zur Schweizer Armee.