Balm bei Günsberg
Tüftlerkopf wagt nach Doktorat mit Auszeichnung Sprung in die Wirtschaft

Dario Maradan aus Balm bei Günsberg schliesst sein Doktorat mit Bestnoten ab. Schon als Jugendlicher haben ihn alltägliche Vorgänge interessiert, was zu seiner Studienwahl der Nanowissenschaften führte. Was macht der Tüftler nach dem Abschluss?

Ornella MIller
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Physiker Dario Maradan erhielt die Auszeichnung «summa cum laude».

Physiker Dario Maradan erhielt die Auszeichnung «summa cum laude».

Hanspeter Baertschi

Während an den Hochschulen das neue Jahr beginnt, verlässt Dario Maradan bald die Hallen der Uni Basel, um sein Wissen anderswo einzubringen. Sein Doktorat hat er mit der selten vergebenen höchsten Auszeichnung «summa cum laude» abgeschlossen.

Der 29-jährige Physiker aus Balm bei Günsberg verlässt zwar den Wissenschaftsbetrieb, aber Forscherherz, Tüftlerkopf und Tüftlerhände nimmt er garantiert mit.

Wir treffen Dario Maradan an der Kantonsschule Solothurn, wo er im Jahr 2005 die beste Matura des Kantons ablegte. Mehr als eine Stunde spricht er umfassend über seine Arbeit. Doch auch für Laien gut verständlich.

Er schafft es, dass Physik plötzlich interessant wird. Man hat den Eindruck, mitten im Brennpunkt der aktuellen Grundlagenforschung zu sein. «Während bei uns in Basel die Kernphysik als Spezialgebiet am Abklingen ist, kamen in den letzten Jahrzehnten die Gebiete Nanoelektronik und Quantencomputer stark auf», erzählt er.

Alltägliche Vorgänge verstehen

Er studierte nicht eigentlich Physik, sondern Nanowissenschaften, wo Biologie, Chemie und Physik gelehrt werden. Seine Interessen seien breit gewesen, er habe auch ein Flair für Sprachen gehabt.

«Was den Ausschlag gab, war das Interesse, alltägliche Vorgänge zu verstehen», erklärt er seine Studienwahl. Schon als Jugendlicher war er neugierig: «Ich wollte immer wissen, wie etwas funktioniert. Was passiert, wenn ich den Schalter drücke? Wie lange dauert es, bis das Licht angeht?»

Seine Eltern hätten diese Neugierde gefördert. «Sie liessen mich viele Dinge machen. Wenn etwas kaputt war, fragte mich mein Vater, ob ich es aufschrauben möchte.»

Waren Kontakte im Batteriefach verklebt, schliff er sie ab, bis sie wieder funktionierten. «Das sind kleine Erfolgserlebnisse, die einen zuversichtlicher machen», sagt Maradan. Zwar habe er einen elektronischen Lernkasten von «Kosmos» gehabt, habe sich aber nicht viel damit beschäftigt. Denn die Wissensgrundlagen hätten ihm gefehlt, es sei ihm zu abstrakt gewesen.

Hingegen: «Ich spielte als Kind sehr viel mit Lego, stundenlang, nachmittagelang, wochenlang.» Während das Bachelorstudium vor allem am Anfang sehr verschult war, hatte er im Masterstudium viele Möglichkeiten, auch direkt in der Forschung mitzuarbeiten.

Was sind eigentlich Voraussetzungen für ein Physikstudium? Maradan, der schon in der Primarschule ein sehr guter Schüler war, meint: «Ich habe das Gefühl, extrem viel ist mit Motivation machbar und lernbar. Auch wenn man in Mathe und Physik nicht eine Sechs hat, kann man das Physikstudium so positiv bewältigen.»

Dies sei allerdings von vorherein schwer einzuschätzen, denn das Physikstudium und die Arbeit eines Physikers unterschieden sich sehr von dem, was man in der Schule lernt. «Würde man schon den Schülern eine Idee von den spannenden aktuellen Forschungsfeldern geben, könnte man wohl mehr Jugendliche für dieses Studium begeistern und die Abbrecherquote zugleich minimieren.»

Der 29-Jährige ist ein relativ junger Doktor, denn er musste nie wiederholen und auch keinen Militärdienst leisten. Seine Eltern hätten ihn, ein Einzelkind, zudem immer finanziell unterstützt, sodass seine Studien nie wegen Erwerbsarbeit ruhen mussten, wofür er sehr dankbar sei. Das sei auch ein Ansporn gewesen, möglichst schnell abzuschliessen und selbstständig zu sein.

Ausgleich zur Kopflastigkeit

Welche Perspektiven hat er denn nun? «Die Möglichkeiten sind zahlreich», klärt der junge Mann auf. Bei Banken und Versicherungen könnten Physiker dank ihres Wissens um Simulationen und Modelle gut unterkommen.

Weitere Möglichkeiten böten die Energiesparte – auch mit der Grünen Energie, Industrien auf dem Gebiet der Sensorik und Mikrotechnologie, die Metrologie sowie auch Stellen im Bereich der Materialentwicklung und Nanotechnologie. Maradan gibt sein Wissen gerne in Repariercafés der Gesellschaft weiter.

Als Ausgleich zum Kopflastigen spielt er schon jahrelang Tischtennis im Klub in Solothurn, wo er auch als Nachwuchstrainer fungierte. Biken oder das Wandern zählen ebenso zu seinen Hobbys. Und wohl bringt auch seine Freundin, eine Jura-Studentin, ihn ab und zu auf andere Gedanken.

Dass er die Wissenschaftskarriere nicht weiterverfolgt, liege letztlich daran, dass es nur wenige Professuren gebe. Wenn man dann lange vergeblich darauf wartet, eine solche zu erhalten, könnte man wegen fehlender Erfahrung zu alt sein für den Wechsel in die Wirtschaft.

Jetzt sei deshalb ein guter Zeitpunkt, den Sprung in die Wirtschaft zu wagen. «Ich bin extrem gespannt, was ich für eine Stelle finde», meint Maradan, dessen Anstellung an der Uni Basel Ende Jahr endet. «Dabei das Tüfteln und Forschen einbauen zu können, wäre meine Traumvorstellung von einem Beruf.»

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